Shine a Light Marta Jürgen Escher Jocelyn B. Smith - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Shine a Light Marta Jürgen Escher Jocelyn B. Smith | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford New Yorker Sängerin ehrt Herforder Fotografen im Marta-Forum

Die Kampagne wirbt für Menschlichkeit und Toleranz

Christina Römer

Herford. Beide lenken mit ihrer Arbeit und ihrer Kunst die Blicke anderer in dieselbe Richtung - sie werfen ein Licht auf Menschen, die sonst im Schatten stehen. Die New Yorker Sängerin Jocelyn B. Smith versucht mit ihrer Musik, die Herzen ihrer Zuhörer zu erreichen und für Nächstenliebe zu werben. Der Herforder Fotograf Jürgen Escher bringt mit seinen Bildern die Menschen aus aller Welt mit nach Hause, zeigt ihre Realität und ihre Schicksale aus seiner Perspektive. Damit setzt er sich ebenso wie die Sängerin für Toleranz und Menschlichkeit ein. Als "Shine a Light"-Botschafter wird Jürgen Escher das künftig auch im Namen der Sängerin tun. Am Mittwochabend bekam der Herforder im Marta-Forum vor rund 400 Zuschauern eine symbolische Kerze von Jocelyn B. Smith überreicht - mit dem Auftrag, das Licht in seinem Herzen zu tragen und für andere Menschen brennen zu lassen. Die Benennung als Botschafter ist gleichzeitig eine Auszeichnung für die Arbeit Eschers. "Diese hat mich schon immer tief beeindruckt", lobt Museumsdirektor Roland Nachtigäller, der den Herforder als Botschafter vorgeschlagen hatte. "Er leistet einen unglaublichen Einsatz für seine Bilder." Jürgen Escher stehe dafür, die Welt für einen Moment aus den Augen eines anderen zu sehen und diesen Moment etwas länger als gewohnt auszuhalten, beschrieb Pfarrer Holger Kasfeld in seiner Laudatio die Kunst des Fotografen: "Dabei hast du mir beigebracht, dass die Augen das stärkste Motiv sind." Die Arbeit des 63-Jährigen wurde im Marta-Forum in mehrfacher Hinsicht sichtbar. Einerseits säumten die Portraits seiner "Mensch in Herford"-Serie die Wand. Ein ehrenamtliches Projekt von Escher und drei anderen Herfordern, das deutlich macht, dass sich hinter dem Begriff "Flüchtlinge" schlicht Menschen verbergen, die ein Teil der Stadt Herford sind. Andererseits mischten sich einige der porträtierten Menschen unter das Publikum, denn die Hälfte der 400 Eintrittskarten war kostenlos an Flüchtlinge und deren Unterstützer verteilt worden. Diese erlebten nach der Auszeichnung den rund einstündigen, schwungvollen und mitreißenden Auftritt der Jazzsängerin und ihrer Band. Die sich sichtlich wohl in Herford fühlt: "Es ist die Stadt der starken Frauen und somit mein Zuhause", freute sich Jocelyn B. Smith darüber, nun zum dritten Mal hintereinander in der Hansestadt aufzutreten. Neben dem Marta-Team hatte der Verein Musik Kontor diesen Auftritt zu Ehren Jürgen Eschers organisiert. "Ich bin tief bewegt", sagte Escher. Und dankte auf seine Weise: mit einem Foto für die Sängerin, das seine Arbeit bestmöglich beschreibe. Es zeige, wie er als Fotograf Licht ins Dunkle bringe. „Wir können Brücken bauen" Sie sind nun zum dritten Mal in Herford, erst als Gast des Musik Kontors, danach beim Frühjahrsempfang des Marta, nun schon wieder – was denken Sie über die Stadt? Jocelyn B. Smith: Normalerweise dauert es ein Jahr, bis ein Künstler an einem Ort erneut auftreten kann. Ich finde es toll, dass meine Idee zu „Shine a light" so schnell aufgenommen wurde und ich wieder hierhin zurück kommen konnte. Die Menschen hier sind offen für neuen Ideen, flexibel und kümmern sich ganz wunderbar um ihre Künstler. Es ist ein toller Ort. Mit ihrer Kampagne „Shine a light" wollen sie ein Licht anzünden für Gerechtigkeit, Humanität und Toleranz. Was steckt hinter ihrem Engagement? Smith: Wir können mit Hilfe von Kunst und Kultur Brücken bauen, weil Menschen auf die Sprache der Künstler reagieren. Sie öffnet Türen, Augen und Herzen. Ich hoffe, dass ich mit meiner Musik zum Nachdenken anregen kann. Dass sich Menschen von der Idee anstecken lassen, anderen zu helfen. Genau das ist eine Wahl, die wir haben. Keiner von uns kann die Welt neu erfinden, aber wir können sensibel bleiben und mitfühlen. Vieles, was wir durch die Medien erfahren ist so negativ. Ich versuche etwas zu finden, das uns aufbaut und Mut macht. Wir sind oft so beschäftigt, dass wir uns nicht die Zeit nehmen, zu fühlen. Was denken Sie über die Arbeit von Jürgen Escher? Smith: Man kann so viel in den Augen der Menschen erkennen und auf den Bildern von Jürgen blicken die Menschen direkt in die Kamera. Wenn man in diese Augen schaut, erkennt man so vieles. Auf einem seiner Bilder ist eine Frau zu sehen, ein Flüchtling. Man sieht ihre Verzweiflung in ihrem Blick, ihre Armut. Sie trägt ein Baby, das an ihrer Brust saugt. Das Kind hat keine Ahnung davon, was seine Mutter durchmachen muss. Dass Jürgen solche Aufnahmen machen kann, zeigt, dass die Menschen ihn nah an sich heran lassen. Etwas an ihm spricht zu ihnen. Etwas, dass ehrlich ist, real und bodenständig. Er versteht den Moment, ist emphatisch, sieht und respektiert die Menschen. Das spüren sie.

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