Nur den Wind als Antrieb: Segelflieger machen meist kreisende Bewegung um mit der Thermik aufsteigen zu können. Die Thermik, so wird der Aufwind genannt, der entsteht, wenn die Sonnenstrahlung die Luft am Boden erwärmt. Fliegt ein Segler auf gerader Strecke, so verliert er zwangsläufig an Höhe. Um diese Luftzirkulation zu messen, wird der Himmel in Achtel geteilt. Bei 8/8 ist der Himmel zugezogen, bei 3/8 spricht man von Kumulusbewegungen, die optimal sind.
Nur den Wind als Antrieb: Segelflieger machen meist kreisende Bewegung um mit der Thermik aufsteigen zu können. Die Thermik, so wird der Aufwind genannt, der entsteht, wenn die Sonnenstrahlung die Luft am Boden erwärmt. Fliegt ein Segler auf gerader Strecke, so verliert er zwangsläufig an Höhe. Um diese Luftzirkulation zu messen, wird der Himmel in Achtel geteilt. Bei 8/8 ist der Himmel zugezogen, bei 3/8 spricht man von Kumulusbewegungen, die optimal sind.

Herford/Oerlinghausen Reportage: Mit dem Herforder Verein Luftfahrt unterwegs

NW-Mitarbeiterin Friderieke Schulz flog mit dem Herforder Verein für Luftfahrt über die Stadt

