Herford NRW überrascht Herford mit 350 Flüchtlingen

Stadtverwaltung erst am Samstagmorgen informiert

Herford. Ohne Wissen und Beteiligung der Stadt Herford hat das Land NRW zum Wochenende mehrere leerstehende Wohnblocks als Notunterkunft für Asylbewerber herrichten lassen. 350 Flüchtlinge sollen hier vorübergehend einquartiert werden, je 15 in einer 75 Quadratmeter-Wohnung. Die Stadt hat gegen die "Organisationspanne" protestiert und bemüht sich jetzt mit Hilfsorganisationen um einen menschenwürdigen Aufenthalt der Flüchtlinge. Am Freitag ging um 16.30 Uhr ein "überörtlicher Hilferuf" in der Kreisleitstelle in Hiddenhausen ein. Er kam von der Bezirksregierung Arnsberg, die NRW-weit die Unterbringung von Flüchtlingen organisiert. Nur wenige Stunden später traf schon der erste Transport mit Menschen aus dem Übergangslager Unna-Massen auf dem Herforder Stiftberg ein. Anwohner beobachteten die Aktivitäten an der Ulmenstraße, wo Zelte aufgebaut wurden, Außenscheinwerfer montiert und Absperrungen vorgenommen wurden. Die Stadtverwaltung erfuhr allerdings erst am Samstagmorgen von der Einrichtung der Notunterkunft in vier leer stehenden Wohnblocks, die bis zum Frühjahr von britischen Soldaten bewohnt waren. Am Freitag kamen 95 Menschen, für Samstag waren weitere 200 Personen angemeldet, und am Sonntag sollten noch einmal 50 kommen. "Sie kommen aus aller Herren Länder", erklärt eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes. Überwiegend, so erfuhr die Stadtverwaltung, sollen es Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan sein. In den von Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) eingerichteten Wohnungen gibt es Strom, Wasser und sanitäre Anlagen. Für jeden Bewohner stehen ein Feldbett, eine Decke und ein Kopfkissen zur Verfügung. Mitarbeiter des DRK bemühen sich darum, für die Kinder zu sorgen und zumindest Windeln bereitzuhalten. Das THW liefert aus Gütersloh warmes Essen an und sorgt für die Ausgabe. Im Rathaus ist man von der Nutzung der Briten-Wohnblocks an der Ulmenstraße als Notunterkunft völlig überrascht worden, sagte Stadtkämmerer Manfred Schürkamp am Samstagnachmittag gegenüber der Neuen Westfälischen. Erst am Samstagmorgen sei die Stadt offiziell informiert worden: "Das alles ist ohne vorherige Information und Abstimmung erfolgt - ein ganz und gar nicht akzeptables Vorgehen", erklärte der zu diesem Zeitpunkt amtierende Verwaltungschef, der von einer Art "Okkupation" sprach. Inzwischen habe sich die Bezirksregierung Arnsberg offiziell für die "Organisationspanne" entschuldigt. "Wir als Kreis Herford waren genauso überrascht", sagte der in der Kreisverwaltung zuständige Dezernent Norbert Burmann. Die Kreisleitstelle hatte den überörtlichen Hilferuf ans DRK weitergeleitet und auch die Feuerwehr informiert, jedoch keinen Anlass gesehen, weitere Stellen von Stadt und Kreis zu informieren. Burmann: "Wir gingen davon aus, dass die alle längst informiert waren." Auf der Suche nach kurzfristig belegbaren Notunterkünften waren die Arnsberger auf die leer stehenden Immobilien der Bundesimmobilienanstalt BIMA aufmerksam geworden. In der Nachbarschaft wurde die überraschende Ankunft in den Wohnblocks eher gelassen aufgenommen. "Das sind Menschen, die Schreckliches durchgemacht  haben, irgendwo müssen sie ja hin", sagt ein Passant. Andere äußern aber auch ihren Ärger darüber, dass sie im Vorfeld nicht informiert wurden. Am Samstagnachmittag verteilten Feuerwehrleute Flugblätter mit knappen Informationen über die Notunterkunft. Gleichzeitig richtete die Stadt eine Hotline ein. Einige Anwohner boten spontan Hilfe an.  Auch Stadtkämmerer Schürkamp sprach von einer "Willkommens-Kultur", die die Hansestadt Herford den Flüchtlingen entgegen bringen solle. Im Rathaus geht man derzeit davon aus, dass die Wohnblocks zunächst nur vorübergehend als Notunterkünfte Verwendung finden.

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