Herford Das erste Netz ist geknüpft

"Freifunk": Internetnutzer können sich kostenlos zwischen Steinstraße und Radewiger Brücke einloggen

VON RALF BITTNER
Pfarrer Hartmut Hermjakob (v. l.), Vladimir Dobric, Friedel Ahlmeyer (ISG) und Iwo Koslowsky (Freifunk). - © FOTO: RALF BITTNER
Pfarrer Hartmut Hermjakob (v. l.), Vladimir Dobric, Friedel Ahlmeyer (ISG) und Iwo Koslowsky (Freifunk). | © FOTO: RALF BITTNER

Herford. "Von der Vorstellung der Idee bis zur Umsetzung dauerte es nur acht Wochen", freut sich Hans Koch von der ISG Radewig. Damals stellte er den Mitgliedern die Idee der Initiative Freifunk vor, Besuchern der Radewig einen kostenlosen, sicheren und drahtlosen Internet-Zugang per Funk zu ermöglichen. Viele Geschäfte und Restaurants machten mit, und heute ermöglichen 20 Router den drahtlosen Internetzugang zwischen Steinstraße und Radewiger Brücke.

"Die Idee ist eigentlich ganz einfach", sag Iwo Koslowsky von der Freifunk-Initiative: "In den Geschäften werden Router aufgestellt, die sich miteinander verbinden und ein Netz bilden, in das sich Passanten mit ihren Smartphones oder Tablet-PCs wie in jedes andere WLAN einwählen können." Eine spezielle Software umgeht die Störerhaftung, die die Personen für Störungen verantwortlich macht, die andere über ihren Anschluss verursachen. In Deutschland haften die Betreiber der Zugänge, in anderen Ländern werden dagegen die tatsächlichen Störer ermittelt.

Information
So geht's
  • Freifunk ist eine bundesweite Initiative, die das Ziel der Einrichtung eines mobilen Internets in Bürgerhand verfolgt, das nicht zensiert wird und nicht zentral abgeschaltet werden kann.
  • Infos auch zu den Aktivitäten in Herford gibt es unter www.freifunk-bielefeld.de oder per E-Mail an info@freifunk-bielefeld.de
  • Für Personen oder Geschäfte entstehen außer für die Anschaffung des Routers und den Strom für dessen Betrieb keine weiteren Kosten.
  • Geeignete Geräte gibt es zum Selbstkostenpreis bei den Freifunkern, die die Geräte auch ehrenamtlich einrichten.

Ziel der Initiative ist es, dass irgendwann Menschen durch die Stadt gehen und überall WLAN haben, ohne sich ständig neu einloggen oder ein Passwort haben zu müssen. Sie könnten gemütlich im Café sitzen und ein Bild von ihrem Drink an Freunde schicken, ohne dafür das Datenvolumen ihres Handytarifs zu nutzen.

Eine Vorstellung, die auch für Friedel Ahlmeyer von der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Radewig ihren Reiz hat, gibt es doch rings um den Gänsemarkt einige "kleine aber feine" Außengastronomien, die im kommenden Jahr noch um eine Eisdiele erweitert werden soll: "Die würden alle sicher von diesem Angebot profitieren."

Das Netz in der Radewig ist jetzt so dicht geknüpft, dass entlang dem Bereich Steinstraße, Gänsemarkt und Radewiger Straße eine flächendeckende Abdeckung erreicht ist, doch die Initiative möchte mehr - und muss dazu vor allem hoch hinaus. Koslwosky möchte Router auf dem Turm der Jakobikirche und auf anderen hohen Gebäuden der Stadt installieren, um Freifunknetze nicht nur isoliert in einem oder mehreren Stadtteilen anbieten zu können, sondern die Stadtteile so in einem großen Netz zusammenbringen. Pfarrer Hartmut Hermjakob von der Jakobikirche stellt den Kirchturm dafür zur Verfügung.

Wie weit das Signal durch die dicken Mauern tatsächlich reicht, konnte auch Koslowsky noch nicht sagen, das werde erst die Praxis zeigen. Aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass es bald auch in anderen Quartieren heißt: freier Funk für freie Bürger, sofern sich ähnlich wie in der Radewig Menschen finden, die bereit sind, rund 20 Euro für einen Router auszugeben, der das sichere Freifunken möglich macht.

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