Schöffengericht Herford: Ein 20-jähriger somalischer Asylbewerber ist wegen Vergewaltigung einer 88-Jährigen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. - © Matthias Stolt
Schöffengericht Herford: Ein 20-jähriger somalischer Asylbewerber ist wegen Vergewaltigung einer 88-Jährigen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. | © Matthias Stolt

Herford/Porta Westfalica Rentnerin (88) vergewaltigt: Vier Jahre Haft für 20-Jährigen

Schöffengericht: Somalischer Asylbewerber aus Bad Oeynhausen verurteilt

Jobst Lüdeking

Herford/Porta Westfalica. Wegen Vergewaltigung einer 88-jährigen Rentnerin hat das Schöffengericht Herford einen 20 Jahre alten somalischen Asylbewerber aus Bad Oeynhausen zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Der Mann war im Juni 2015 im Alter von 19 Jahren in das Haus seines Opfers in Porta Westfalica eingedrungen und hatte die Frau vergewaltigt. Er konnte kurze Zeit später festgenommen werden. Den Ermittlern und auch dem Gericht hatte er erklärt, der Geschlechtsverkehr mit dem Opfer sei einvernehmlich gewesen. Mit der Haftstrafe von vier Jahren folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte drei Jahre gefordert. Das Gericht schenkte den Angaben des Angeklagten keinen Glauben. Von einvernehmlichen Sex mit dem Opfer hatte der früher in Bad Oeynhausen untergebrachte Mann erzählt. Angeblich sei er sogar vorher zum Kaffee hereingebeten worden. „Sie haben die Frau in ihrer eigenen Wohnung überfallen um ihren Sexualtrieb zu befriedigen", quittierte Alexandra Sykulla, Vorsitzende des Schöffengerichts, die Aussagen in ihrem Urteil. „Das ist schon eine krasse Nummer." Bereits die Staatsanwältin hatte darauf verweisen, dass der Mann „keine Unrechtseinsicht zeigt". Das Opfer hatte aus Angst, noch schlimmere Gewalt zu erfahren, keinen größeren Widerstand geleistet und unter anderem nur „stopp" gesagt. Das Wort, so die Anklagevertreterin, sei ja wohl bekannt. Zur Tat war es in der Nacht zum 11. Juni 2015 gekommen. Der damals 19-Jährige hatte nach eigenen Angaben Alkohol getrunken und Drogen genommen. Zunächst hatte er als Exhibitionist mit offener Hose vorm Haus eines Paares gestanden. Als ihn der Mann vertrieb, flüchtet er und kam zum Haus seines Opfers. Er beobachtete die Frau zunächst und brach dann durchs Badezimmerfenster ins Haus ein. Dort vergewaltigte er die 88-Jährige. Am Morgen nach der Tat war der 20-Jährige von der Polizei bereits gefasst worden. Weil er Drogen und Alkohol genommen haben will, ging das Gericht – wie auch eine Gutachterin – von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Die Expertin hatte bei dem Mann auch eine Lernschwäche bis in den Bereich einer leichten geistigen Behinderung vermutet. Sie hatte auch betont, dass durch den Angeklagten weiter eine Gefahr ausgehe. Opfer können jede Frau werden – bis zur Passantin auf der Straße. Nach Ansicht der Vertreterinnen der Jugendgerichtshilfe liegt hingegen keine Reifeverzögerung vor. Sie hatten sich auf Englisch mit dem Flüchtling, der in Deutschland einen Asylantrag gestellt hat, unterhalten. Sollte das Urteil Bestand haben, drohen dem Täter neben seiner strafrechtlichen Verurteilung ausländerrechtliche Konsequenzen: die Ausweisung. Die Grenze liegt hier bei einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Ob er später tatsächlich in das Bürgerkriegsland Somalia ausreisen muss, ist aber fraglich. Seine Heimat, so hatte der 20-Jährige berichtet, habe er verlassen müssen, weil sein Bruder einen Mord begangen habe und er selbst deshalb verfolgt werde. „Nach Somalia", so Richterin Sykulla, „werden sie so schnell nicht zurückkehren können." Die vierjährige Haft begründete sie mit dem enormen Nachreifebedarf. „Ihr gesamtes Verhalten zeigt, dass da Probleme sind, die angegangen werden müssen." Der 20-Jährige solle so schnell wie möglich Deutsch lernen und eine Therapie machen. Dann bestehe die Chance, früher rauszukommen. Zugleich zeigte sie sich skeptisch, dass der Angeklagte, der immer wieder in der Justizvollzugsanstalt und im Gericht randaliert hatte, diesen Weg geht.

realisiert durch evolver group