Herford Experten prüfen historische Bibliothek des Friedrichs-Gymnasiums

Das Erbe der Augustinermönche

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Die Augustinermönche haben mehr in Herford hinterlassen, als ihre Klostermauern, deren Reste jetzt bei Bauarbeiten im Untergrund des Kaufhofgeländes gefunden wurden. 1540 vertrauten die Brüder des aufgelösten Klosters mit ihrer Lateinschule auch deren Bibliothek der Stadt an. Über die Jahrhunderte erhalten gebliebene Bücher aus dieser Zeit bilden den wertvollen Kern der inzwischen 10.000 Bände umfassenden historischen Bibliothek des Friedrichs-Gymnasiums. Ende 2014/Anfang 2015 hat es große Aufregung um sie gegeben. Der Staub auf den Wälzern im feuchten Keller des 70er-Jahre-Baus der Schule hatte Schimmel angesetzt. Es musste gehandelt werden und Spezialisten rückten an, um die Bücher zu reinigen und in 1.200 atmungsaktive Kartons zu packen, um sie an einen geeigneteren Ort auslagern zu können. Schulleiterin Gudrun Horst des Cuestas fand diesen sicheren Ort in einem früheren Luftschutzkeller eines Herforder Unternehmens. Doch das Gymnasium, das sich als Wurzel auf eben diese Lateinschule beruft, und 2015 475-jähriges Bestehen feierte, möchte, dass die Bibliothek wieder zugänglich gemacht wird. Staub hatte im feuchten Schulkeller Schimmel angesetzt Horst de Cuestas: "Weil unser historischer Bau an der Brüderstraße verloren ist, kann ich den Schülern nur so noch anschaulich vermitteln, wie alt unsere Schule ist. Das hat auch etwas mit der Identität der Schule zu tun." Für sie sind allerdings auch Schulbücher interessant, die noch nicht Hunderte Jahre alt sind und teils aus Vermächtnissen von Kollegen stammen: "Sie sagen viel über Didaktik und Selbstverständnis eines Gymnasiums." Zeit ist ins Land gegangen, doch nun wird nach Angaben der Schuldezernentin Birgit Froese-Kindermann mit Hilfe eines Gutachters versucht, die Bibliothek sachgerecht zu erschließen: "Drei Tage wird die Erstsichtung im Frühsommer dauern. Dann werden wir wissen, was als Kulturdenkmal erhaltenswert ist." Dieser Experte ist der Leiter des Dezernats Historische Bestände an der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Reinhard Feldmann, weiß Stadtarchivar Christoph Laue. Ziel ist es langfristig, die Bestände genau zu erfassen, auszuwerten, restauratorisch zu bearbeiten und zugänglich zu machen. Alle Bücher, die aus der Zeit vor 1850 stammen, müssen ohnehin komplett bewahrt werden. "Älteste und wichtigste Sammlung in Herford nach dem Stadtarchiv" Aus der Zeit zwischen 1850 und 1950 sind nach seiner Schätzung 60 Prozent erhaltenswert und aus der Zeit von 1950 bis heute um die 30 Prozent. Für diese Aufarbeitung, die nicht am derzeitigen Aufbewahrungsort stattfinden kann, kann die Stadt versuchen, eine finanzielle Förderung zu bekommen. Der Mittelalterexperte Michael Baldzun, hat 2010 in einem Vortrag vor dem Ehemaligenverein den Buchbestand bewertet und erklärt, die Bibliothek sei "nach dem unschätzbar wertvollen Archiv der Stadt die älteste und wichtigste Sammlung in Herford". Das Schularchiv des Friedrichs-Gymnasiums ist schon heute Bestandteil des Kommunalarchivs im historischen Kreishaus. Das ist aber räumlich an seine Grenzen gelangt und könnte die Lehrerbibliothek nicht mehr aufnehmen. Nachgedacht wird in Fachkreisen mittlerweile auch darüber, ob sich ein größeres Quartier für das Stadtarchiv auf dem Bildungscampus auf dem Stiftberg finden und finanzieren ließe. Reinhard Feldmann wird im Herbst auf Einladung des Geschichtsvereins und des Friedrichs-Gymnasiums in Herford einen Vortrag über "die Bedeutung historischer Gymnasialbibliotheken in Westfalen halten." Die Herforder Bibliothek ist allein schon wegen ihres Alters eine Besonderheit.

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