Fast wie früher: Oldtimer-Liebhaber stellten die Szene nach Veröffentlichung des Fotos vom Mittwochrätsel vergangenes Wochenende nach. Zu sehen sind (links) ein englischer Singer "Nine" in Rot und ein schwarzer Mercedes 280 SL dahinter. Rechts glänzt ein Jaguar XK 140 DC und in der Mitte als Clou - wie auf dem Original-Foto - ein EMW vom Typ 327. Dessen Besitzer ist Gralf Michaels. Diese Werke waren noch vor dem Krieg von BMW übernommen worden. - © Privat
Fast wie früher: Oldtimer-Liebhaber stellten die Szene nach Veröffentlichung des Fotos vom Mittwochrätsel vergangenes Wochenende nach. Zu sehen sind (links) ein englischer Singer "Nine" in Rot und ein schwarzer Mercedes 280 SL dahinter. Rechts glänzt ein Jaguar XK 140 DC und in der Mitte als Clou - wie auf dem Original-Foto - ein EMW vom Typ 327. Dessen Besitzer ist Gralf Michaels. Diese Werke waren noch vor dem Krieg von BMW übernommen worden. | © Privat

Herford Auflösung: Unser Foto zeigt die Autosattlerei Jach am Neuen Markt

Die gute Stube der flotten Flitzer

Peter Steinert

Herford. Zum Mittwochsrätsel der vergangenen Woche erreichten die Redaktion zwar relativ wenige, dafür aber umso fundiertere Zuschriften. Die Ausführungen der Leserinnen und Leser ergänzt die Familie Jach. Sie steuert Informationen aus "erster Hand" bei - denn auf dem Foto ist die Autosattlerei von Karl Jach zu sehen. Dessen Sohn Uwe (75) besuchte gestern mit Frau Irene die Redaktion, zuvor hatte sich deren Sohn Raimund Jach per Mail gemeldet, der die Sattlerei inzwischen in dritter Generation führt. Gralf Michaels: "Um es vorweg zu nehmen, die Antwort lautet: 'Neuer Markt'. Die wahren Bezeichnungen an dieser Stelle sind durch die frühere Stadtentwicklung komplizierter. Der Standort des Fotografen mit dem Auto 'links' befindet sich vor dem Haus 'Petersilienstr. 1'. Das Quergebäude hinter dem zweifarbige Cabriolet ist die Rückseite des ehemaligen Neustädter Rathauses mit der Anschrift 'Neuer Markt 1a+b'. Die drei hinteren Autos stehen vor der Autosattlerei von Karl Jach mit der Adresse 'Lübberstr. 31'. Karl Jach ist 1945 vor der heranrückenden Front aus Stolp/Pommern geflohen und im Spätsommer 1945 in Herford gelandet. Im Winter 1945/46 hat er an diesem neuen Standort seinen Handwerksbetrieb wieder eröffnet. Das Bild aber dürfte aus dem Jahr 1948 stammen. Bei dem schwarz/weißen Cabriolet hinten im Bild, handelt es sich um einen EMW Typ 327/8. Es dürfte sich um dem Wagen von Herrn Dr. Neyer handeln, der nachweislich ab Januar 1939 auf seinen Namen als Erstbesitzer zugelassen wurde. Dr. Neyer besaß eine 'Privat-Frauenklinik' am Lübbertorwall 16, die schon beim Mittwochsrätsel 'Werre' erwähnt wurde." Detlev Piekenbrock: "Das Haus vorne ist heute ein italienischer Gourmettempel mit riesigem Platzangebot, war immer ein gastronomischer Betrieb, solange ich zurückdenken kann, zeitweise die "Alten Ratsstuben" mit Adi und Ella und dem Ulkstammgast Herbert." Klaus-Dieter Stork: "Die schnittigen Cabrios sind auf dem Neuen Markt unterwegs. Die Firmeninschrift an der Hausfassade links deutet auf die Autosattlerei Karl Jach hin. Daher auch die Cabrios auf dem Bild. Die Firma Karl Jach wurde 1924 von dem Großvater des jetzigen Inhabers in Pommern gegründet. Nach dem Krieg flüchtete die Familie 1946 nach Herford und führt die Firma seitdem hier weiter. Sie befindet sich jetzt in der Lilienthalstraße." Uwe Jach: "1946 begann Karl Jach mit seinen älteren Kindern (insgesamt waren es neun) in Herford, wo am Neuen Markt die Cabrios neue Dächer erhielten oder mit einer neuen textilen Innenausstattung versehen wurden. Die Werkstatt befand sich in einer Besitzung der Familie Münter, wobei das Gebäude zum Vorderhaus 'Lübberstraße 29' gehörte. Dort befand sich das Lebensmittelgeschäft 'Brockschmidt' mit einer Tabakwaren-Abteilung. Später war dort eine Eisdiele, die sich schnell zum beliebten Treffpunkt der Herforder Jugend entwickelte. Zur Zeit der Aufnahme des Mittwochrätsels hing über dem Neuen Markt zur Verkehrsregelung eine sogenannte 'Heuer-Ampel'. 1956 war unser Betrieb zur Kirchgasse 4 verlegt worden." Raimund Jach: "Mich erfüllt dieses Foto mit besonderem Stolz, da es die Autosattlerei meines Opas (Karl Jach ) und seinen Söhnen zeigt. Ich bin die dritte Generation, die heute die Autosattlerei mit einer so langen Tradition führt. Großer Dank gilt dem Ehepaar Margaretha und Jost Hammen, die mit viel Liebe, Begeisterung und Mut diese Immobilien aufwendig renoviert haben. Ich darf jeden Tag den tollen Anblick solcher oder ähnlicher Cabrios und Oldtimer in meiner Firma genießen."

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