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Herford JVA Herford: Direktor spricht über die Jahresbilanz der Einrichtung

Friedrich Waldmann brichtet von zunehmend aggressivem Verhalten einiger Gefangener. Adventsausstellung weiterhin gefragt

Walter Dollendorf

Herford. Es betrifft Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungssanitäter oder Lehrer und auch Bedienstete im Vollzugsdienst: Diese Berufsgruppen sehen sich zunehmend aggressivem Verhalten ihrer Gegenüber ausgesetzt. „Die mangelnde Respektlosigkeit einiger Gefangener meinen Kollegen gegenüber bereitet mir große Sorgen“, sagt Friedrich Waldmann. Der Direktor der Justizvollzugsanstalt (JVA) Herford eröffnete am Samstag Morgen zusammen mit den Damen und Herren des Beirates um dessen Vorsitzenden, den Landtagsabgeordneten Christian Dahm, die traditionelle Adventsausstellung mit Produkten aus den JVA-Werkstätten. Danach zog Waldmann seine Jahresbilanz. Die fällt aus seiner Sicht durchaus positiv aus. Allerdings trüben die „unglaublichen“ (Waldmann) verbalen Beleidigungen diese Bilanz. „Wer es noch nicht erlebt hat, wie und in welcher Form die Kollegen beleidigt werden, kann es nicht glauben. Unseren Mitarbeitern schlägt teilweise der blanke Hass entgegen“, sagt der JVA-Direktor, der verstärkt mit Strafanzeigen oder Disziplinarmaßnahmen auf das aggressive Verhalten reagiert. „Maßnahmen wie Freizeit- oder Einkaufssperren trifft die Gefangenen am ärgsten“, so Waldmanns Beobachtung. Eine Erklärung für diese Entwicklung könnte sein, dass sich die Zahl der Untersuchungshäftlinge, die höchstens ein halbes Jahr in der JVA Herford verbringen, fast verdoppelt hat. Der Ausländeranteil unter den Untersuchungshäftlingen beträgt laut Waldmann mittlerweile nahezu 70 Prozent. „Insbesondere Gefangene aus dem nord- und schwarzafrikanischem Raum fallen mit äußerst respektlosem Verhalten auf. Es sind aber auch Deutsche darunter“, so Waldmann. Dankbar ist Waldmann, dass das Land NRW zweieinhalb zusätzliche Stellen gewährt hat, mit denen die Herforder die Integrationsarbeit weiter ausbauen können. 244 Menschen arbeiten mittlerweile in der JVA. Insgesamt ist der Anteil der Gefangenen mit einem ausländischen Pass von 34 auf 35 Prozent leicht gestiegen. Auch Dolmetscher werden verstärkt eingesetzt. „Jeder Gefangene erhält in seiner Landessprache Informationen zum Vollzug, damit alle über die Abläufe in der JVA informiert sind. Auch bei Problemen helfen die Dolmetscher in der Landessprache weiter. Zudem bieten wir allen Gefangenen Deutschkurse an“, sagt Friedrich Waldmann, der das Gefühl hat, dass sich der eingeschlagene Weg zu bewähren scheint. Im Januar 2017 werden Gefangene und Bedienstete eine Fortbildung zum Thema „Islam, religiöse Strömungen, Muslime in Deutschland“ absolvieren. Die JVA Herford ist mit 355 Haftplätzen eine der vier größten Strafanstalten des geschlossenen Vollzugs für Jugendliche in Nordrhein-Westfalen. Die Zahl der Gefangenen ist mit durchschnittlich 259 im Vergleich zu 2015 gleich geblieben. Erfreulich, so Waldmann, sei, dass es weniger Gewaltdelikte unter den Gefangenen gebe. Bislang wurden in diesem Jahr 33 Strafanzeigen erstattet gegenüber 46 in 2015. „Bei besonders schweren Fällen, wenn zum Beispiel Blut fließt, müssen wir dem Justizministerium berichten. In 2016 brauchten wir noch keinen Bericht abliefern“, so der JVA-Leiter. Ein Ziel der Verantwortlichen ist, Gefangenen nach ihrer Entlassung einen Einstieg ins Arbeitsleben zu vermitteln. Die Jugendlichen können in den Eigenbetrieben der Anstalt eine Ausbildung absolvieren. Selbst hergestellte Produkte wurden am Samstag auf dem Adventsmarkt verkauft. 13 Gefangene erhielten in diesem Jahr ein Berufsabschluss-Zeugnis. Stolz ist Waldmann darauf, dass es gelungen ist, die Zahl der Überstunden der Mitarbeiter drastisch zu senken. „Im Schnitt hat jeder Mitarbeiter 25 Überstunden auf dem Konto. Das ist im Landesvergleich die geringste Anzahl aller Justizvollzugsanstalten“, sagt der Direktor der JVA. Da die 355 Haftplätze der JVA nicht voll ausgelastet sind, wurden zwei Abteilungen geschlossen. Die dort tätigen Mitarbeiter können also an anderer Stelle eingesetzt werden. Auch dies habe dazu beigetragen, die Überstundenzahl zu reduzieren. Zuletzt musste sich die JVA-Leitung mit einem Fall von Kriminalität in der eigenen Verwaltung beschäftigen. Eine inzwischen entlassene Mitarbeiterin der Zahlstelle steht im Verdacht, rund 25.000 Euro für sich in bar beiseite geschafft zu haben (die NW berichtete am 23. November ausführlich). Die 65-Jährige wäre im März in Rente gegangen. „Als dies ans Tageslicht kam, haben wir sofort unseren Beirat sowie die Staatsanwaltschaft informiert. Wir müssen nun das Ergebnis der Ermittlungen abwaren. Aber der Fall geht mir sehr nahe“, sagt Friedrich Waldmann.

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