Tarik S. aus Bielefeld, Dschihadist des Islamischen Staates (IS) in Syrien, wurde am Freitagmorgen in Frankfurt festgenommen. - © Repro: Wolfgang Rudolf
Tarik S. aus Bielefeld, Dschihadist des Islamischen Staates (IS) in Syrien, wurde am Freitagmorgen in Frankfurt festgenommen. | © Repro: Wolfgang Rudolf

Frankfurt/Karlsruhe Mutmaßlicher IS-Terrorist aus OWL in Frankfurt festgenommen

Tarik S. stammt ursprünglich aus Bielefeld

Jobst Lüdeking
Jens Reichenbach

Frankfurt/Karlsruhe. Ein weiterer mutmaßlicher IS-Terrorist aus Ostwestfalen-Lippe ist gefasst. Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch den 22-jährigen deutschen Staatsangehörigen Tarik S. gefasst. Der Bielefelder wurde bei seiner Einreise nach Deutschland am Frankfurter Flughafen durch Beamte des Polizeipräsidiums Bielefeld festgenommen. „Der aus der Region Ostwestfalen-Lippe stammende Beschuldigte, ist dringend verdächtig, sich als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat Irak und Großsyrien" (ISIG) beteiligt zu haben", teilte die Pressestelle des Generalbundesanwalts mit. Der in Bielefeld geborene und auch in der Leineweberstadt aufgewachsene S. hatte sich 2011 als Moscheemitglied des Islamischen Zentrums Bielefeld (IZB) an der August-Bebel-Straße zusehends radikalisiert. Update, 21. März 2016: Wie das IZB betont, erfolgte Tariks Radikalisierung nicht als Mitglied seiner Moscheegemeinde. Vielmehr radikalisierte er sich sowohl in einer anderen Bielefelder Moscheegemeinde, in der er als Prediger auftrat, als auch während eines Auslandsaufenthaltes in Ägypten, also außerhalb der Gemeinde des Islamischen Zentrums Bielefeld. Wie berichtet versuchten der Iman des IZB, der Vorstand und seine Mitglieder, gegen eine weitere Radikalisierung Tariks hinzuwirken. Doch während des Besuchs einer Islamschule in Ägypten war er bei Kampfhandlungen im Sommer 2013 bei den Unruhen um den Sturz des ägyptischen Präsidenten Mursi angeschossen worden. Wegbegleiter von damals, die ihn sofort nach Bielefeld zurückgeholt haben, glauben, dass er dabei traumatisiert wurde. An S. war zu dem Zeitpunkt kein Herankommen mehr, sagen Beobachter von damals. Wenig später schloss sich der Bielefelder der Herforder Islamistenszene an. Neben ihm sollen sich mindestens drei weitere Personen dem IS angeschlossen haben. Gegen den Konvertiten Sebastian B. wird gerade vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Terrorismus-Verdachts verhandelt. Derzeit wird noch der aus Herford stammende Murat D. im Bürgerkriegsgebiet vermutet. Ein vierter Salafist, Dela T., ist inzwischen getötet worden. Sie alle gehören zu einem Netzwerk um einen ehemaligen Tschetschenen, den die Ermittlungsbehörden als islamistischen Gefährder einstufen. „Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen reiste der Beschuldigte Ende November 2013 nach Syrien. Dort soll er sich getragen von einer radikal-islamistischen Einstellung spätestens im Januar 2014 dem IS angeschlossen und für diesen am syrischen Bürgerkrieg teilgenommen haben", so der Generalbundesanwalt. „Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand wurde der Beschuldigte im Umgang mit Schusswaffen ausgebildet und nahm an Kampfhandlungen teil." Der junge Bielefelder betätigte sich aber auch als Propagandist für die Terrororganisation: Lange galt er als deutscher Werbestar der IS-Dschihadisten. So soll er mit mehreren im Internet veröffentlichten Bild-, Video- und Textbeiträgen für die Vereinigung geworben und zu Gewalttaten gegenüber "Ungläubigen" in Deutschland aufgerufen haben." Der 22-Jährige wurde dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der ihm den Haftbefehl eröffnet und den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat. Kommentar Arbeit für die Sicherheitsbehörden Sie zieht gescheiterte junge Männer und Frauen an wie das Licht die Motten: Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat aber mittlerweile die Attribute eingebüßt, die sie überaus attraktiv für seine Zielgruppe machte. Statt Siegen müssen die Kämpfer Rückzugsgefechte bestehen, sind Bombenangriffen und Drohnenattacken ausgesetzt. Der Sold ist gekürzt, weil Petro-Dollar aus den Verkäufen geschmuggelten Öls nicht mehr sprudeln. Sogar die IS-Zentrale soll verlegt werden. Das sind keine Nachrichten, mit denen sich neue Anhänger gewinnen lassen. Das sind auch keine Nachrichten, die dazu beitragen, Gefolgsleute wie den gefassten Bielefelder Tarik S. bei der Stange zu halten. Die Wahrscheinlichkeit scheint hoch, dass der 22-Jährige, der eines der IS-Propagandagesichter war, wie andere Kämpfer nach mehr als zwei Jahren Gräueltaten genug hatte und sich absetzte. So wie S. werden in den nächsten Monaten zig ernüchterte IS-Terroristen versuchen, zurückzukehren. Das bedeutet immense Arbeit für die Sicherheitsbehörden. Denn es ist unklar, ob überhaupt und wenn ja, wie weit sich diese Klientel innerlich vom Terrorstaat IS entfernt. Oder ob es Personen unter ihnen gibt, die wie die Pariser Attentäter Anschläge begehen wollen. Kontakt zum Autor Jobst Lüdeking

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