Friderieke Schulz

Herford/Oerlinghausen. Mit 25.000 Starts pro Jahr gehört der Flugplatz Oerlinghausen bei Bielefeld zu den meistbeflogenen Segelflughäfen Europas. Viele Flieger starten dort mindestens einmal die Woche und viele Neulinge wagen von Oerlinghausen aus einen ersten Versuch in der Luft. Auch NW-Mitarbeiterin Friderieke Schulz wollte einmal den Boden unter den Füßen verlieren. Gemeinsam mit Mitgliedern des Herforder Vereins für Luftfahrt (HVFL) wagte sie das Abenteuer. Um kurz vor halb zehn komme ich am Flugplatz in Oerlinghausen an. Der Pressesprecher des HVFL, Henning Blomeyer, erwartet mich bereits an der Gaststätte, denn Unbefugten ist der Zutritt zum Fluggelände untersagt. „Wer holt die Winde, wer holt den Trecker?“, fragt Cheffluglehrer Harry Fritsche bei der Einweisung. Die Runde ist durchmischt und gerade die jungen Flieger hoffen auf einen längeren Flug – doch der Wetterbericht macht wenig Hoffnung. „Die Thermik wird uns heute keine weiten Überlandflüge erlauben“, vermutet der erfahrene Flieger Fritsche. Leon Bohnenkamp hofft auf einen Umschwung. Der 13-Jährige ist einer der jüngsten Segelflieger. Bereits mit fünf Jahren hat er im Kindersitz bei seinem Vater im Flieger gesessen. Eigentlich dürfte er seinen Flugschein erst mit 14 Jahren machen. „Ich habe aber eine Sondergenehmigung erhalten“, berichtet er. Schnell bin ich mit allen per Du, denn Segelfliegen ist ein Mannschaftssport: „Das wirst du später selbst noch merken“, sagt Henning. Der Pressesprecher übergibt mich in die Obhut von Harry. Langsam wird mir etwas mulmig. Doch Harry nimmt sich viel Zeit, um mir die Geräte und die Checkliste zu erklären, die er vor dem Start mit dem Motorsegler abarbeitet. Über Kopfhörer kann ich jedes Wort von ihm und dem Tower verstehen, bei dem sich Harry nun meldet: „Viktor Lima zum Abflug bereit.“ Wenige Sekunden später bestätigt eine Stimme unseren Wunsch und wir rollen auf das Startfeld.Maschine hebt sanft ab Dann geht alles ganz schnell. Sanft lässt er die Maschine abheben, der Flugplatz unter uns wird immer kleiner und mein Magen unruhiger. „Wenn du erst einmal die Aussicht genießt, vergeht das Gefühl von ganz alleine. Wo sollen wir denn mal hinfliegen?“, fragt er mich. Langsam entfernen wir uns vom Flugplatz und ich bestaune die Aussicht. „Das ist der Truppenübungsplatz – erkennst du ihn?“, fragt Harry und versuche mich zu orientieren. Über Herford wird es einfacher: Dort ist das Rathaus zu sehen, dort das H2O und auch das Haus, in dem ich wohne, habe ich schnell ausgemacht. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich fotografiere, filme und scherze mit Harry, dass ich gar nicht bemerke, wie lange ich schon in der Luft bin. „So! Jetzt bist du mal an der Reihe“, sagt er und erklärt mir, wie ich das Flugzeug lenke. Ein Gefühl von Abenteuerlust überkommt mich. Einige Minuten darf ich den Motorsegler steuern, dann übernimmt Harry wieder die Führung, denn es geht zurück. Kaum hat er die Worte gesprochen ist das unwohle Gefühl zurück und ich bemerke, dass mein Frühstück gehen möchte. „Quatsch! Du bist doch tough, schau mal dort! Weißt du was das ist?“, versucht Harry mich abzulenken, doch der Griff zur Tüte ist unvermeidbar. „Das ist psychisch bedingt. Vielen, die das erste Mal fliegen, geht es so“, sagt Harry. Die Landung ist einfach. Harry setzt Viktor Lima kaum spürbar auf den Boden, wo mich die anderen Flieger herzlich in Empfang nehmen und mir empfehlen, gleich auch den Segelflieger zu testen. „Ich denke, wir trinken erst mal einen Kaffee“, sagt Harry und führt mich zum Café am Flugplatz. Auch Hennig und einige andere Flieger sind dabei – peinlich berührt berichte ich ihnen von meiner Übelkeit. „Das ist doch total normal. Es gibt viele Piloten, denen das bis heute immer mal wieder passiert“, sagen sie.Segelflugzeuge starten nicht alleine Nun bin ich beruhigt und traue mich, auch den Segelflieger genauer in Betracht zu ziehen. Auch Harry verlässt mich, denn er muss Ben Geert briefen. Der 16-Jährige möchte heute zu einem Überlandflug aufbrechen. „Ich glaube das wird nichts und ich muss ihn später irgendwo einsammeln“, sagt Harry zu mir und zwinkert. Später bestätigt sich übrigens seine Vermutung: Am späten Nachmittag holt er Ben von der Bielefelder Straße in Herford ab – ihm ist wortwörtlich die Luft ausgegangen und er musste landen. Doch nun erklärt Henning mir erst einmal die Bodenabläufe. Langsam begreife ich, was er mit Teamsport meinte: Allein zum Bewegen des Flugzeuges bedarf es mehrerer Menschen. Im Vergleich zum Motorsegler kann das Segelflugzeug nicht allein starten. Unterhalb des Rumpfes wird ein Seil befestigt, das an einer großen Winde am Ende der Startbahn hängt. Mit Hilfe einer Telefonverbindung zu Tower und Winde wird der Start abgesprochen. In drei Sekunden zieht diese den Segler von 0 auf 100 Kilometern pro Stunde gen Himmel. Ist der Scheitelpunkt erreicht, so löst der Windenführer das Seil und der Segler ist den Winden, beziehungsweise der Thermik, ausgesetzt. „Das kannst du jetzt mal selbst spüren“, sagt Sören Homburg und nimmt mich mit zum Twin-Flieger. Er hilft mir in den Fallschirm und schnallt mich sicher fest. Auch die anderen Flieger stehen mir bei und scherzen über die Flugqualitäten des 27-jährigen Fluglehrers. Doch verunsichern können sie mich jetzt nicht mehr. Ich fühle mich sicher im Sitz hinter Sören, als das Seil uns senkrecht gen Himmel zieht. Wir überfliegen den Flugplatz in Runden. „Dadurch gewinnen wir Höhe“, erklärt Sören das System der Thermik. Ein lautes Piepen im Flugzeug signalisiert, ob wir sinken oder steigen. Rund 1.000 Meter – das ist die optimale Höhe. Bis wir die erreicht haben, drehen wir uns im Kreis. „Das sieht für viele Menschen von unten seltsam aus, ist für uns aber unerlässlich, um nicht abzustürzen“, berichtet Sören. Ich lehne mich entspannt zurück und genieße die Aussicht, bis beim Magen sich erneut meldet. Etwas geschädigt von meinem Magen resümiere ich innerlich das Erlebte. Während man beim Motorfliegen unabhängiger ist, kann man beim Segelfliegen in Ruhe die Aussicht genießen, denn es ist ohne Motor einfach angenehmer. Beides hat seinen Reiz auf mich und – sein wir mal ehrlich – so ein Pilotenschein ist schon etwas cooles und zugleich nützliches. „Na hat’s dir gefallen?“, fragen mich auch die Herforder, als wir zwanzig Minuten später auf der Rasenfläche landen, und ich antworte überzeugt: „Klar! Ich würde es jederzeit wieder machen.“ – Und das trotz Übelkeit, denn die wird bei dem traumhaften Ausblick zur reinen Nebensache.

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