Die Erstplatzierten: Die Mann-Landschaftsarchitekten aus Fulda, Teresa Burmester, Antonia Hille, Matthias Kimmel und Tobias Mann, haben an dem Entwurf gearbeitet, der die Preisrichter begeistert hat. Im Rathaus stellen sie ihn vor. - © Corina Lass
Die Erstplatzierten: Die Mann-Landschaftsarchitekten aus Fulda, Teresa Burmester, Antonia Hille, Matthias Kimmel und Tobias Mann, haben an dem Entwurf gearbeitet, der die Preisrichter begeistert hat. Im Rathaus stellen sie ihn vor. | © Corina Lass

Herford Drei Entwürfe für den Neuen Markt in Herford

Der Entwurf eines Fuldaer Planungsbüros gefiel den Preisrichtern besonders

Corina Lass

Herford. Wer sich die Plätze in Europa ansieht, dem fällt eines auf, sagt Tobias Mann: Immer gehe es um das Verhältnis zwischen Kirche und Stadt. Für den Landschaftsarchitekten bestand auch bei seinem Entwurf zur Neugestaltung des Neuen Marktes die Herausforderung darin, dieses Verhältnis zu lösen. Das ist ihm und seinem Team offenbar gut gelungen. Der Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros Mann aus Fulda wurde von der Jury im freiraumplanerischen Wettbewerb „Neugestaltung Neuer Markt" auf den ersten Platz gesetzt. Das Preisgericht hat in der vergangenen Woche getagt. Unter den 13 Einsendungen – 30 hatten sich zur Teilnahme beworben, 13 wurden ausgelost, zwei weitere waren als Teilnehmer gesetzt – hat es drei Preisträger gekürt: Nach dem Entwurf der Fuldaer kamen das Büro Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten GmbH aus Herford und das Berliner Büro bbz Landschaftsarchitekten GmbH auf den zweiten und dritten Platz. Dem Preisgericht gehörten Landschaftsarchitekten und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Kirche an. Ihm lagen bei der eintägigen Beratung über die eingegangenen Entwürfe die Namen der Bewerber nicht vor. Das Niveau war hoch, sagte Martin Gasse vom Paderborner Landschaftsarchitektenbüro Gasse, Schumann, Schramm, unter dessen Leitung der Wettbewerb stattfand. „Wir können nur zu solch feinfühligen Entwürfen gratulieren", sagte er. 1. Platz: Mann Landschaftsarchitekten Der Mann-Entwurf sieht vor, den Neustädter Brunnen näher an die Verbindung zwischen Lübber- und Höckerstraße heranzurücken. Er soll so zu einem von Weitem sichtbaren Zeichen des Neuen Marktes werden. Der Entwurf greift das Material der neugestalteten Lübberstraße auf und führt es um einen rechteckigen, andersfarbigen Belagteppich aus Grauwacke – von den Landschaftsarchitekten Intarsie genannt – herum. Dadurch hebt sich die Fläche hervor. Lichtstelen beleuchten den Platz indirekt von den Rändern aus. Auch das Kirchenschiff und der Brunnen sollen beleuchtet werden. Der Übergang zwischen dem Kirchengrundstück, das früher Friedhof war, und dem Platz soll durch zwei Stufen abgegrenzt werden. Sie sind kurvig an der Ecke Neuer Markt und Hämelinger Straße vorgesehen, sie laufen zu den Seiten ebenerdig aus. Sie sollen zum Sitzen dienen und so Aufenthaltsqualität schaffen. Die Kirche wird barrierefrei zugänglich bleiben. Sitzbänke sind entlang der Geschäftszeile auf der Achse Lübberstraße/Höckerstraße in gleicher Höhe wie die Bäume geplant. Die Bäume sollen von fünf auf drei reduziert werden. Je fünf Fahrradbügel sieht das Büro dort und auf der Seite der Hämelinger Straße an der Kirche vor. 2. Platz: Kortemeier Brokmann Einen mutigen