Wetterhahn von St. Jakobi: Er soll sich bald auf einem neu eingefügten Stück Stahl in Wind und Wetter drehen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Wetterhahn von St. Jakobi: Er soll sich bald auf einem neu eingefügten Stück Stahl in Wind und Wetter drehen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford/Bad Salzuflen Neuer Glanz für die Wahrzeichen von St. Johannis und Jakobi

Frisch ausgebeult und neu vergoldet

Thomas Hagen

Herford/Bad Salzuflen. In Dörte Holzmeiers zarten Frauenhänden hat Handwerk im wahrsten Sinne noch goldenen Boden: Die Spenglerin mit Spezialausbildung wird in den kommenden Tagen hauchdünnes Blattgold auf die frisch ausgebeulten und mit gelber Farbe grundierten massiven Messing-Zierkugeln der Spitze des Kirchturms von St. Johannis auftragen. Ganz behutsam, denn bereits stärkeres Ausatmen kann das wertvolle, auf einem quadratischen Stück Pergamentpapier aufgebrachte Edelmetall in alle Winde zerstreuen. Holzmeier ist Teil des Spengler-Teams von Holger Menke aus Bad Salzuflen. Zu viert arbeiten drei Männer und eine Frau seit Monaten kontinuierlich an der Rekonstruktion der Kirchturmspitze der Johanniskirche. Aufgebockt liegt die mächtige Konstruktion in der Werkstatt Menkes. Eine halbe Tonne schwer, der geschmiedete Stahl graphitschwarz lackiert, strahlt die Spitze nach intensiver Aufarbeitung wieder majestätische Würde aus. Bei Blitzschutzarbeiten war im Sommer aufgefallen, dass es an der Konstruktion massive Wasserschäden gegeben hatte. "Die große Kugel war zweiteilig und wurde nur durch Scharniere zusammengehalten. Dort war immer wieder Wasser eingedrungen und dann fünf Meter über die verbindenden stählernen Blütenblätter am Kaiserstiel heruntergelaufen. Der hölzerne Stiel ist dann mehr und mehr vermodert", beschreibt Spengler-Chef Holger Menke die Schäden an der tragenden Konstruktion in 72 Metern Höhe über Herfords Neustadt. 8.000 Blatt aufeinandergeschichtet ergeben eine Blattstärke von einem Millimeter Dass noch mal Wasser in den Dachstuhl gelangt, soll eine achteckige Pyramidenkonstruktion verhindern, die wie ein überdimensionales Hütchen wirkt. An der kupfernen Außenhaut der Zierkugeln sind inzwischen die Einschusslöcher verschlossen und die Beulen von Blitzeinschlägen ausgebessert. Die angewandten Techniken heißen Rundziehen, Treiben und Anpassen an alte Rundungen. Allein das Herrichten der großen Zierkugel hat mehr als zwei Wochen in Anspruch genommen. Die gelbe Grundierung ist bewusst gewählt. "Wir bringen dort das ultradünne Blattgold von einem Träger oder als Transfergold auf, oder es wird mit dem sogenannten Anschießer aufgebracht und mit einem Vergoldermesser passend gemacht", sagt Dörte Holzmeier. Sollte es nicht richtig decken, fällt das bei gelbem Untergrund nicht auf. Das Blattgold wird mit Anlege-Öl von einem Schwamm aufgetragen und mit dem Untergrund verbunden. 8.000 Blatt aufeinandergeschichtet ergeben eine Blattstärke von einem Millimeter. Ein Blatt kostet 1,50 Euro, 180 Blätter ergeben eine Fläche von einem Quadratmeter. Für die große Kugel würden 2.500 Blatt benötigt, macht 3.750 Euro. Wie lange das dauert, hängt von Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Auch der Wetterhahn wurde wieder auf Vordermann gebracht. Eine neue Feder angesetzt, damit die kopflastige Figur ausbalanciert ist und sich bald - denkbar ist Mai - auf einer stählernen Kugel wieder im Wind drehen kann. Nun fehlt nur noch eine Schablone, um die Spitze wieder aufzusetzen. Auch die Spitze der Jakobikirche wird jetzt restauriert, das hat die Gemeinde beschlossen. Hier ist ebenfalls gute Vorarbeit geleistet worden. Die Zierkugeln - eine davon war im früheren Leben wohl ein Waschbottich - sind grundlackiert. Sie werden auf einen konischen handgetriebenen Stahl gesteckt. Stahlbleche - sogenannte Helmchen und Hütchen - leiten das Wasser ab.

realisiert durch evolver group