Herford So war das Finale des Orgelsommers

Die Westfälische Kantorei beschließt mit Kantor Kagl den 15. Herforder Orgelsommer

Hartmut Braun

Herford. Zum Abschluss des Orgelsommers beschenkte die Westfälische Kantorei ein 500-köpfiges Publikum in der Münsterkirche mit der hoch anspruchsvollen Doppelchor-Messe des Schweizer Komponisten Frank Martin. Stefan Kagl interpretierte eines der dichtesten Bach-Orgelwerke sowie Werke von Jean Langlais. Es gab, wieder einmal, stehende Ovationen. Am Tag zuvor hatte das Straßenfest im Museumsviertel mit dem Freiluftkonzert der "Nordwestdeutschen" bereits zwei Leuchttürme des Herforder Kulturlebens zusammen gebracht: Marta und die NWD. Jetzt kam der dritte kulturelle Leuchtturm der Stadt dazu - der atemberaubende Klang der Westfälischen Kantorei unter Hildebrand Haacke mit der durch Münsterkantor Stefan Kagl vermittelten Tradition von Orgelmusik auf internationalem Niveau. Der Andrang im Münster bestätigte, dass es dafür ein großes, immer noch wachsendes, Publikum gibt. Und wieder kam das Marta ins Spiel: Kagl hatte sich Anregungen für seinen 15. Orgelsommer im Museumsdepot geholt. Jeder Künstler befasste sich mit einem Stück aus der Marta-Sammlung. An diesem Abend fiel der Blick der Zuhörer auf zwei spielerische Selbstportraits des jungen Franzosen Guillaume Bruère (Jahrgang 1976), der in seinen Arbeiten in alle möglichen Rollen schlüpft und so die Frage nach den Möglichkeiten und auch den Aufgaben des Künstlers stellt. Kagl kommentiert das an der Orgel mit kleinen Stücke seines großen Lehrers Jean Langlais, in denen Tradition (in Form eines bretonischen Volkslieds) und Avantgarde (eine Sinfonie von Anton Webern) aufgenommen werden, in denen Zuhörer meditativ begleitet werden (wunderbar gelassen: Chant de Paix) und in denen Jubel über die Befreiung seiner Stadt Paris von der Nazi-Herrschaft aufbrandet. "Die Kunst", hatte Kagl bereits bei seiner Begrüßung angemerkt, "ist Nahrung für die Seele." Ebenfalls bei der Begrüßung hatte Bürgermeister Tim Kähler die Westfälische Kantorei des Herforder Chor-Professors Hildebrand Haacke als bedeutete Botschafter der Kulturstadt Herford angekündigt. Im Konzert führten die 35 Sängerinnen und Sänger ihre Zuhörer über Stücke von Byrd, Schütz, Kirnberger sowie Bachs bereits achtstimmige Motette "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf" - zu einem der eindrucksvollsten Werke der a-capella-Chorliteratur: Die Aufführung der achtstimmigen Messe von Frank Martin war von jener Art, die der Zuhörerschaft eine erfreulich viele Sekunden andauernde Pause nach dem Verklingen des letzten Tones abzuringen vermag. Es war ein großartiges Finale eines außergewöhnlichen Konzertsommers.

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