Gut aufgehoben: Die Bewohnerinnen Helga Schamberger (sitzend v. l.), Helga Schäffer und Annelise Vogt mit den Betreuerinnen Violetta Jaskulkski (stehend v. l.) und Caprice Schulz sowie Bürgermeister Tim Kähler, SPD-Landtagsabgeordneter Christian Dahm und Michael Beimdiek, Geschäftsführer DRK Soziale Dienste. - © Peter Steinert
Gut aufgehoben: Die Bewohnerinnen Helga Schamberger (sitzend v. l.), Helga Schäffer und Annelise Vogt mit den Betreuerinnen Violetta Jaskulkski (stehend v. l.) und Caprice Schulz sowie Bürgermeister Tim Kähler, SPD-Landtagsabgeordneter Christian Dahm und Michael Beimdiek, Geschäftsführer DRK Soziale Dienste. | © Peter Steinert

Herford Demenz-Wohngruppe bekommt als Pilotprojekt Fördergelder

Deutsches Rotes Kreuz: Die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Deutsche Fernsehlotterie fördern Herforder Pilotprojekt mit 35.000 Euro

Peter Steinert

Herford. Konkurrenz für Pflegeheime? "Wir sehen uns eher als Ergänzung", sagt Michael Beimdiek, der Geschäftsführer der Sozialen Dienste beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist und damit Entscheidungsträger für Herfords erste Demenz-Wohngruppe. Die ist mit Fördermitteln des Landes NRW an der Ballerstraße gebaut und im April eingeweiht worden. Jetzt wird diese Einrichtung für acht Bewohner zusätzlich mit 35.000 Euro der Stiftung Wohlfahrtspflege und der Deutschen Fernsehlotterie gefördert. "Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer. Wir legen aber Wert darauf, dass alle Bewohner in der Gemeinschaft mitwirken. Aktive Teilnahme nennen wir das", beschreibt Beimdieck das für Herford neue Wohnmodell. Dazu gehöre auch, dass die Bewohner sowie die Betreuer gemeinsam essen. "Dazu brauchen wir eine leistungsfähige Küche, die 60.000 bis 70.000 Euro kosten kann. Damit wir das nicht auf die Bewohner umlegen müssen, haben wir als gemeinnütziger Träger einen Antrag auf Förderung gestellt, der jetzt bewilligt wurde", freut sich der Geschäftsführer. Bei einem Besuch machten sich jetzt Bürgermeister Tim Kähler und der Landtagsabgeordnete Christian Dahm vor Ort ein Bild davon, wohin die Fördergelder geflossen sind. "Man holt die Angehörigen aus der Pflegefalle", betont Bürgermeister Tim Kähler, der die Initiative des Landes NRW lobte. "Diese Politik der kleineren Einheiten stärkt die Quartiere und entlastet die Kommunen", sagt Kähler. Auch Christian Dahm sieht Nordrhein-Westfalen bei dieser Art der Förderung auf dem richtigen Weg. "Derzeit haben wir in NRW etwa 300.000 Demenzkranke. Doch die Zahl steigt rapide weiter, so dass wir in wenigen Jahren 500.000 demente Patienten haben. Deswegen kann die aktuelle Förderung nur ein Einstieg sein", ergänzt der SPD-Landtagsabgeordnete. Von diesem Einstieg profitieren Bewohnerinnen wie etwa Helga Schäffer. Die 74-Jährige verfügt über ein kleines 20-Quadratmeter-Appartement. Dort finden ihre eigenen Möbel Platz, die ein wenig Vertrautheit in der neuen Umgebung schaffen. Es gibt ein ebenerdiges Bad und einen schönen Blick in den Sinnesgarten. "Es ist uns wichtig, neben dem Beschäftigungsangebot feste Strukturen in den Tag zu bringen", erzählt Pflegedienstleiterin Caprice Schulz. Dazu gehörten nicht nur wiederkehrende Rituale wie die morgendliche Zeitungsrunde mit Gesprächen über aktuelle Themen, sondern auch Tischdecken, Staubwischen oder Handtücher zusammenlegen. "Wir ermuntern die Bewohner dazu, sich aktiv einzubringen", sagt Caprice Schulz. In der Wohngruppe leben mittlerweile fünf Personen im Alter zwischen 74 und 86 Jahren. 13 Mitarbeiter, zumeist Teilzeitbeschäftigte, kümmern sich um sie. "Die Bewohner der Ballerstraße leben in einem geschützten Bereich und werden rund um die Uhr mit allem versorgt, was sie benötigen", sagt Michael Beimdiek, der um weitere Bewohner wirbt. Denn noch sind an der Ballerstraße zwei Plätze frei. "Gewisse Berührungsängste gibt es schon", räumt Beimdiek ein. Interessenten rät er daher, "ein bis zwei Tage oder eine Woche reinzuschnuppern". Derzeit steht er in Verhandlungen für die nächste Demenz-Wohngruppe in Herford. "Diese wird an der Elverdisser Straße liegen, dann für zwölf Bewohner", sagt Michael Beimdiek.

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