Lücke und Leerstand: Im Bereich Waisenhausstraße besteht für die eben erst erneuerte Bäckerstraße noch deutlicher Optimierungsbedarf. Noch sind sich die Investoren jedoch uneins. - © Jens Reddeker
Lücke und Leerstand: Im Bereich Waisenhausstraße besteht für die eben erst erneuerte Bäckerstraße noch deutlicher Optimierungsbedarf. Noch sind sich die Investoren jedoch uneins. | © Jens Reddeker

Herford Streit um eine Baulücke in der Innenstadt

Bäckerstraße/Waisenhausstraße: Planungsamt der Stadt möchte bis zum September im Bau- und Umweltausschuss einen neuen Lösungsvorschlag vorstellen

Peter Steinert

Herford. Fußgängerzone, scheinbar beste Lage. Dennoch herrscht Stillstand an der Ecke Bäckerstraße/Waisenhausstraße. Links der Waisenhausstraße fällt nach dem Abriss der einstigen Pelzfabrik Niemeyer eine Schotterfläche ins Auge, rechts der Waisenhausstraße ist es die leer stehende Bauruine des ehemaligen Modegeschäfts Heidbreder. Dabei gibt es für beide Seiten Interessenten. Einer davon ist der Detmolder Alexander Strese. Der sieht seine Felle schwimmen und kündigt im Falle einer Ablehnung seiner Pläne erbitterten Widerstand an. Derzeit laufen beim Planungsamt der Stadt die Stellungnahmen der Beteiligten ein. Wie etwa die des Bünder Investors Robert Bem. Der hatte sich ursprünglich mit Alexander Strese auf eine große Lösung verständigt. Dieses Konzept ist indes vom Tisch. Jeder verfolgt eigene Ziele. Haus steht unter Denkmalschutz Die betreffen im Fall Bem das Haus Bäckerstraße 5. Das unter Denkmalschutz stehende Objekt möchte der Immobilienhändler als Wohn- und Geschäftshaus erhalten. Rentabel sei die Planung aber nur dann, wenn das Gebäude um einen Anbau mitsamt Treppenhaus ergänzt wird. Auf eine diesbezügliche Bauvoranfrage reagierte der Bau- und Umweltausschuss in seiner April-Sitzung differenziert. Während die CDU über Werner Seeger ("Wir sollten jetzt nicht warten, bis sich beide Seiten entschieden haben") und die SPD durch Eckhard Klemens ("Sonst besteht die Gefahr, dass wir an der Bäckerstraße 5 eine Ruine stehen haben") Zustimmung signalisierten, warnte Herbert Even (Grüne) eindringlich: "Wir wollen dem Bäckerstraßen-7-Investor nicht die Luft nehmen." Streit um Nachbargrundstück Eben das befürchtet Alexander Strese nun für seine Vorstellungen. "Nach unseren Planungen ist der Bau ohnehin schon einen halben bis eine ganzen Meter zurückgesetzt worden. Wenn die Pläne von Herrn Bem umgesetzt werden, dann geht das auf meine Kosten. Denn wir haben im Endeffekt nur eine Belichtungsseite. Und das betrifft die Längstfront zur Waisenhausstraße. Die jetzt angedachte Bebauung des Nachbargrundstücks werde ich mit allem was geht blockieren." Zu dieser Bebauung gehört nicht nur der Anbau im hinteren Bereich der Bäckerstraße 5, sondern auch eine Aufstockung um ein Dachgeschoss des vorderen Gebäudes. Das würde Strese zusätzlich Tageslicht nehmen. Es steht allerdings noch nicht fest, da es mehr als fraglich ist, ob der Denkmalschutz diesen Plänen zustimmt. Planungsamt wertet Stellungnahmen aus Vorstellbar ist indes, dass die Verwaltung bei Bems Plänen Zugeständnisse macht. Denn neben den beiden Investoren hegt die Stadt eigene Interessen. Sie hält an dem Planungswettbewerb "Herford ans Wasser" fest und braucht im Abschnitt zwischen Herderbrücke und Bäckerstraße noch Zugangsflächen - von Robert Bem. Das Planungsamt der Stadt wertet in den kommenden Wochen die Stellungnahmen aus. Der daraus resultierende Kompromiss soll im Bau- und Umweltausschuss am 20. September beraten werden. Schon jetzt steht fest, dass die Waisenhausstraße erhalten bleibt, nicht überbaut wird und dass zwischen den Gebäuden Bäckerstraße 5 und 7 aus Brandschutzgründen mindestens fünf Meter Abstand liegen müssen.

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