Volle Kirche: Gospelchor „Call Him Up" beim Adventskonzert in der voll besetzten Petrikirche. - © Ralf Bittner
Volle Kirche: Gospelchor „Call Him Up" beim Adventskonzert in der voll besetzten Petrikirche. | © Ralf Bittner

Herford Gospelchor „Call Him Up“ singt in der Petrikirche

„We are waiting“: 450 Zuhörer erleben ein besinnliches Konzert

Ralf Bittner

Herford. „Im kommenden Jahr werden wir uns etwas einfallen lassen müssen", sagte Chorleiter Jörg Timmermann nach dem Adventskonzert des Gospelchors „Call Him Up" in der Petrikirche. Denn mit rund 450 Besuchern waren mehr Zuhörer gekommen als Sitzplätze im Kirchenraum und auf der Empore vorhanden sind. Die erlebten ein knapp eineinhalb Stunden langes Programm unter dem Titel „We are waiting". Schon beim ersten Lied „Open up wide" überraschte der Chor, denn die Bässe des gut 60 Sänger starken Chores sangen ihre Parts im Zuschauerraum verteilt im Wechselspiel mit dem Gros des Chores im Altarraum. Auch beim Gospel „Let the Heaven Light shine on me" stand ein Teil der Sänger im Kreis um den Altar, und sang erst einander, dann dem Publikum zugewandt. Erst nach dem hymnischen Gospelsong mit der Bitte, dass Gottes Licht den Weg durch die Dunkelheit in die neue helle Welt weisen möge, vereinte sich der vom Tim Gärtner am Klavier begleitete Chor vor der Orgel. Einen Augenblick dauerte es bis die Zuhörer erkannten, was und vor allem wie der Chor da sang. Bei „Viva la Vida", im Original von der „Coldplay", lagerten sich acht Stimmen übereinander, ließen einen dichten, samtweichen Klang durch die dezent in warmem Licht beleuchtete Kirche streichen und verliehen dem opulenten Song eine eigentümliche, neu Kraft. „Die Zeit im Advent ist eine Zeit der Vorfreude, aber auch eine Zeit des Rückblicks", sagte Timmermann: „Angesichts der Entwicklungen in der Politik und nachdenklich machenden Wahlergebnissen, haben wir einen Song ins Programm genommen, den Sie alle kennen, aber wohl nicht in einem unserer Adventskonzerte erwarten würden." „We shall overcome", stimmte der Chor die Hymne der Bürgerrechtsbewegung an, und die Zuschauer sangen das Lied von der Hoffnung auf eine friedliche Welt mit. Bis das „Glorious Kingdom" – das Reich Gottes – erreicht ist, kommt es auf den Einzelnen an („It’s a me"), und schließlich pries der Chor die Geburt des Jesuskindes mit dem Traditional „Amen". Darum, dass auch nach der Geburt Jesu die Zweifel nicht aus der Welt sind, ging es bei „All the Time" im Wechselspiel von Solistin Rebecca Vormbaum und Chor. Was könnte diese Zweifel besser beseitigen als das „Vater unser?" „Baba Yetu" heißt das vom Timmermann als Solist gesungene Gebet auf Swaheli. Der Song ist eigentlich die Titelmusik eines Computerspiels. Inspiration findet dieser Chor, der eindrucksvoll Verkündigung und Musikalität verbindet, an den ungewöhnlichsten Orten. Bis zu den Zugaben mussten die Zuhörer auf das wunderschöne „Gabriellas Sang" mit Solistin Stephanie Gießelmann warten. Das mutmachende, sich langsam an Intensität steigernde Lied, verzaubert die Zuhörer jedes Mal aufs Neue.

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