Entwurf, so der Tenor bei der gestrigen Vorstellung der Entwürfe im Rathaus, hat das Büro Kortemeier Brokmann vorgelegt: Entgegen der Vorgabe, die Bäume an der Achse zwischen Lübber- und Höckerstraße möglichst zu erhalten, sehen sie vor, sie zu fällen. Dadurch wollen sie die Fassade des historischen Wulferthauses, in dem das Geschäft „Suite 1560" seinen Sitz hat, wieder sichtbar machen. Der Entwurf sieht zudem zwar ebenfalls einen Belagteppich in der Mitte des Platzes vor, zieht ihn aber über die Verbindungslinie von Lübber- und Höckerstraße hinweg in Richtung Geschäfte. Stichwort: „Hallo, ich bin ein Platz", so Nils Kortemeier gestern bei der Präsentation. Diese Intarsie umgibt mindestens vier Meter breit ein Passepartout, ein Randstreifen, aus hellerem Stein, der nicht möbliert werden soll, damit Fußgänger und Radfahrer es für eine schnelle Querung nutzen können – zwischen Petersilien- und Credenstraße, zwischen Hämelinger und Komturstraße. Das Passepartout, der Randstreifen, übernimmt trennende und verbindende Funktion: Es trennt das Kirchengrundstück, das ein Sandstein-Pflaster mit Rasenfugen erhalten soll, subtil von der eigentlichen Platzfläche, zugleich bindet es Kirchengrundstück und Neuen Markt in das übergeordnete innerstädtische Erscheinungsbild ein. Auch bei diesem Entwurf wird der Brunnen weiter in Richtung der Achse Lübber-/ Höckerstraße gerückt. Und er erhält Wasser: Unterwasserscheinwerfer sollen bei Dunkelheit leichte Wasserbewegungen an die Brunnenwand projizieren. Ein 50 Zentimeter hoher Sockel aus Sandstein – jetzt ist der Sockel nur 15 Zentimeter hoch – kann als Sitzmöbel dienen. Die Planer sehen zudem mehrere Sitzbänke am Rande des Kirchengrundstücks und am Rand des Belegteppichs auf der Seite der Geschäfte vor. Sie können aber bei Veranstaltungen ausgebaut werden. Beleuchtet werden Platz und Fassaden über Lichtstelen. 3. Platz: bbz Landschaftsarchitekten Dieser Entwurf versieht den Platz vor Geschäftszeile an der Achse Lübber-/Höckerstraße mit einem großzügigen, aber durchlässigen Baum- und Staudenband, vor dem Bänke stehen. Auch die Berliner Landschaftsarchitekten sehen eine Platzintarsie vor. Sie hat an der Verbindung zwischen Lübber- und Höckerstraße die gleiche Höhe wie Hauskante des dem Wulferthaus gegenüber stehenden Gebäudes. Auf der anderen Seite reicht sie bis ans Kirchengrundstück heran. Vorgesehen sind jeweils zwei lange Bänke – im Norden vor dem Juweliergeschäft, auf der gegenüberliegenden Seite neben der Außengastronomie der Bäckerei Hensel. Auch dieser Entwurf sieht vor, den Brunnen zu versetzen, und zwar zur Ecke Höcker-/Komturstraße hin. Das schafft eine größere zusammenhängende Fläche für Veranstaltungen, so die Planer. Auf der Hämelinger Straße führen sie den Stadtboden bis zum Ende des Kirchhofs weiter, das Kirchengrundstück begrenzen sie durch eine Hecke. Unter den dort stehenden Bäumen sollen Bänke platziert werden. Der Kirchhof bildet damit das grüne Pendant zum überwiegend steinernen Neuen Markt und einen vegetativen Rückzugsraum. Auch dieser Entwurf sieht Leuchtstelen vor, die auch wichtige Gebäude am Platz in Szene setzt. Zudem erhalten die Kirche eine dezente Fassadenbeleuchtung und ihre Buntglasfenster eine Hinterleuchtung. Auch Bänke und Brunnen sollen beleuchtet werden.

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