Energiegeladener Sound: Henrik Freischlader (l.) und Alex Grube am Bass im musikalischen Dialog. Schlagzeuger Carl Michael Grabinger macht das Blues-Trio komplett. - © Ralf Bittner
Energiegeladener Sound: Henrik Freischlader (l.) und Alex Grube am Bass im musikalischen Dialog. Schlagzeuger Carl Michael Grabinger macht das Blues-Trio komplett. | © Ralf Bittner

Herford Henrik Freischlader Trio beim Abschlusskonzert des Musik Kontor Herford

Das Konzert im Schiller war ausverkauft

Ralf Bittner

Herford. Nach einem Jahr Pause, mit Trio statt Band und dem neuen Album „Openness" im Gepäck hatte sich der Gitarrist und Sänger Henrik Freischlader ausgerechnet das Schiller für das letztes Konzert zur Album-Tour ausgesucht. Nach zweieinhalb schweißreibenden Stunden war klar: einen besseren Ort hätte er sich kaum wählen können. Stücke wie „Nobody else to blame" von Johnny „Guitar" Watson oder „Oh Pretty Woman" von Albert King verraten die musikalischen Inspirationen, doch den Großteil des Abends bestreitet er mit eigenen Songs. „Got it made" vom 2009er Album „Recorded by Martin Meinschäfer" gibt die Richtung vor: prägnanter Riff, knackiges Solo auf der Stratocaster und dann ein mitreißendes Bluesrockthema, ein paar Textzeilen. Es folgt „Early Morning Blues", ein entspannter Shuffle als Erholungspause vor dem, was noch kommt. Er kann beide Arten von Musik: druckvoll-rockig und zurückgenommen-entspannt. Beim Stück „Masterplan" gelingt es ihm sogar, das Publikum dazu zu bewegen, den Refrain mitzusingen – eingängiger, flüssiger Bluesrock, getragen vom Bassisten Alex Grube und Schlagzeuger Carl Michael Grabinger, macht es möglich. Obwohl wichtig für den Sound, auf dem sich Gitarre und der näselnde, irgendwie nach Südstaaten klingende Gesang Freischladers entfalten können, bleiben die beiden lange im Hintergrund. Spätestens bei dem Stück „Wolkenwinde" erhalten sie jedoch die Gelegenheit zu zeigen, dass sie mehr sind als musikalische Stichwortgeber, die dem musikalischen „Kopf" Freischlader zuarbeiten. Der bittet das Publikum vorsorglich um Geduld, „das Stück gehe sehr lang". 8 Minuten 30 dauert schon die Albumversion. Jetzt gehen Grube und Grabinger aus sich heraus, erst Bass, später Schlagzeug treten in musikalische Dialoge mit der Gitarre. Dynamische Passagen wechseln sich mit ruhigen ab. Sie erhalten und nutzen die Gelegenheit, sich mit Soli und Duetten durch die Songstruktur, an deren Ende das Trio immer auf den Punkt genau wieder zusammenfindet, zu bewegen. Acht Minuten, zehn Minuten – wer fragt danach? Das komplexe Stück nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise durch den musikalischen Kosmos des Ausnahmegitarristen Freischlader. Die Einen lassen sich von Energie des Trios mitreißen, die Anderen starren gebannt auf die Finger, die über Griffbrett und Saiten tanzen. Und die Zugabe „Never really left you", klingt doch fast nach der Hoffnung auf ein Wiedersehen.

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