Gemeindereferent Ulrich Martinschledde - © Christina Römer
Gemeindereferent Ulrich Martinschledde | © Christina Römer

Herford Drei Katholische Kirchen in Herford werden Experimentierfeld

St. Paulus: Erste konkrete Ideen gibt es bereits

Christina Römer

Herford. Schräge Ideen sind willkommen. Nicht nur das - sie sind sogar notwendig, um das Bestehen der St.-Paulus-Kirche zu sichern. Darüber hinaus könnten sie sogar der Katholischen Kirche in der Region den Weg in die Zukunft weisen. "Experimentierkirche" wird St-Paulus nun offiziell von den Vertretern des Erzbistums Paderborn genannt. Und Gemeindereferent Ulrich Martinschledde ist damit beauftragt, dieses Schlagwort mit Leben zu füllen. Erste Konzepte hat der Bünder bereits in der Tasche. "Wir müssen in die Zukunft denken", sagt er. Das bedeute erst einmal, loszulassen. "In den 1980er Jahren fand in einer Gemeinde alles statt, es gab sozusagen eine Vollversorgung", sagt der 53-Jährige Familienvater. Davon müsse sich die Katholische Kirche verabschieden. "Wir haben immer weniger Hauptamtliche im kirchlichen Bereich, es gehen immer weniger in so einen Beruf", stellt er fest. Zudem gebe es immer weniger Menschen, die zum christlichen Glauben gehörten. "Und von denen engagieren sich nur noch wenige", so Martinschledde. Soweit der status quo. An den Organisationsstrukturen ist dieses Weniger deutlich zu erkennen. Wenn einst jede Gemeinde noch einen eigenen Priester hatte, haben heute neun Gemeinden im neu gegründeten Pastoralen Raum (siehe Infokasten) nur noch fünf. In zehn Jahren werden es noch zwei sein. Trotzdem geht es weiter, mit kleinerer Mannschaft. "Das Bistum Paderborn hat deshalb ein Zukunftsmodell entwickelt", erklärt der Gemeindereferent. Eine Art Knigge, wie die Kirche künftig auf Menschen zugehen will. "Das Problem ist nicht nur mit Trauer behaftet", sagt der Gemeindereferent. Es ginge nicht nur darum, "die noch verbleibenden Schäfchen zu streicheln", sondern Neues zu versuchen. Gottvertrauen zu haben. "Es gibt noch Menschen, die mit anpacken", ist Martinschledde überzeugt. Und es gibt Menschen, die für Kirche begeistert werden könnten - wenn andere Wege gefunden würden, um sie anzusprechen. Dass die St.-Paulus-Kirche ausgeguckt wurde, liegt daran, dass sie als eine von drei Kirchen in Herford auf dem Prüfstand war. Statt sie zu schließen, sollen dort nun Dinge ausprobiert werden. "Und wenn wir es schaffen, dem Gebäude eine neue Bedeutung zu geben, wird das Bistum auch in die Kirche investieren", spielt Martinschledde auf den Sanierungsbedarf an. Erste Ideen gehen zum Beispiel in den kulturellen Bereich. "Wir könnten eigene Ausstellungen organisieren", schlägt Martinschledde vor. "Hierfür bräuchten wir eine mobile Bestuhlung." Die Kirchenbänke aus der Kirche werfen? Warum nicht, meint Martinschledde. Ebenfalls schweben dem Referenten besondere Segnungsgottesdienste vor - für Verliebte, für Tiere - "für das, was den Menschen etwas bedeutet." Auch Konkretes hat der Bünder bereits geplant. Im Januar wird die Autorin Andrea Schwarz einen Abend zum Thema "Kraftquellen, aus denen ich schöpfe" gestalten. Im November wird es eine Aktion für Bedürftige geben. "Ich glaube, dass da viel möglich ist. Wir probieren es aus", ist Martinschledde optimistisch.

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