Frühe Nachkriegszeit: Vertriebene wohnten in Baracken am Ortsieker Weg. - © Kommunalarchiv
Frühe Nachkriegszeit: Vertriebene wohnten in Baracken am Ortsieker Weg. | © Kommunalarchiv

Herford Geschichten über den Amselplatz

Zusätzlich zur Geschichtswerkstatt "Herfords Norden" beschäftigt sich der Kulturanker jetzt auch mit dem Quartier Amselplatz - Vortrag zu Herfords Baracken folgt im Mai

Ralf Bittner

Herford. "Was wir jetzt nicht sichern, ist für immer verlorenen", ist Hans-Jürgen Buder vom Verein Kulturanker überzeugt. Seit einigen Jahren bietet der Verein die "Geschichtswerkstatt Herfords Norden" an. Die neue "Geschichtswerkstatt Amselplatz" soll sich mit der Historie des Quartiers um Amselstraße, Amselplatz, Lerchenstraße und dem oberen Teil des Ortsieker Wegs beschäftigen. "In dem Bereich entstanden ab 1956 Siedlungen mit Kirchen und Kindergärten, eigene Stadtteile", sagt Rudi Wehmeier, der sich mit den Jahrzehnten vor dieser Zeit beschäftigt hat als etwa am Ortsieker Weg aber auch andernorts in der Stadt Baracken entstanden, in denen während des Kriegs Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, nach dem Krieg Vertriebene untergebracht waren. Wehmeier, bis zur Rente bei Miele beschäftigt, glaubt, dass die Firmengeschichte und Herfords Stadtgeschichte eng miteinander verknüpft sind. 1940 wurde Miele von der NS-Kommandowirtschaft die Produktion von Wirtschaftsgütern aus Metall untersagt. Da Miele auch über Erfahrung im Umgang mit Holz verfügt habe, hält er es für sehr wahrscheinlich, dass die Baracken in Herford und im Raum OWL von Miele gebaut wurden. Sicher ist jedenfalls, dass Miele 1946 einen Großauftrag von der britischen Militärregierung erhielt, um fahrbare Spritzen gegen die Kartoffelkäferplage zu bauen. Am 18. Mai stellt Wehmeier vor, was er über diese Zeit zusammengetragen hat. Die WWS als Nachfolgerin der städtischen Wohnbau unterstützt die neue Geschichtswerkstatt und verteilt die Einladungen. "Vielleicht sind wir schon zu spät", sagt Buder, denn in den Siedlungen sei die Bevölkerung mehrfach umgeschlagen, lebe wohl kaum jemand aus der Generation der ersten Bewohner. "Wir würden uns freuen, wenn Menschen in das Nachbarschaftszentrum Lerchenstraße kämen, um ihre Geschichten zu erzählen oder alte Fotos und Dokumente abzugeben", sagt Buder. Der offizielle Teil der Bau- und Besiedlungsgeschichte ist in den Archiven von Wohnau und Stadt relativ gut dokumentiert. Die erzählte Geschichte aber zeige, wie das Leben damals in dem Quartier verlief. Die Erzählungen werden aufgezeichnet und danach verschriftlicht, Fotos oder Dokumente gescannt und digitalisiert, um für zukünftige Publikationen nutzbar zu sein. "Danach geben wir die Sachen ins Kommunalarchiv", sagt Karsten Adam, der schon mehrere Publikationen etwa über die Löschgruppe der Feuerwehr Schwarzenmoor oder die Schmiede Arning vorgelegt hat. Viele dieser Schriften erschienen mit Unterstützung der Geschichtswerkstatt Exter. Es werde zunehmend schwerer an alte Dokumente zu kommen, da die Kisten nicht mehr über Generationen auf Dachböden stehen, sondern in der mobiler gewordenen Gesellschaft oft Ansehen des Inhalts entsorgt werden, sagt Buder. Neben Material hoffen die Organisatoren auch auf Menschen, die bereit sind beim Abtippen der Texte zu helfen. Kontakt über den Kulturanker-Vorsitzenden Hans-Jürgen Buder, Tel. (0 52 21) 28 95 22, E-mail buder@kulturanker-herford.de

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