Ungleich: Die Formel für gleichmäßig beschleunigte Bewegungen lässt sich auf Physiklehrer nicht umsetzen. - © Foto: Peter Steinert
Ungleich: Die Formel für gleichmäßig beschleunigte Bewegungen lässt sich auf Physiklehrer nicht umsetzen. | © Foto: Peter Steinert

Herford Wachstumsformel für Physiklehrer-Nachwuchs gesucht

Unterrichtsausfall: Immer weniger Lehramtsanwärter begeistern sich für die Fächer Mathematik, Erdkunde und Physik. Lücke am Königin-Mathilde-Gymnasium gerade geschlossen

Peter Steinert

Herford. Wenn Walter Rausch sich in einem zweiten Leben entscheiden könnte, dann würde der 68-Jährige wieder Physiklehrer werden. "Bei einem Experiment geht es darum, was wohl der Grund ist", sagt der Herforder Pädagoge, der die letzten 30 seiner insgesamt 40 Jahre als Physiklehrer am Friedrichs-Gymnasium unterrichtete. Dort und an anderen weiterführenden Schulen fragen sich die Pädagogen derzeit, was wohl der Grund dafür ist, dass sich immer weniger Lehramtsanwärter für die Fächer Mathematik, Erdkunde und Physik entscheiden. Am König-Mathilde-Gymnasium konnte die Lücke zuletzt nicht mehr geschlossen werden. Für die Sechstklässler fiel der Physikunterricht seit Anfang Februar aus. "Ja, es gibt Probleme", bestätigt Schulleiter Erhard Kirchhof, "das beschränkt sich aber nicht nur auf Physik, sondern betrifft auch die Fächer Erdkunde und Mathematik. Seit Dienstag dieser Woche konnten wir die Lücke im Physikunterricht durch zwei Lehrkräfte schließen, die wöchentlich jeweils vier Stunden geben", sagt Kirchhof. Dem Schulleiter vom Stiftberg half bei der Problemlösung die Bezirksregierung Detmold. Die schreitet immer dann ein, wenn Schulleitungen ihren Unterrichtsausfall nicht aus eigener Kraft und mit eigenem Personal kompensieren können. "Wir haben ein sehr weitreichendes Instrumentarium", sagt Andreas Moseke von der Bezirksregierung und nennt die Möglichkeit des Austausches unter den Schulen und ein zusätzliches Lehrerkontingent, das mit Zeitverträgen ausgestattet ist und als Lückenfüller dienen soll. Dass das dennoch nicht ganz einfach ist, weiß Erhard Kirchhof: "In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es keine neuen Physiklehrer mehr." Ebengerade hat der Schuleiter den nächsten Unterrichtsausfall vermieden: "In Erdkunde wurde es eng. Eine Kollegin erwartet ein Kind, ein Kollege ist erkrankt. Die Lücken haben wir durch zwei fachfremde Kräfte schließen können. Der eine ist Biologielehrer, der andere Geschichtslehrer." Kirchhof steht nicht allein. Flächendeckend fehlen Fachkräfte. Insbesondere für naturwissenschaftliche Fächer und Mathematik. Das ist auch beim NRW-Schulministerium in Düsseldorf bekannt, wo eine Sprecherin ausgiebig die im vergangenen Jahr eingestellten 5.700 Lehrer und die 9.000 Referendare hervorhebt. Die hätten derzeit beste Aussichten auf eine rasche Übernahme als Beamte. "Für Mangelfächer haben wir eine Lehrerbedarfsprognose erstellt. Aber natürlich können wir auch nicht entscheiden, wer was studiert", sagt die Ministeriumssprecherin, die dennoch einen Lösungsvorschlag anbietet: "Schon in der Schule sollte die Attraktivität von Fächern wie Physik so gesteigert werden, dass Schüler von sich aus auf die Idee kommen, so etwas später auch unterrichten zu wollen." Der pensionierte Lehrer Walter Rausch kennt auch keine Wachstumsformel für Physiklehrer: "Physik kann schon spannend sein. Ein Physikstudium auf Lehramt ist aber auch nicht ganz einfach."

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