Hanf-Haus: Blick auf den Hinterhof. Das Gebäude stand lange zum Verkauf, war lange nicht renoviert worden. Die beiden Männer aus Hövelhof und Bielefeld sollen es preiswert gekauft haben. - © Jobst Lüdeking
Hanf-Haus: Blick auf den Hinterhof. Das Gebäude stand lange zum Verkauf, war lange nicht renoviert worden. Die beiden Männer aus Hövelhof und Bielefeld sollen es preiswert gekauft haben. | © Jobst Lüdeking

Herford/Bielefeld "Hanf-Haus" in Vlotho lieferte wohl mehr Drogen als bisher bekannt

Die beiden Nutzer (42) aus Bielefeld und Hövelhof, die das Gebäude für den Drogenanbau nutzten, gingen beim Ausbau ihrer Plantage sehr organisiert vor

Jobst Lüdeking

Kreis Herford. Die Drogenplantage, die die Herforder Polizei vergangene Woche hochgehen ließ und die den größten Drogenfund darstellt, der im Wittekindsland bisher gemacht wurde, hat wohl weit mehr Hanf geliefert als bisher bekannt.Wie berichtet hatte die Polizei allein 500 Setzlinge und jede Menge Ausrüstung sichergestellt, die Erntemenge von 300 weiteren Hanfpflanzen liegt bei rund 40 Kilogramm getrockneter Ware - das entspricht einem Straßenverkehrswert von 300.000 Euro. Nach den bisherigen Berichten müssten die beiden 42 Jahre alten Männer aus Bielefeld und Hövelhof aber mehrfach geerntet haben und sie sind beim Aufbau ihrer Plantage offensichtlich sehr planvoll vorgegangen. "In dem Haus lebte eine alte Dame. Als die gestorben war, stand es lange leer. Vor etwa eineinhalb Jahren", so Nachbarn, "hieß es dann, es sei verkauft worden." Der Kaufpreis für das direkt an der Straße liegende, aber lange nicht renovierte Gebäude war günstig, heißt es. Die neuen Eigentümer verhielten sich seltsam: Sie hätten zuerst die Fenster im ersten Stock abgehängt, später dann die im Erdgeschoss und zuletzt die auf dem Boden. Manchmal habe es auch geleuchtet. Rund 18 Stunden täglich werden Drogenpflanzen mit Speziallampen beleuchtet, dazu kamen in dem Haus Bewässerungs- und Belüftungssysteme. Gesehen worden sind die Männer, von denen der Bielefelder nun in Untersuchungshaft sitzt, nicht. "Die sind nah ans Haus herangefahren", berichtet ein anderer Nachbar, der auch anonym bleiben möchte. Manchmal sind die Männer aber auch mit einem Anhänger gekommen - dann war offenbar Erntezeit. Alle sechs Wochen wird eine Hanfplantage abgeerntet. In eineinhalb Jahren müssten die Männer danach mindestens vier Mal geerntet haben. Schließlich gab es einen entscheidenden Hinweis von Anwohnern, denen die Aktivitäten in ihrem Umfeld dubios vorkamen. Sie hatten sich an die Polizei in Vlotho gewandt, die wiederum schaltete die Herforder Kripo ein. Polizeisprecher Michael Albrecht lobte des Vorgehen der Nachbarn. Nach den Festnahmen ihrer Besitzer werden die Pflanzenreste nun auf ihren Gehalt des Drogenstoffs THC untersucht. Unter anderem nach seiner Konzentration richtet sich bei einem späteren Prozess das Strafmaß. Mittlerweile gehen die Ermittler weiteren Fragen nach: unter anderem geht es nun um die Absatzwege der Drogen. Transportiert wurden die Drogen vom THW Vlotho und Herford. "Wir werden häufiger um Unterstützung gebeten", so Ortsbeauftragter Andreas Bartels. "Einen derartigen Einsatz haben wir aber bisher nicht gehabt." Die Experten mussten zunächst die komplette Plantage demontieren, dann schafften die Helfer sie auf zwei 12-Tonner-Lastwagen nach Herford.

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