Bescheinigung der Stadt Herford: Die Mitarbeiter der Herforder City Wache können Bußgeldstrafen für Verschmutzungen in der Innenstadt erteilen. - © Ralf Bittner
Bescheinigung der Stadt Herford: Die Mitarbeiter der Herforder City Wache können Bußgeldstrafen für Verschmutzungen in der Innenstadt erteilen. | © Ralf Bittner

Herford Herforder für höhere Bußgelder

Der Vorschlag, die Bußgelder für Verstöße gegen die Ordnung und Sicherheit in der Innenstadt zu erhöhen, wird mehrheitlich begrüßt

Jobst Lüdeking
Melanie Wigger

Herford. Die Resonanz auf den Vorstoß von Bürgermeister Tim Kähler, die Bußgelder fürs Zigarettenkippenwegschmeißen, das Kaugummi-Ausspucken oder aggressives Betteln zu erhöhen, ist groß - sowohl bei Diskussionen im Internet als auch bei den Herfordern, die aktuell in der Stadt unterwegs sind. Zwischenergebnis der digitalen Umfrage Bei der noch laufenden Umfrage auf nw.de, der Internet-Seite der Neuen Westfälischen, ist das Meinungsbild eindeutig: 89 Prozent der Leser, die abgestimmt haben, sind der Meinung, dass eine Bußgelderhöhung dabei hilft, die Verschmutzung der Innenstadt einzudämmen. Bislang haben 101 Internetnutzer bei der Umfrage mitgemacht. Online-Kommentare zu Kählers Idee Online-Kommentare zu Kählers Idee Auch im sozialen Netzwerk Facebook befürworten viele das Ziel. "Es müsste eine Müllpolizei geben", schlägt Kerstin Christian vor. Diese sollten bei Umweltsündern gleich abkassieren. Sonja Koch geht noch weiter. "Sie müssten die komplette Stadt reinigen", lautet ihre Bestrafungsidee. Nicht nur Müll, auch andere Hinterlassenschaften verärgern. "Vor den neuen Bänken in der Bäckerstraße sind schon überall Rotze Flecken", schreibt User Volker Edler. Auf nw.de kommentiert Lilli Maßmann: "Es ist ungeheuerlich, was diese Umweltsünder anderen Menschen und den nachfolgenden Generationen zumuten, und ich kann nur hoffen, dass der Bürgermeister die volle Unterstützung des Rates haben wird." Sie schlägt vor, auch in ländlichen Stadtteilen wie Falkendiek zu kontrollieren. "Es gibt nichts, was nicht in die Straßengräben entsorgt werden kann: Drucker, Küchenmöbel, Tüten mit Weinflaschen (obwohl der nächste Container nicht weit ist), Kuchenblech am Straßenbaum, Kaffeemaschinen und Flaschen in den Äckern", schreibt sie. Herforder Unternehmer erwartet Widerspruch Schützenhilfe bekommt Kähler auch von Unternehmer Friedrich-Wilhelm Schöneberg. Der lobt den Vorstoß. "Die Idee ist absolut hervorragend", erklärt der Herforder. Das sei ein Paukenschlag. Gleichzeitig rechne er mit viel Widerspruch: "Die Betroffenen werden dagegen auf die Barrikaden gehen." Der Bürgermeister brauche deshalb Unterstützer, parteiübergreifend. "Dort wo Müll liegt, schmeißen die Leute auch wieder Müll hin", so Schöneberg weiter. Unter anderen deshalb habe sein Unternehmen, nach einer Rahmenvereinbarung mit der Stadt, die Pflege des Aufwuchses an der Zeppelinstraße übernommen. Oder am Kreisel an der Ahmser Straße. "Wenn jeder etwas tut, ist es ganz viel, was viele tun." Nachgefragt in der Innenstadt Auch andere Herforder stehen dem Vorschlag positiv gegenüber. "Ich finde die Erhöhung sehr gut, denn die bisherigen Strafen wurden ja offensichtlich ignoriert", sagt der 70-jährige Rentner Heinz Backs bei einer Straßenumfrage. Ein Kernproblem sei seiner Meinung nach das Urinieren am Trinkertreff, aber auch die "verbreitete Unsitte", die Zigarettenstummel überall hinzuwerfen. Nicole Zehm steht dem Thema Bußgelder unschlüssig gegenüber. Aber sie sieht Handlungsbedarf von Seiten der Stadt. "Es gibt zu wenig Mülleimer, vor allem an den Bushaltestellen. Da ist es doch vorsehbar, dass viele Jugendliche ihren Müll auf die Straße werfen", so die 36-Jährige. Die 19-jährige Aimee Christin Pery unterstützt Kählers Vorstoß. "Es müsste viel mehr auf die Hygiene geachtet werden." Aber auch auf Stadtbild: "Die Innenstadt wurde gerade erst erneuert und schon fängt die Verschmutzung wieder an. Wir sollten mehr dafür machen, dass die Stadt schön bleibt." Hohe Bußgelder seien der richtige Weg. Wer diese nicht zahlen könne, für den gebe es eine einfache Lösung. "Nicht beschweren, sondern es einfach sein lassen." Dramatische Verhältnisse herrschen in Herford zwar nicht, beurteilt Sina Adriaans, aber im Vergleich zu anderen Städten gebe es Verbesserungsbedarf. "Vor allem die Zigarettenkippen sind ein Problem", sagt die zweifache Mutter. "So etwas fällt einem einfach auf, wenn man Kinder hat." Obwohl die 37-Jährige Hundebesitzerin ist, stören sie selbst die Bußgelderhebung für Hundehaufen nicht. "Ganz im Gegenteil - es ist in Herford unter den Haltern üblich, gegenseitig darauf zu achten, dass die Haufen weggemacht werden." Wer sich nicht daran hält, müsse mit einer Ermahnung durch andere Halter rechnen. Ganz anders sieht das Thema Pascale Dupré: "Hat die Stadt kein Geld mehr?" Seiner Meinung nach seien solche Bußgelder übertrieben. Die einzige Veränderung, die sich der 32-Jährige wünschen würde, wäre ein Alkoholverbot auf den Straßen.

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