Beraten die Opfer: Marion von Mach (l.) und Birgit Reiche mit Info-Flyern für Mitarbeitende der Flüchtlingshilfe. - © Corina Lass
Beraten die Opfer: Marion von Mach (l.) und Birgit Reiche mit Info-Flyern für Mitarbeitende der Flüchtlingshilfe. | © Corina Lass

Herford Die Beratungsstelle Nadeshda gibt auch geflüchteten Frauen Hoffnung

Die Einrichtung der Evangelischen Frauenhilfe Westfalen unterstützt seit Mai auch Frauen, die auf dem Fluchtweg oder in den Unterbringungseinrichtungen in OWL Opfer von Zwangsprostitution geworden sind

Corina Lass

Herford. Die Beratungsstelle „Nadeshda“, eine Einrichtung der Evangelischen Frauenhilfe Westfalen, betreut seit April auch Frauen, die als Flüchtlinge Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung geworden sind. Eine Projektförderung der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ermöglicht die Ausweitung des Angebots. Frauen seien auf ihrem Fluchtweg besonders gefährdet, erzählten die Leiterin der Beratungsstelle, Pfarrerin Birgit Reiche, und Sozialpädagogin Mira von Mach gestern am Europäischen Tag gegen Menschenhandel. Teilweise würden sie von den Tätern auch bewusst ins Asylverfahren gedrängt. In Deutschland haben diese Frauen einen besonderen Anspruch auf Schutz. So müssen sie beispielsweise außerhalb von Sammelunterkünften untergebracht werden. Die Beratungsstelle, deren Einzugsbereich der gesamte Regierungsbezirk Detmold ist, hat dafür drei Wohnungen angemietet. Sie bringt Frauen in den ersten Tagen aber auch in Frauenhäusern unter. Zudem kooperiert sie mit den Städten Bielefeld und Herford, die ebenfalls Wohnraum zur Verfügung stellen. Seit Mai hält die Beratungsstelle in der Erstaufnahme in Bielefeld-Brackwede zweimal wöchentlich Sprechstunden ab. Die Mitarbeiter erklären den Frauen, was sie machen, und bieten ihre Hilfe an. Auch im Oldentruper Hof in Bielefeld, in dem das Land eine Zentrale Unterbringungseinrichtung betreibt, hat sich von Mach vorgestellt. Frauen stünden aber auch plötzlich am Bahnhof, oft mit Kindern, manche hochschwanger, ohne dass sie je deshalb ärztlich untersucht worden wären. Bis die sozialen Hilfen greifen, dauert es ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit übernimmt Nadeshda die Kosten. Viele Frauen brauchen nach oft jahrelanger Gewalterfahrung psychologische Hilfe in ihrer Sprache. Nicht immer ist die Not aber offensichtlich. Deshalb wird von Mach ab November, beginnend in Herford, die Mitarbeiter in den acht Landesunterkünften im Regierungsbezirk soweit schulen, dass sie Hinweise auf Menschenhandel erkennen und die Beratungsstelle informieren. Zudem hat Nadeshda – auf Deutsch: Hoffnung – einen Flyer in elf Sprachen erstellt, der Frauen auf ihre Rechte aufmerksam macht. Nadeshda betreut in OWl etwa 28 bis 30 Frauen, viele mit Kindern, darunter acht Geflüchtete, die seit Mai neu hinzugekommen sind, sagt von Mach; die Mehrheit ist zwischen 18 und 25 Jahre alt. Von Menschenhandel betroffen seien seit einigen Jahren zu einem großen Teil Westafrikanerinnen: Ihr Anteil lag in der Beratungsstelle 2015 bei 40 Prozent. Andere Opfer stammen aus den Kriegs- und Krisengebieten im Nahen Osten. Die Projektmittel der Bundesregierung sind zunächst bis Dezember befristet. Reiche und von Mach hoffen aber auf eine Anschlussfinanzierung.

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