Die Brandruine: Der Dachstuhl ist offen, die verkohlten Sparren sind zu sehen. Doch welchen Wert hat das Gebäude? Staatsanwaltschaft, Polizei und Versicherungen haben eine deutlich andere Bewertung als die Eigentümer. - © Thomas Klüter
Die Brandruine: Der Dachstuhl ist offen, die verkohlten Sparren sind zu sehen. Doch welchen Wert hat das Gebäude? Staatsanwaltschaft, Polizei und Versicherungen haben eine deutlich andere Bewertung als die Eigentümer. | © Thomas Klüter

Herford/Bielefeld Landgericht Bielefeld: Mutter und Sohn bestreiten Betrug

Angeklagte sollen ihr Haus in Herford angezündet haben, um Versicherungen in Höhe von 520.000 Euro zu kassieren. Spürhund zeigte Brandbeschleuniger an

Peter Johnsen

Herford/Bielefeld. Als die um 4.48 Uhr alarmierte Feuerwehr am 14. Februar 2016 am Einsatzort eintraf, brannte der Dachstuhl des Zweifamilienhauses Hausheider Straße 101 in Diebrock bereits lichterloh. Übrig blieb nur noch eine unbewohnbare Brandruine. Menschen kamen nicht zu Schaden, denn die Hauseigentümerin Else B. (74) und ihr Sohn Bernd (39, beide Namen geändert) waren bei Ausbruch des Feuers nicht zu Hause. Bei den Brandermittlern der Herforder Kripo kam jedoch recht schnell der Verdacht auf, dass die Bewohner das auf dem Gelände einer Gärtnerei gelegene Gebäude vorsätzlich angezündet haben könnten, um die Versicherung zu betrügen. Else B. machte bei der Assekuranz Gebäudeschaden in Höhe von 330.000 Euro geltend. Darüber hinaus verlangten Mutter und Sohn für das verbrannte Inventar 189.000 Euro von der Hausratversicherung. Die Versicherung zahlte trotz Klage nicht. Die Ermittlungen mündeten in eine Anklage wegen versuchten Betruges. Der Tatbestand der Brandstiftung lag nach Ansicht der Strafverfolger nicht vor. Seit Mittwoch haben sich Mutter und Sohn vor der I. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts zu verantworten. Bernd B. machte auf Anraten seines Verteidigers Detlev Binder von seinem Schweigerecht Gebrauch. Else B. dagegen war zur Aussage bereit. Bei der ersten polizeilichen Vernehmung hatten die B.s angegeben, sie seien am Vorabend zuerst zum Essen nach Herford gefahren. Dann seien sie gegen 23 Uhr auf die Idee gekommen, sich Hamm anzuschauen und dort einen Kaffee zu trinken und spazieren zu gehen. Auf der Rückfahrt sei der Sohn so müde geworden, dass man die Raststätte Hamm-Rhynern angefahren und dort bis etwa 5 Uhr im Pkw geschlafen habe. Dann sei der Anruf der Polizei gekommen. Einige Zeit später eine neue Version: nun hieß es, man habe eine Tochter/Schwester der Angeklagten im 300 Kilometer entfernten Euskirchen besuchen wollen und geplant, dort am frühen Morgen einzutreffen. Als "Alibi" diente jeweils eine Tankquittung der Hammer Raststätte. "Man hat sich bemüht zu dokumentieren, dass man weit weg vom Brandort war", gab der Kripobeamte Peer S. als Zeuge seinen Eindruck von dieser Geschichte wieder. Er habe wegen des "gleichmäßigen" Brandes "recht schnell" Verdacht geschöpft. Bei der ersten Begehung der Objekts hatte er einen Darlehnsantrag des Angeklagten über 50.000 Euro gefunden habe. Dieser Umstand könnte auf das Motiv hindeuten. Bernd B. soll hoch verschuldet sein und Privatinsolvenz angemeldet haben. Die Stadtwerke Herford verlangten 42.000 Euro für unbezahlte Gasrechnungen von ihm. Dabei soll von Manipulationen des Zählers die Rede gewesen sein, so Vorsitzender Richter Wolfgang Korte. Ein weiteres Indiz ist die Auswertung der Handydaten des Angeklagten, die von den Spezialisten der Herforder Kripo vorgenommen wurde. Sie belegen, dass sich Bernd B. zuletzt um 4.04 Uhr ganz in der Nähe seines Anwesens und nicht im Bereich Hamm aufgehalten haben muss. Der Brandsachverständige Edgar Aust hatte nach der ersten Besichtigung des Brandorts einen Spürhund angefordert. Das Tier hatte in Küche und Wohnzimmer des Obergeschosses angezeigt. In einer Mikrowelle und im Wohnzimmer hatte Aust "mineralölhaltige Stoffe" entdeckt, "die dort nicht hingehören". Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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