Nicht umnutzbar: Das Gebäude, vor dem jetzt das Bauschild steht, war auf die Bedürfnisse der Landeszentralbank zugeschnitten. - © Lüdeking
Nicht umnutzbar: Das Gebäude, vor dem jetzt das Bauschild steht, war auf die Bedürfnisse der Landeszentralbank zugeschnitten. | © Lüdeking

Herford Die Feuerwehr probt den Ernstfall im Gebäude der ehemaligen Landeszentralbank

Die Abrissarbeiten beginnen in dieser Woche

Jobst Lüdeking

Herford. Grünlich schimmernde Panzerglassplitter liegen auf dem Boden, daneben die zentimeterdicken Scheiben, etwas weiter Berge von Blech und abseits Holzreste: Das Innere der ehemaligen Landeszentralbank an der Werrestraße ist so gut wie ausgeräumt, das Inneleben aufgeschichtet und fürs Recyceln getrennt. Architekt Karsten Monke hat deshalb dem Löschzug Mitte der Herforder Feuerwehr die Möglichkeit gegeben, in dem Bau zu trainieren. Am Wochenende stand das zweite und damit letzte Training an. Denn jetzt rückt schweres Gerät an. "Am Montag oder Dienstag wird ein 40-Tonnen-Bagger kommen und mit den Abbrucharbeiten beginnen", erklärt der Herforder Architekt, der hier das Projekt "Wohnen an den Werregärten" umsetzt. Das leer geräumte Gebäude ist ein idealer Probe-Einsatzort. "Wir üben unter anderem das Aufbrechen von Türen, das Bergen von Verletzen und das alles mit Atemschutzgeräten", erklärt Pascal Kintrup, der mit Thimo Brennenstuhl die Übung organisiert hat. Zündelnde Holzreste sorgen für viel Qualm Um die Rauchentwicklung nicht nur zu simulieren, zündeten die Feuerwehrleute in einem Raum des Anrissgebäudes - wie bereits bei der Übung in der vergangenen Woche - Holzreste an. "Bei der Übung geht es darum, die Orientierung in einer verrauchten, unbekannten Wohnung zu üben und dabei keinen Winkel zu übersehen. Gerade Kinder geraten bei Feuern in Angst und verstecken sich in Nischen und kleinen Räumen", sagt Kintrup. Deshalb bringen er und seine Kameraden Dummys in den Wohntrakt, die Wehrleute müssen sie suchen und bergen. Parallel setzen die Feuerwehrleute Wasser mit einem Schaummittel ein, um die Löschwirkung zu erhöhen. Eine halbe Stunde lang können die Frauen und Männer mit den Atemschutzgeräten arbeiten, dann müssen sie raus. Das Abbruchgebäude biete eine tolle Chance zu üben, so Löschzugleiter Andreas Wiegner. Tresor mit Sprengstoff und ein Bunker für den Atomkrieg Karsten Monke zieht am Griff, geht zurück, schließt dabei die mehr als vier Meter breite Stahltür, hinter der früher das Bargeld der Landeszentralbank (LZB) lagerte. „Das waren 300 Millionen Mark", sagt Monke, der Investor, Bauherr und Architekt des Projekts „Wohnen an den Werregärten" ist. „Der Tresor geht über zwei Etagen", so Monke. Und er hat zwei Wände, die durch einen Gang getrennt sind. Hätten sich Kriminelle durch eine Wand gearbeitet, wäre dies – anders als in vielen Filmdrehbüchern steht – unweigerlich bemerkt worden. In der Stahltür befinden sich noch die Fächer, in denen der Sprengstoff TNT gelagert war. In den 80er Jahren war das normal, um im Gefahrenfall die Geldreserven zu vernichten. Das braun verklinkerte Gebäude war sogar für den Fall gerüstet, dass aus dem Kalten ein heißer Krieg geworden wäre. Dafür sind auch die beiden braunen Stahltüren gedacht, die einen Teil des Kellers hermetisch abriegeln: ein Atombunker, der sogar für den unwahrscheinlichen Fall eines Kernwaffeneinsatzes über der Stadt ausgelegt war. Dazu gehört ein spezielles Filtersystem, das per Kurbel angetrieben wurde und so frische Luft in den jetzt komplett ausgeräumten Bunker befördern sollte. Wie dick die Stahlbetonwände sind, kann Monke nur ganz vage schätzen. „Insgesamt sind in dem Gebäude etwa 70 Tonnen Stahl als Armierung eingebracht worden." Für ein Problem beim Abriss hält das nicht. Die Bagger verfügen über spezielle Hydraulikgebisse, mit denen sie selbst Stahlbeton regelrecht zerbeißen. Für Wohnraum umnutzbar war das in den 80er Jahren errichtete Gebäude nicht. Das Erdegeschoss verfügt über riesige hallenähnliche Räume für die Transporter mit dem Bargeld. Auch die benachbarten Räume sind allein auf die Bedürfnisse der LZB zugeschnitten. Die Zentralbank stattete die umliegenden Kreditinstitute mit Geld aus, umgekehrt konnte diese bei der LZB Geld einlagern.

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