Rede: Karl-Josef Laumann, Staatssekretär und Patientenbeauftragter der Bundesregierung, sprach im Schützenhof über sozialpolitische Themen und stellte sich zahlreichen Fragen. - © Nora Pfützenreuter
Rede: Karl-Josef Laumann, Staatssekretär und Patientenbeauftragter der Bundesregierung, sprach im Schützenhof über sozialpolitische Themen und stellte sich zahlreichen Fragen. | © Nora Pfützenreuter

Kreis Herford Patientenbeauftragter spricht sich für die Landarzt-Quote aus

Pflege und Sozialpolitik: Karl-Josef Laumann war zu Gast bei der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) im Schützenhof

Nora Pfützenreuter

Kreis Herford. Es sollte keine klassische Wahlkampfveranstaltung werden. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) hatte Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU) zum Dialog in den Schützenhof nach Herford eingeladen. In seinem Vortrag mit anschließender Fragerunde fiel dennoch mehrfach der Name des Kanzlerkandidaten der SPD. Doch Laumann forderte seine Partei dazu auf, nicht zu sehr auf die Themen von Martin Schulz einzugehen, sondern eigene sozialpolitische Schwerpunkte setzen. Das Thema Wohnungsbau stand als erstes auf seiner Agenda. "Wir wollen, dass es wieder möglich ist, an Wohneigentum zu kommen, auch für Facharbeiter und Angestellte." Vor 30 Jahren habe der Staat noch durch Erlass der Mehrwertsteuer den Wohnungsbau gefördert. Nordrhein-Westfalen habe im Ländervergleich die höchste Grunderwerbssteuer. Zudem sei Bauland knapp in NRW. "Menschen, die Wohneigentum haben, interessieren sich stärker für die Gemeinde und engagieren sich häufiger", argumentierte Laumann, der auch CDA-Bundesvorsitzender ist. In seiner Funktion als Patientenbeauftragter der Bundesregierung sprach der 59-Jährige pflege- und gesundheitspolitische Themen wie die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum und die Medizinerausbildung in OWL an. Als konkrete Forderung nannte er eine Landarzt-Quote für NRW - sprich: Studenten, die sich verpflichten, in der Provinz zu arbeiten, würden bevorzugt zum Medizin-Studium zugelassen werden. Die Mehrheit der niedergelassenen Ärzte auf dem Land sei älter als 60 Jahre. Mit Verweis auf die nächste medizinische Fakultät in Münster, sprach sich Laumann für ein Medizin-Studium in OWL aus. "Wir sind die einzige Partei, die das so deutlich ins Wahlprogramm geschrieben hat", sagte der CDU-Politiker. Der Staatssekretär befürwortet die Gründung einer Pflegekammer, damit sich die Branche selbst organisieren könne. "Da, wo in Deutschland über Pflege entschieden wird, sitzt gar keine Pflege mit am Tisch", sagte Laumann. Es müsse die Frage gestellt werden, welche Kompetenzen diese Berufe erhalten, sie seien anspruchsvoller geworden. Laumann kritisierte, dass Krankenhauspläne nach wie vor nach Bettenzahlen erstellt werden. Entscheidender sei die Zahl der Krankheitsfälle. "Krankenhäuser sind die wichtigsten öffentlichen Einrichtungen neben Schulen."

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