Im katholischen Mathilden-Hospital hängt ein Kreuz in allen Krankenzimmern. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Im katholischen Mathilden-Hospital hängt ein Kreuz in allen Krankenzimmern. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Konflikt ums Kreuz: Muslim hängt christliches Symbol im Krankenzimmer ab

Manche Vorstellungen von Einwanderern über religiöse Freiheit und die Stellung der Frau in der Gesellschaft haben im Mathilden-Hospital klare Ansagen zur Folge

Corina Lass

Herford. Die Katholische Hospitalvereinigung Ostwestfalen (KHO) mit drei Krankenhäusern, darunter das Herforder Mathilden-Hospital, sieht sich offenbar mit einem Flüchtlingsproblem der besonderen Art konfrontiert. Vordergründig geht es um die Missachtung der christlichen Religion, im Weiteren aber auch um das Frauenbild, das einige von ihnen haben. Auslöser für die Nachfrage von nw.de bei der KHO ist ein Hinweis einer Leserin: Demnach soll ein streng gläubiger Muslim in einem Krankenzimmer des Mathilden-Hospitals das Kreuz entfernt haben. Der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung, Georg Rüter, bestätigt den Vorfall. Er liege bereits drei oder vier Monate zurück, sagt Rüter, und sei im Haus nicht als besonderer Vorfall registriert worden. Deshalb habe er selbst zunächst Erkundigungen einziehen müssen. Rüters Nachfragen ergaben, dass es sich um ein Ehepaar gehandelt hat; die Frau habe Burka getragen und sei im Mathilden-Hospital stationär behandelt worden. Das Kreuz gehört zum Mobiliar Als der Oberarzt wegen eines Gesprächs mit der Patientin zu dem Ehepaar ins Krankenzimmer gekommen sei, habe er festgestellt, dass das Kreuz fehlte. Der Arzt, der selbst aus dem muslimischen Kulturraum stamme, habe den Ehemann der Patientin daraufhin zur Rede gestellt. Dieser räumte Rüter zufolge auch ein, das Kreuz abgehängt zu haben. Der Arzt habe dem Ehemann der Patientin daraufhin gesagt, dass er sich in einem katholischen Krankenhaus befinde, das Kreuz zum Mobiliar gehöre und es im Haus nicht geduldet werde, es zu entfernen. Im Folgenden sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Arzt und Ehemann gekommen. Rüter betont, dass die Kreuze in den Krankenzimmern schon seit einigen Jahren an der Wand fest verschraubt sind. Zu dieser Maßnahme habe das Krankenhaus greifen müssen, weil viele gestohlen worden seien. Das heißt aber auch: Der Ehemann der Patientin hat das religiöse Symbol nicht ohne weiteres abhängen können, er muss Werkzeug mitgebracht haben. Behandlung durch Frauen abgelehnt Ob mit Schraubendreher oder ohne – Rüter stellt ganz klar: „Beim Abhängen der Kreuze sind die Grenzen unserer Toleranz erreicht." Seine Recherchen im Haus ergaben darüber hinaus allerdings, dass sich die Ärztinnen mit einem weiteren Problem konfrontiert sehen: Mehrfach haben Patienten aus dem muslimischen Kulturkreis ihm zufolge die Behandlung durch Frauen abgelehnt. Von einer Ärztin weiß der KHO-Geschäftsführer, dass sie den Betreffenden vor ein Ultimatum gestellt hat: Entweder nehme er mit einer Untersuchung durch sie Vorlieb, oder er gehe in ein anderes Krankenhaus. Der KHO-Geschäftsführer steht voll hinter dieser Ansage: „Wir werden uns nicht den Gepflogenheiten außereuropäischer Geschlechtervorstellungen beugen", sagt er bestimmt. Gerüchte und Verleumdung Erschreckt hat Rüter, dass Vorfälle dieser Art häufiger vorkommen, als er angenommen hatte. Wie oft, muss er erst noch erfragen. Im NW-Gespräch sagt er: „Die unangemessene Behandlung weiblicher Mitarbeiter hat mich nachdenklich gemacht." Etwa 45 Prozent seiner Ärzte seien weiblich. Und das sei auch gut so. „Äußerungen wie ,eine Ärztin akzeptiere ich nicht’ akzeptieren wir nicht." Weitergehende Gerüchte, die sich unter Patienten und Angehörigen im Mathilden-Hospital verbreiten und einen Muslim bezichtigen, das Neue Testament im Waschbecken eines Krankenzimmers verbrannt zu haben, gehören allerdings in den Bereich der böswilligen Verleumdung: „Das ist Quatsch", sagt Rüter. Das sei schon deshalb nicht möglich, weil dann sofort die Brandmelder Alarm geben würden.

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