Arbeitsplatz: Benjamin Scheffer in seinem Büro im Denkwerk. - © Ralf Bittner
Arbeitsplatz: Benjamin Scheffer in seinem Büro im Denkwerk. | © Ralf Bittner

Herford Vom Filmfan zum gefragten Mediengestalter

Benjamin Scheffer entwirft das Erscheinungsbild von DVD- und Blu-Ray-Boxen sowie das Menü, mit dem sich Zuschauer durch die Extras klicken

Ralf Bittner

Herford. Wenn sich Fans der Fernsehserien "Sherlock", "Will und Grace" oder der Reihe "Joko gegen Klaas - Duell um die Welt" diese als DVDs oder Blu-Rays zulegen, halten sie auch ein Stück Gestaltung aus dem Denkwerk Herford in der Hand. Dort hat der Mediengestalter Benjamin Scheffer (30) sein Büro. Von ihm stammen die Gestaltung der Cover als auch die Bilder und Schriften, die zu sehen sind, wenn sich die Zuschauer durch die Menüs klicken. "Die eigentliche Programmierung übernimmt dann wieder ein anderer Dienstleister", sagt Scheffer, der unter dem Logo Benjo Media arbeitet. "Ich habe ganz klassisch Mediengestalter mit Schwerpunkt in der Druckvorstufe in einem Betrieb in Lengerich gelernt", sagt er. Die Interessen- und Eignungstests bei der Berufsberatung hatten als mögliche Berufsziele "Regisseur" und "Mediengestalter" ergeben. Regisseur sei ihm zu unrealistisch erschienen, also habe er sich 2004 für die Ausbildung entschieden. Klassische Ausbildung für einen Beruf im Wandel Nach deren Ende hatte sich durch die Digitalisierung die Arbeitswelt in den Bereichen Druck, Gestaltung und Druckvorstufe enorm verändert. "Ich stand vor der Frage Bewerbung oder Selbstständigkeit", erzählt er, und beschloss 2009, sich selbstständig zu machen. "Ich wollte es wenigstens versucht haben." Gestaltung von Visitenkarten, Briefpapier oder Werbeflyern waren zunächst sein Handwerk: "Die Leute brauchen ja nicht dauernd neues Briefpapier oder neue Visitenkarten. Man muss also viel Zeit in die Akquise neuer Kunden investieren." Dann kamen dem Filmfan das Internet und der Zufall zu Hilfe. "Ich stehe auf Genrefilme", sagt er: "Ich hatte damals einen italienischen Polizeifilm aus den 70ern gesehen. Da mir das Titelbild nicht gefiel, entwarf ich ein neues und stellte es in ein Internet-Forum für Filmfreunde." Da sahen es die Verantwortlichen der Firma, die den Film veröffentlicht hatten. Kurz darauf kam die Anfrage, ob er sich vorstellen könne, für weitere Produktionen Grafiken und Gestaltung zu entwerfen. Er konnte. Immer mehr Filme und Serien werden über das Internet vertrieben Mehr als ein halbes Dutzend Label und Verlage sind es, für die er inzwischen mehr oder weniger regelmäßig arbeitet, darunter auch Auftraggeber wie der Kinderkanal Kika oder kleinere Filmverlage, die sich auf ältere Produktionen, B-Filme oder Nischenproduktionen spezialisiert haben. "Die großen internationalen Studios produzieren diese Dinge natürlich selbst", sagt er, obwohl sich auch dort der Markt verändere. Immer mehr Filme und Serien werden als Download oder Streaming über das Internet vertrieben. Werden dann doch DVDs oder Blu-Rays produziert, wird oft mehr wert auf die Gestaltung gelegt. Auch diese großen Studios produzieren inzwischen vermehrt aufwendige Sondereditionen, die sich an Sammler oder Fans richten, eine Praxis, die von den Nischenverlagen übernommen wurde. Die Vorgaben der Gestaltung variieren dabei von der Übernahme des Originalkinoplakates wegen des Wiedererkennungseffektes bis zu komplett neuer Gestaltung, etwa um den Film in bestimmten Segment platzieren zu können. Für Scheffer ist diese Entwicklung ein Glücksfall. Wenn ein Verlag fünf bis zehn Titel im Monat herausbringt, entstehen jedes Mal alle Gestaltungselemente - Bilder, Texte, Logos - neu. Im Gegensatz zum Briefpapier bedeutet ein erfolgreich umgesetzter Auftrag daher in der Regel Nachfolgeaufträge für ihn und anderer Gestalter. Scheffer arbeitet allein in einem eigenen Büro im Denkwerk. Da er er mit seinen Kunden fast ausschließlich per Telefon und über das Internet kommuniziert, schätzt er die Nähe zu anderen Denkwerk-Nutzern: "Es ist der Pause jemand da, mit dem man reden kann." Gelegentlich ergeben sich außerdem Kooperationen mit anderen im Haus ansässigen Dienstleistern wie Webprogrammierern.

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