Am Freitag in Herford: Die "Wise Guys" kommen das erste Mal in die Hansestadt. - © Wise Guys
Am Freitag in Herford: Die "Wise Guys" kommen das erste Mal in die Hansestadt. | © Wise Guys

Kreis Herford Wise Guys: "Singen war voll uncool"

Interview: Bevor sie sich im Sommer 2017 auflösen, sind die Wise Guys am Freitag im Herforder Münster zu Gast

Sina Wollgramm

Kreis Herford. Sie sind Deutschlands erfolgreichste A-cappella-Band: die "Wise Guys". Bevor die fünf Jungs am Freitag ab 20 Uhr im Herforder Münster auftreten, hat Daniel "Dän" Dickopf, Gründungsmitglied der Band, im NW-Interview verraten, was die "Wise Guys" ausmacht.Sie haben sich schon als Schulband in den 90ern "Wise Guys" (Schlaumeier) genannt. Wie schlau sind Sie nach mehr als 20 Jahren Bühnenerfahrung? Daniel Dickopf: Wir haben - was das gesamte Geschäft angeht - viel Routine und Erfahrung bekommen. Gerade Kinder stellen immer wieder die Frage, ob wir aufgeregt sind vor Auftritten. Dass ist zum Beispiel nicht mehr so - nur noch in Ausnahmefällen. Ob wir so viel mehr wissen als früher, weiß ich allerdings nicht.Haben Sie denn gesanglich dazu gelernt? Dickopf: Ja, das auf jeden Fall. Wir haben sehr viel und hart gearbeitet. Am Anfang haben wir Vocalcoaching belächelt. Die Stimmbildung ist aber immer wichtiger für uns geworden. Da arbeiten wir besonders vor einem neuen Programm sehr intensiv mit unserem Coach Erik Sohn aus Köln dran. Er trainiert uns einzeln und zusammen.Bekannt - wenn auch nur kurz - werden junge Künstler heute zuhauf über Castingshows. Die gab es zu Ihren Anfängen noch nicht in dieser Form. Wie nehmen Sie diese Entwicklung wahr? Dickopf: Ich sehe Castingshows zwiegespalten. Da wird ja niemand wirklich aufgebaut. Der einzig wirkliche Erfolg, den es da gegeben hat, war Christina Stürmer aus Österreich. Das liegt aber auch daran, dass sie einfach das Potenzial hat als Künstlerin. Dieter Bohlen ist für mich absolut indiskutabel. Die Umgangsform in Formaten wie "The Voice" finde ich viel respektvoller. Aber auch da geht es darum, einen Einzelkünstler kurzzeitig hochzuhalten. Bands werden eigentlich gar nicht mehr gecastet. Positiv an den Shows finde ich hingegen, dass das Singen allgemein einen Aufschwung erlebt. Zu unserer Anfangszeit war man total uncool oder der totale Vollidiot, wenn man gesungen hat.Haben A-cappella-Bands in diesen Formaten eine Chance? Dickopf: Ich habe leider festgestellt, dass A-cappella allgemein wenig Chancen in der Medienlandschaft hat. Wir sind in Deutschland Marktführer mit dieser Darbietungsform und werden nicht im Radio gespielt und auch nicht ins Fernsehen eingeladen.Haben Sie eine Ahnung, woran das liegt? Dickopf: Ganz klar ist uns das nicht, aber ich denke, dass unsere Darbietungsform den Menschen vielleicht etwas suspekt ist. Vielleicht sind wir aber auch zu langweilig. Wir sind nicht die Typen, über die es ständig etwas absolut schräges zu berichten gibt.Dabei scheint A-cappella gar nicht uncool. Filme wie "Pitch Perfect", der sich um eine weibliche A-cappella-Band dreht, begeistern besonders junge Menschen. Wie sieht es mit dem Nachwuchs in der A-cappella-Nische aus? Dickopf: Wir haben einen riesen Zulauf. Ich weiß manchmal gar nicht, wo die alle herkommen. Einige Fans haben ihre Kinder jetzt in einem Alter, in dem die anfangen, uns auch gerne zu hören. Wir haben oft Konzerte unter der Woche, da sind nicht so viele Kinder dabei, aber an den Wochenenden besteht ein Großteil unserer Fans aus Kindern und Jugendlichen.Dann gibt es aber eine Nachricht, über die werden sich die Fans sicher gar nicht freuen: Ihr löst euch im Sommer 2017 auf. Warum? Dickopf: Ja, das ist richtig. Wir haben eigentlich gedacht, dass die "Wise Guys" noch viele Jahre laufen werden. Eddie, der auch mit zur Schulband gehörte, hat uns dann mitgeteilt, dass er 2017 aussteigt und noch mal etwas anderes machen möchte. Das hat bei uns eingeschlagen wie ein Erdbeben. Unsere erste Reaktion war zu sagen, okay, dann versuchen wir ein neues Mitglied zu finden und machen erst mal zu viert weiter. Aber das hat sich dann anders entwickelt. Ich sage mal, für unsere Darbietungsform ist alles, was über 1.000 Besucher geht, eigentlich zu groß. Und wir sind sehr groß geworden. Und leider kommt uns das Geschäftliche in die Quere. Wir haben es zehn Jahre geschafft, dass die Musik im Vordergrund stand und nicht das Geld (wovon wir alle genug haben). Es ist etwas unharmonisch geworden in den letzten Monaten und wir möchten die "Wise Guys" so nicht langsam auslaufen lassen, sondern lieber richtig gut aufhören.Für Sie bedeutet das den Beginn einer Solokarriere. Was haben Sie sich vorgenommen? Dickopf: Nils und ich werden etwas Neues aufbauen. Wir bleiben A-Cappella treu, werden uns aber ganz neu formieren. Wir haben uns erst einmal das Ziel gesetzt, bis zu den Sommerferien festzulegen, wer dabei sein wird.Was möchten Sie anders machen? Dickopf: Ich möchte, dass wir kleiner bleiben und einfach spontaner sein können. Ich möchte mich wieder auf die Musik, den Spaß und die Kunst konzentrieren. Alles soll liebevoller werden, den Produktionen soll wieder anzuhören sein, dass die Beats mit dem Mund gemacht werden. Wir arbeiten derzeit an der dritten Kinder-CD und den Bereich wollen wir auch breiter aufstellen. Wir sind mit absoluter Leidenschaft dabei.

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