Fertig geröstet: Thomas Duden hat Kaffeebohnen aus der Popcorn-Maschine geholt. Sie dünsten noch Stunden aus. Gemahlen werden sollten sie daher erst am nächsten Tag - und bis dahin in einem offenen Glas aufbewahrt werden. - © Corina Lass
Fertig geröstet: Thomas Duden hat Kaffeebohnen aus der Popcorn-Maschine geholt. Sie dünsten noch Stunden aus. Gemahlen werden sollten sie daher erst am nächsten Tag - und bis dahin in einem offenen Glas aufbewahrt werden. | © Corina Lass

Kreis Herford Wie Kaffee zum Genuss wird

Seminar: Auf Einladung der Wirtschaftsinitiative verraten Thomas und Karin Duden rund 20 Teilnehmern, wie sie Kaffee-Bohnen leicht selbst rösten können und welche Bedingungen beim Aufbrühen wichtig sind

Corina Lass

Kreis Herford. Nach Erdöl ist Kaffee ist das zweitwichtigste Wirtschaftsgut weltweit, sagt Thomas Duden. Und in der Produktion gehe es durch so viele Hände wie sonst kein anderes Produkt. Der promovierte und selbstständige Physiker und seine Frau Karin, eine Psychologin, wissen das - aus Fernsehdokumentationen, aus Schulungen und aus eigener Anschauung in verschiedenen Anbaugebieten. Inzwischen vermitteln sie auch anderen, wie sie Kaffee zu einem besonderen Genuss machen. Auf Einladung der Initiative Wirtschaftsstandort Kreis Herford (IWKH, auch: Wirtschaftsinitiative) war das Bielefelder Ehepaar am Samstag in der Kulturwerkstatt in Hiddenhausen zu Gast. Gut 20 Personen, meist Mitglieder der Wirtschaftsinitiative mit Angehörigen oder Freunden, erfuhren dort, was einen Kaffee besonders schmackhaft macht und wie sie ihn ohne viel Aufwand selbst rösten können. Aus Vorgesprächen wusste Thomas Duden bereits, dass es einige echte Kenner unter den Teilnehmern des zweistündigen Seminars gab. Trotzdem dürften auch die viel Neues erfahren - oder auch geschmeckt und gerochen haben. Denn mit ihrem Seminar sprachen die Dudens die Sinne an. Das erste schriftliche Zeugnis stammt aus dem neunten Jahrhundert In einer kurzen Geschichte des Kaffees erfuhren die Teilnehmer zunächst, dass es über Kaffee ein erstes schriftliches Zeugnis aus dem neunten Jahrhundert gibt, das aus Äthiopien stammt. Die Geschichte handelt aber auch von Bohnen, die in Gürteln geschmuggelt wurden, und Schlachtfeldern, auf denen die Türken neben ihren Toten auch Kaffeesäckchen zurückließen. Apropos Gürtel: Der Kaffeegürtel ist eine geografische Bezeichnung für Landstreifen zwischen dem 23. nördlichen und dem 25. südlichen Breitengrad, in dem die Anbaugebiete liegen. Brasilien ist mit 2.791 Megatonnen im Jahr der größte Kaffeelieferant, gefolgt von Vietnam (1.056) und Kolumbien (689). In den verschiedenen Gebieten werden eine Vielzahl von Sorten angebaut, die ganz unterschiedlich schmecken. Drei davon konnten die Besucher am Samstag selbst testen - und sich dabei in der Formulierung der Geschmacksnoten üben: Weich oder hart, spitz oder rund, erdig womöglich, schmal klein oder vollmundig. Geschmack, Raum, Abgang: Was die meisten vom Wein kennen, hilft auch dabei, Kaffee zu beschreiben. Die Besucher des Seminars erfuhren zudem, welche Parameter entscheidend sind für einen guten Kaffee. Dabei sei wichtig zu wissen, so Thomas Duden, dass Kaffee rund 30 Prozent lösliche Stoffe enthalte, von denen der Kaffeetrinker aber nur 20 Prozent will, weil die restlichen 10 Prozent das Getränk zum Beispiel unangenehm bitter machen. Zu den Parametern gehört die Kaffeemenge: 60 Gramm auf einen Liter Wasser seien ein gutes Maß, so Thomas Duden. Zu den Parametern gehöre auch der Mahlgrad: Je feiner der Kaffee gemahlen sei, desto weniger Zeit brauche die Wärmeenergie des heißen Wassers, um die Aromastoffe aus dem Pulver zu extrahieren. Ein weiterer Parameter ist schließlich die Wassertemperatur, die bei 92 bis 96 Grad optimal sei. Duden zufolge kühlt kochendes Wasser aber so schnell ab, dass es vor dem Aufgießen nicht extra abkühlen müsse. Wer das Optimum erreichen will, kann das mit den üblichen Haushaltsgeräten für das Aufbrühen von Kaffee, wie die Dudens auch ganz praktisch verdeutlichten. Wichtig sei aber, immer nur einen der Parameter auf dem Weg zum optimalen Ergebnis zu verändern. Denn nur dann klar sei, was den veränderten Geschmack verursacht habe. Jedes Glied in der Produktionskette verdoppelt den Preis des Kaffees Zum Abschluss röstete Thomas Duden selbst Kaffee. Dazu zweckentfremdete er zunächst einen Popcorn-Röster, der die rohen, grünlichen Kaffeebohnen innerhalb von Minuten so weit röstete, dass sie - nach einem Tag des Ausdünstens - gemahlen werden können. Rösten lassen sich die Bohnen natürlich auch mit einer Kaffeeröstmaschine, die extra zu diesem Zweck verkauft wird, dann aber wesentlich teurer ist. Beim Erwerb von Rohkaffee achten die Dudens darauf, dass er nicht von Plantagen stammt, die das hochgiftige Unkrautvernichtungsmittel Roundup verwenden. Ihr Ziel ist, eine direkte Handelsbeziehung zu den Erzeugern aufzubauen - auch aus sozialen Aspekten heraus. Denn: Jeder, durch dessen Hände der Kaffee vom Erzeuger bis zum Endabnehmer geht, verdopple den Preis. Noch reiche ihre Abnahmemenge dafür aber nicht aus, sagte Karin Duden.

realisiert durch evolver group