Herford Jugendzentrum Fla Fla sichert Existenz mit eigener Immobilie

Ehemalige Nachtbar B7: Nach nur zwei Jahren am Standort Goebenstraße hat das Autonome Jugendzentrum das Haus an der Diebrocker Straße 2 gekauft. Innerhalb eines Jahres soll daraus das neue Fla Fla werden

Ralf Bittner

Herford. In der Ratssitzung am vergangenen Freitag hatte es Claudio Vendramin (Bündnis 90/Die Grünen) angedeutet: Das Autonome Jugendzentrum Fla Fla strebt den Kauf einer eigenen Immobilie an, um die Existenz eines unkommerziellen Freiraums dauerhaft zu sichern. Am Montag wurde der Kaufvertrag für das Haus Diebrocker Straße 2 unterschrieben, jetzt stellten Ehrenamtliche des Vereins für Sozial- und Kulturarbeit, dem Träger des Fla Fla, Haus und Pläne vor. Auf drei Etagen und 600 Quadratmetern sollen bis Ende 2016 Café, Disco, Büroräume, Sport- und Gruppenräume entstehen. Bis dahin liegt viel Arbeit vor dem engen Kreis der 20 bis 30 Ehrenamtlichen, die das AJZ, dem 2012 jede städtische Förderung gestrichen wurde, am Laufen halten. Die Gaststätte, die zuletzt als Nachtbar, also Bordell, gedient hatte, muss von Grund auf entkernt und saniert werden. Die Elektroinstallation entspreche nicht mehr geltenden Standards, nach zwei Wintern Leerstand müssten auch alle wasserführenden Leitungen ersetzt werden. Die Bauvoranfrage sei positiv beschieden, Brand- und Lärmschutzgutachten liegen vor, so dass es am 28. Dezember, mit den Arbeiten losgehen soll. Zuerst muss das Gebäude vom Dach bis in den Keller entrümpelt werden. "Bis auf drei Wände wird im Erdgeschoss nichts stehenbleiben", sagt Meshut Cakar, einer der Aktiven. Das Treppenhaus müsse versetzt, Toiletten und Eingang barrierefrei werden. Viel Arbeit für die meist Jugendlichen, die gerade Hunderte von Stunden Arbeit und rund 35.000 Euro in die bisher genutzten Räume, Goebenstraße 66, gesteckt haben. Diese Immobilie war im Februar 2012 versteigert und Miete und Nebenkosten so drastisch erhöht worden, dass der Verein begonnen hatte, sich ernsthaft nach Eigentum umzusehen. "Das neue Haus ist für uns optimal", sagt Judith Fleer. Die Größe passe, die Lage in unmittelbarer Bahnhofsnähe ohne direkte Nachbarn sei super, denn das größte Problem an den diversen Standorten seien oft die Lärmbeschwerden gewesen. Wie die Räume letztlich genutzt werden, werde wie fast alles im Fla Fla basisdemokratisch entschieden: "Wir haben Ideen, sind aber auf Anregungen gespannt." Möglich gemacht werden Kauf und Umbau auch durch die finanzielle Unterstützung vieler Privatmenschen oder befreundeter Hausprojekte. Trotzdem steht dem Team ein anstrengendes Jahr 2016 bevor, denn neben den Bauarbeiten soll der Betrieb am alten Standort weitergehen, im Idealfall sogar ausgebaut werden, um Geld in die Kasse zu bringen. Neben dem Cafébetrieb (in der Regel täglich ab etwa 19 Uhr) finden dort etwa alle 14 Tage Konzerte oder größere Partys statt. Viele handwerkliche Fertigkeiten haben sich die Ehrenamtlichen während der vergangenen Jahre selbst angeeignet, trotzdem sollen und müssen größere Arbeiten an Fachfirmen vergeben werden. "Die Unterstützung zeigt, dass es einen Bedarf für einen Ort wie das Fla Fla in der Stadt gibt", sagt Maren Gottenströter: "Vieles wäre mit städtischer Unterstützung einfacher." Es sei schade, dass die Arbeit, die sich im Gegensatz zu der in anderen Jugendzentren ausschließlich an ältere Jugendliche und junge Erwachsene wende, nicht mehr gefördert werde. Wer helfen möchte, kann am Montag, 28. Dezember, ab 8 Uhr mit anpacken.

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