Auftakt: Schauspieler Christoph Gareisen liest aus "Der Wilde Wald". Er spielt Theater und ist immer wieder in TV-Serien zu sehen. - © Ralf Bittner
Auftakt: Schauspieler Christoph Gareisen liest aus "Der Wilde Wald". Er spielt Theater und ist immer wieder in TV-Serien zu sehen. | © Ralf Bittner

Herford Herbstcamp des Literaturbüros OWL verbindet Sport und Leseabenteuer

Baum, Buch und Degen: Das Camp in Schwarzenmoor verbindet sportliche Aktivitäten mit Leseabenteuern

Ralf Bittner

Herford. 16 Kinder verfolgen in der Deele gebannt die Abenteuer von Ritter Tiuri und seinem Knappen Piak. Sie sitzen auf Sitzsäcken und in Liegestühlen während Schauspieler Christoph Gareisen aus Tonke Dragts Abenteuerroman "Der Wilde Wild" vorliest. Gut eine Stunde lang lauschen die Kinder - bis die Helden im Wald überfallen werden, und sich der Knappe in den Baumkronen vor den Feinden versteckt. Hier unterbricht Gareisen die Lesung, denn nun geht es nach draußen in die Kronen zweier uralter Bäume auf dem Gelände der Teichhofschmiede. Dort findet das Lese-Abenteuercamp "Baum, Buch und Degen" des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe statt, das junge Leseratten in Bewegung und Bewegungsfans zum Zuhören und Lesen bringen möchte. Dazu werden Lesen und Klettern kombiniert. Eine ähnlich große Gruppe trifft sich auf dem Hof von Laer. Dort liest Laura Maire aus "Die schwarze Stadt" von Tamora Pierce. Dort wird allerdings nicht geklettert, sondern gefochten. "Ich war ganz oben!", freut sich Lukas (10). Oben ist in diesem Fall die Krone einer Eiche. Während am anderen Baum eine freihängende Strickleiter nach oben führt, wird hier direkt mit und am Baum geklettert. Das von anderen Campteilnehmern gehaltene Seil dient nur der Sicherung und dem Abseilen. "Eigentlich habe ich ja Angst, aber ich wollte mich dem stellen", sagt Lukas. "Auch die Lesung ist super, der Schauspieler macht das richtig spannend." Ein paar Meter weiter schwebt die zwölf Jahre alte Frida zu Boden, die gerade die Strickleiter erklommen hat. "Ich war schon mal im Kletterpark", erzählt sie: "Die Strickleiter ist sicher schwieriger als das direkte Klettern auf den Ästen", sagt sie und freut sich auf die zweite Kletterrunde am Nachmittag. Vorher findet noch ein gemeinsames Mittagessen statt. Danach liest Gareisen ein weiteres Stück aus dem Abenteuerroman. "Ich habe so etwas in diesem Rahmen noch nie gemacht", sagt der 1962 geborene in Berlin lebende Theater- und Fernsehschauspieler. "Ich bin aber erstaunt, wie die Kinder mitgehen und wie konzentriert sie zuhören." 1988 bis 90 war Gareisen unter anderem in den Weihnachtsmärchens des Bielefelder Stadttheaters zu sehen. Er sei daher durchaus auch anderes gewohnt. Das Camp mit seiner Kombination aus ruhigen Zuhörphasen und Aktion im Freien gefalle ihm sehr gut. Er trage gern seinen Teil dazu bei, die Lesung zu einem spannenden, gleichwertigen Teil des erlebnispädagogischen Angebotes zu machen. "Das Camp findet zum zweiten Mal statt, und wieder sind beide Tage ausgebucht. Wir hatten sogar eine Warteliste", freut sich Lea Beimdiek vom Literaturbüro OWL. Heute findet das Camp mit identischem Programm, aber anderen Kindern noch einmal statt.

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