Gefühlvoller Pianist und Keyboarder: Frank McComb (vorne) beim Auftritt im Schiller. Probleme bereitete dem in einen dicken Strickschal gewickelten Künstler jedoch eine Erkältung, so dass sich das Potenzial der Stimme nur erahnen ließ. - © FOTOS: RALF BITTNER
Gefühlvoller Pianist und Keyboarder: Frank McComb (vorne) beim Auftritt im Schiller. Probleme bereitete dem in einen dicken Strickschal gewickelten Künstler jedoch eine Erkältung, so dass sich das Potenzial der Stimme nur erahnen ließ. | © FOTOS: RALF BITTNER

Herford Zarter Schmelz mit Seele

Frank McComb präsentiert intimes Konzert im Schiller / Soul, der begeistert

Ralf Bittner

Herford. Frank McCombs Hände tanzen über die Tasten des Keyboards, Glenn Gaddums Finger über die Saiten das Basses und Schlagzeuger Yoran Vroom schmeichelt sich dazu. Warmer Soul mischt sich mit feinen Jazzimprovisationen. Musik für die Seele bekommen die Zuhörer im einmal nicht ausverkauften Schiller zu hören. Auf der Bühne sitzt ein sichtlich erkälteter Frank McComb, der immer wieder zu einem Glas mit heißer Zitrone greift. Eher kurz fallen daher seine Moderationen aus, die aber trotzdem ahnen lassen, welch begnadeter Unterhalter er in Topform sein kann. Er ist unermüdlich unterwegs und der feuchtkalte europäische Winter hat seinen Tribut gefordert. Im Schiller muss der Sänger McComb weitgehend dem Musiker McComb am Keyboard den Vortritt lassen. McComb und Band spielen sich die komplexen rhythmischen Bälle zu, bei einigen Songs übernimmt Oscar Kliewe an der Trompete Soli und improvisierte Parts. Kaum zu glauben, dass es das erste Konzert von ihm mit den Dreien ist - zur Stammbesetzung gehört normalerweise Saxofon statt Trompete. So bietet sich für die, die McComb kennen, die Gelegenheit die bekanntesten Songs des Soulschmeichlers in ungewohnten Arrangements zu erleben. Im Programm sind Lieder von seinem im Jahr 2000 erschienen Album "Love Songs" bis zur aktuellen Veröffentlichung "Soulmate", darunter sein wohl bekanntestes Lied "Another Day". Trotz angeschlagener Stimme schmeichelt er sich weich, warm und ausdrucksvoll in die Herzen. Die Karriere des für die Bühne geschaffenen Künstlern hatte als Vertragskünstler bei großen Labels begonnen. Später entschied er sich für seinen eigenständigen künstlerischen Weg. dazu gehört auch, dass er seine CDs über ein eigenes Label vertreibt, auch wenn das heißt, dass er das Geld für sein Traumprojekt - die Produktion der 2013 erschienen CD "Live at the Bitter End: Remembering Donny Hathaway" über die Online-Plattform "Kickstarter" sammeln musste. Hathaway ist einer der unüberhörbaren Einflüsse McCombs, von denen McComb sich längst emanzipiert hat. Applaus für einen Vollblutmusiker, der auch und gerade im kleinen Rahmen überzeugt.

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