Kontakt ins Königreich: Justin Bieber am Mikrofon bei einem Gespräch mit einem englischen Amateurfunker. - © Foto: Tarek Chafik
Kontakt ins Königreich: Justin Bieber am Mikrofon bei einem Gespräch mit einem englischen Amateurfunker. | © Foto: Tarek Chafik

Herford/Bielefeld 13-jähriger Justin Bieber zählt zu Deutschlands jüngsten Amateurfunkern

Unterwegs im Äther: Der Herforder mit dem bekannten Namen hat nichts mit dem gleichnamigen Teenie-Idol gemein. Er feiert heute seinen 13. Geburtstag

Tarek Chafik

Bielefeld/Herford. Matthias Oesterwinter ist jemand, der eigentlich nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen ist. Das ist seit Mittwoch vergangener Woche anders. Oesterwinter ist Vorsitzender des Bielefelder Ortsvereines vom Deutschen Amateur Radio Club. 141 Amateurfunker sind darin organisiert, einer von ihnen heißt Justin Bieber, lebt in Herford und hat rein gar nichts mit dem gleichnamigen Teenie-Idol gemein. Justin, der heute seinen 13 Geburtstag feiert, ist der Grund, warum Oesterwinter immer wieder das Wort „unfassbar" rausrutscht. Der Blondschopf ist einer von Deutschlands jüngsten Funkamateuren, deren Gemeinde hierzulande immerhin 75.000 Mitglieder zählt. Gerade mal fünf Tage ist es her, da machte der Siebtklässler bei der Bundesnetzagentur die A-Lizenz. Die ist Voraussetzung, um als Amateurfunker selbstständig im Äther unterwegs sein zu dürfen. Fragen zu Hochfrequenzelektronik musste Justin dafür beantworten, zu Schwingkreisen, zu Paragrafen. Oder Formeln zu Viertelwellentransformatoren und zur Berechnung von Wellenwiderständen anwenden. Mit 5 Jahren das erste Funkgerät „Ich war nach gut einer halben Stunde fertig, die meisten anderen schrieben da noch", erzählt Justin. Die meisten anderen, das waren die zwischen 25 und 40. Aber vermutlich haben die auch nicht mit vier Jahren ihre ersten Reihenschaltungen gebaut. Mit fünf hat Justin sein erstes Funkgerät bekommen, ein Apparat eher für den Familiengebrauch. Fortan war er von jener Technik fasziniert, bei „der man in ein Mikrofon hineinruft Hier bin ich und es antwortet womöglich jemand in Neuseeland." Nicht ganz so weit sind die Kontakte, die er an diesem Freitagnachmittag vom Bielefelder Clubheim innerhalb von 30 Minuten zustande bringt. Auf einem 20-Meter-Band sendet Justin von einem Transceiver mit einer Frequenz von 14,237 Mega-Hertz. Griff zum Mikrofon, dann drei Mal das „CQ" (gesprochen „si kiu", steht für englisch „Seek You" – „Ich suche Dich") und schließlich sein eigenes noch ganz frisches Rufzeichen: „DJ 5 KM". Rauschen, Knacken, dann antwortet „C1 T DN". Kurz und knapp gibt Justin Namen und Standort durch „Bielefeld, 350 Kilo west of Berlin", sein Gesprächspartner meldet sich aus der englischen Stadt Kingston Upon Hull. Funkamateure suchen Nachwuchs Die Daten werden in einem elektronischen Logbuch festgehalten, dann verabschiedet sich der Brite mit einem freundlichem „God bless you". Auch die nächsten beiden Kontakte kommen mit Funkern jenseits des Ärmelkanals zustande. „CB 2 IW" meldet sich aus Duxford, „GO K CC" aus der Nähe von Southampton.. Letzter heißt Walter Randolph und zeigt sich hoch erfreut, als Justin sein Alter mitteilt und durchgibt, dass er vor zwei Tagen seine Prüfung bestanden hat. „Glückwunsch, wir brauchen mehr junge Menschen, die bei uns einsteigen." Walter ist 78 Jahre alt. Dass der Amateurfunk im Zeitalter der digitalen Vernetzung nicht nur ein Hobby für Opas ist, davon ist Justin überzeugt. Er zeigt sich als Idealist, wenn er von der „Völkerverständigung" spricht, die seiner Leidenschaft zu verdanken sei. Er ist aber auch Pragmatiker, weiß er doch, dass die Funktechnik „nach einer Katastrophe oder dort, wo die Infrastruktur schwach ist, Leben retten kann." Eine solche Gegend findet sich auf dem Südpol, wo Deutschland die Forschungsstation „Neumayer III" betreibt, inklusive Amateurfunkstation. Darin ist momentan Marcus Heger Zuhause, ein Freund von Justin aus gemeinsamen THW-Zeiten. Morgen wird er Marcus kontaktieren.

realisiert durch evolver group