Drei Pferdestärken: Ein junger Mann führt das Gespann im Hochsommer über ein Getreidefeld. - © Meinhard Fenske
Drei Pferdestärken: Ein junger Mann führt das Gespann im Hochsommer über ein Getreidefeld. | © Meinhard Fenske

Kreis Herford Mit der Kamera dicht am Geschehen

Fotografische Dokumente: Meinhard Fenske hat die Besonderheiten und die Schönheit der Region eingefangen. Der Herforder Journalist fiel 1943 als Kriegsberichterstatter auf der Krim

Kreis Herford. Sein Blick für die Landschaft und die Menschen lassen ihn heute als wichtigen Dokumentar unserer Gegend erscheinen. Meinhard Fenskes Fotografien sind gestaltet, der Bildaufbau nicht zufällig oder flüchtig, sondern gewählt durch ein geschultes Auge. Der Fotograf ist kein Berichterstatter, er hat vielmehr versucht, durch die Fotografien die Besonderheiten und Schönheiten der lippischen und ostwestfälischen Landschaften aufzufangen. Dazu gehören auch die Gesichter der Menschen, die durch diese Landschaft geprägt wurden. Meinhard Fenske wurde am 6. Juli 1904 in Krefeld geboren. 1909 siedelte er mit seinen Eltern nach Herford um. Fenske ging in Herford zur Schule und begann eine Ausbildung als Elektriker, arbeitete dann freiberuflich als Fotograf an unterschiedlichen Orten. Fenske arbeitete auch als Grafiker, im Winter als Skilehrer im Allgäu. In Herford war er als Filmvorführer und Filmproduzent tätig. Als Fotograf und Journalist arbeitete er für eine Zeitung, aber auch für Städte und Gemeinden in Ostwestfalen-Lippe und die volkskundliche Kommission in Münster, für Firmen und Museen, für Verkehrsämter und den Provinzialkonservator. Seine Fotos wurden in etlichen Zeitschriften veröffentlicht. 1937 entstand der Film „Lippe Detmold – eine wunderschöne Stadt". Schon in den Dreißiger Jahren war er durch das Motorrad, ab 1937 mit dem Auto, einem Opel P4, sehr mobil und zeichnete mit der Kamera auf, wie Menschen in der Landwirtschaft und im Handwerk arbeiteten. Dabei gelang es ihm, sehr dicht an die Menschen heranzutreten, die Fotografien vermitteln den Eindruck, sehr dicht am Geschehen zu sein. Die Verdienste Fenskes liegen aber auch darin, längst ausgestorbene Tätigkeiten im Handwerk festgehalten zu haben, die Fotos sind heute der einzige Beweis für deren Existenz. Mit Kriegsbeginn 1940 wurde Meinhard Fenske auch als Soldat in seinem eigentlichen Beruf tätig. Zunächst kam er nach Flandern, als Kriegsberichterstatter fotografierte er die Russlandfeldzüge, arbeitete als Soldat in der Ukraine und auf der Krim. Er zeichnete mit der Kamera unter propagandistischen Gesichtspunkten auf, was er in der Landschaft und welche Menschen er sah. Vergleiche mit Fotografien aus unserer Landschaft zeigen, dass er in der damaligen Sowjetrepublik mit der Kamera Interesse am Menschen zeigte und an der Landschaft, in der sie lebten. Am 11. Juli 1943 ist Meinhard Fenske tödlich verunglückt, „gefallen", wie seine Vorgesetzten damals schrieben. Beim Fotografieren ist er aus einer Seilbahn auf der Krim abgestürzt und im Meer ertrunken.

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