Herford Eine Welle der Hilfsbereitschaft in Herford

Bürger sorgen sich um Flüchtlinge an der Ulmenstraße / Unterkünfte bis November geplant

Herford. Drei Tage nach der ersten Flüchtlingswelle gestaltet sich die Lage am Gebäudekomplex Ulmenstraße 1-7 noch immer unübersichtlich. Während sich verschiedene Hilfsorganisationen nach Leibeskräften um eine angemessene Versorgung der insgesamt 311 Asylbewerber kümmern, bleibt die Frage nach der Zukunft der Flüchtlinge weiterhin ungeklärt - trotz intensiver Bemühungen durch die Stadt Herford. Die aber sieht immerhin einen Hoffnungsschimmer. Sicher scheint derzeit nur, dass die Gebäude auch weiterhin als Notunterkünfte dienen sollen. Bis Mitte November hat die für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständige Bezirksregierung Arnsberg die ehemaligen Briten-Wohnungen gemietet. Und genau so lange sollen sie auch als Übergangsunterkünfte für Asylbewerber genutzt werden. Von dort aus sollen sie nach wenigen Tagen Aufenthalt auf Flüchtlingsheime in anderen Kommunen verteilt werden und Platz für neue Asylbewerber machen. "Die Zugangszahlen an Flüchtlingen steigen permanent und die Erstaufnahme in Dortmund arbeitet schon lange über ihre Kapazitäten hinaus", erklärt Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, die Maßnahme. Zudem herrsche in vier Flüchtlingsunterkünften in NRW ein Aufnahmestopp wegen des Ausbruchs von Krankheiten, sodass man kurzfristig auf andere Kommunen zurückgreifen musste. Ein Vorgang, der bei Bürgermeister Tim Kähler auf Unmut stieß. Und das nicht nur, weil die Stadtverwaltung von den zuständigen Behörden nicht informiert worden war. "Dafür hat sich sowohl die Bezirksregierung Arnsberg als auch der Innenminister entschuldigt", sagte das Stadtoberhaupt. Letzterer habe ihm zugesichert, dass die Gebäude nicht über das Ende des Mietvertrages hinaus, also maximal bis Mitte November, als Flüchtlingsunterkünfte dienen werden. Für Kähler eine gute Nachricht. "Die Immobilie halte ich einfach für nicht geeignet", betont er. Bis zu 15 Menschen müssten sich vor Ort eine Wohnung teilen, in die außer ein paar Feldbetten nicht viel hineinpasse. Zudem fehle es an einer Versorgungsstruktur mit Küchen, Waschgelegenheiten, Sozialräumen und Auslaufflächen. "Wichtig war aber erst einmal, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben." Zumindest die Versorgung der Flüchtlinge läuft derzeit aber reibungslos, wie Helfer vor Ort übereinstimmend berichten. Bis zu 30 Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes waren gestern an der Ulmenstraße, um die Asylbewerber mit Waren des täglichen Bedarfs auszustatten. 15 weitere steuerte das Technische Hilfswerk für die Nahrungsmittelversorgung bei. "Wir haben hier alte und junge Menschen, teilweise auf sich allein gestellt, teilweise auch mit Tieren", sagt DRK-Einsatzleiter Frank Mäsker, "und alle haben ihre Bedürfnisse." Neben Hygieneprodukten und Nahrung gehe es dabei vornehmlich um Kleidung - auch, weil den Menschen vor Ort keine Waschmaschine zur Verfügung stehe. Zwar habe die Ausstattung bislang aus dem Fundus der DRK-Kleiderkammern bewerkstelligt werden können. "Aber auch die sind jetzt kreisweit komplett entleert", sagt Sven Kampeter vom DRK, dessen Einsatz gestern Nachmittag beendet und von der Johanniter Unfallhilfe aus Bielefeld übernommen wurde. Einen Engpass müssten die Kollegen aber nicht fürchten, glaubt Kampeter. Im Gegenteil erlebe er eine "ungeahnte Welle der Hilfsbereitschaft", auch aus der Nachbarschaft. "Anwohner und Bürger helfen mit Sachspenden, andere Freiwillige bieten ihre Dolmetscher-Tätigkeit an", fasst Kampeter zusammen. Eine Lehrkraft vom Anna-Siemsen-Berufskolleg bot gestern zudem ihre Hilfe beim Wäschewaschen an. Auch die Stadt hilft mit Übersetzern sowie beim Abtransport von Müll und bei der ärztlichen Versorgung. "Wir machen jetzt eben alle das Beste aus der Situation", sagt Bürgermeister Kähler, der selbst zweimal täglich zur Lagebesprechung auf den Stiftsberg fährt. Er sieht jetzt vor allem das Land NRW in der Pflicht: "Wir als Kommune sind formal eigentlich nicht für Landesflüchtlinge zuständig."

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