Sven Kalinowski (l.,), IT-Verantwortlicher der Recyclingbörse, und Iwo Koslowsky von den Piraten wollen Router an Gastronomen und Einzelhändler verteilen. - © FOTO: LEONIE MOLLS
Sven Kalinowski (l.,), IT-Verantwortlicher der Recyclingbörse, und Iwo Koslowsky von den Piraten wollen Router an Gastronomen und Einzelhändler verteilen. | © FOTO: LEONIE MOLLS

Herford Freies Internet für die Stadt

Initiative "Freifunk" möchte ein drahtloses Datennetzwerk aufbauen

VON LEONIE MOLLS

Herford. Die Reaktionen sind noch skeptisch. Kein Wunder, kommt das Angebot für einen kostenlosen WLAN-Router - die Basisstation für drahtloses Internet - doch nicht alle Tage. Dabei setzen sich Iwo Koslowsky und Sven Kalinowski mit dem Freifunk-Projekt nur für ein kabelloses Internet (WLAN) in Herfords Innenstadt ein. Gastronomen und Einzelhändlern bieten sie zehn Router mit spezieller Software an - in der Hoffnung, dass sich das Projekt durchsetzen wird.

Freifunk, eine nicht-kommerzielle Initiative, ist vor Jahren in Berlin gestartet. Inzwischen werden in vielen Städten Deutschlands Router aufgestellt, die sich miteinander verbinden und untereinander ein Netz bilden. So soll den Bürgern ein flächendeckender, kostenloser Internetzugang zur Verfügung gestellt werden.

Die Herforder könnten also irgendwann durch die Stadt gehen und mit ihrem Laptop oder Smartphone überall WLAN haben, ohne sich ständig neu einloggen, ohne ein Passwort haben zu müssen. Sie könnten gemütlich im Café sitzen und ein Bild von ihrem Eisbecher an Freunde schicken, ohne dafür das Volumen ihres Handytarifs zu nutzen. 

Seit knapp zwei Jahren gibt es das Projekt in Bielefeld. Paderborn hat nach Hamburg mit rund 380 Routern das zweitgrößte Freifunknetz Deutschlands. In Arnsberg ist gerade mit 20 Routern eine komplette Einkaufsstraße ausgestattet worden. "Uns ist wichtig, dass die Menschen anonym Zugang zu Informationen haben", sagt Koslowsky von der Piratenpartei. Sie hat zehn Router gesponsert, die in Lokalen und Geschäften installiert werden könnten. Natürlich können sich auch Privatleute einen solchen Router zulegen. 15 bis 40 Euro kostet er, je nach Modell.

"Das ist ein Netz in Bürgerhand, das von niemandem zensiert oder abgeschaltet werden kann", sagt Kalinowski, IT-Verantwortlicher der Recyclingbörse. Voraussetzung sei lediglich ein vorhandener Internetanschluss. In den beiden Filialen der Recyclingbörse stehen bereits Router, im Kontor Kaffee ebenfalls, auch das Museum Marta ist seit Frühjahr dabei.

Wichtig sei, dass die so genannte Störerhaftung umgangen werde, sagt Koslowsky. "Die gibt es in keinem anderen Land." In anderen Ländern werde die Quelle der Urheberrechtsverletzung ausfindig gemacht. "Da muss nicht der Betreiber eines  offenen WLANs ran", sagt Kalinowski. Um die Störerhaftung zu umgehen, wird momentan der Internetverkehr des Freifunknetzes über einen verschlüsselten Kanal nach Schweden geleitet.

Also kann jemand, der über die Freifunk-Netzwerke eingeloggt ist, ungestraft Kinofilme runterladen? "Wenn ich eine Autobahn baue, kann ich auch nicht verhindern, dass Kriminelle sie nutzen", sagt Koslowsky. Und wie sieht es mit der Datensicherheit aus? "Netze sind so oder so unsicher", sagt Kalinowski. "Man muss sensible Daten immer verschlüsseln."

Sicher, HD-TV oder umfangreiche Online-Spiele seien über das Netz nicht möglich. "Aber alles, was mit der Vernetzung der Menschen zu tun hat, wird dadurch möglich." 

Das alles lässt sich nicht zwischen Tür und Angel erklären. So überrascht es nicht, dass Gastronomen und Einzelhändler in Herford zögerlich auf das Angebot reagieren. Nur eine Mitarbeiterin eines Bekleidungsgeschäftes wirkt sofort angetan: "Stimmt, in vielen Städten gibt es ja freies Internet, in Herford gar nicht - ich find?s gut." Kalinowski und Koslowsky scheinen also einen Nerv zu treffen - auch wenn noch viel Arbeit vor ihnen liegt.

Information
KONTAKT

Infos gibt es unter www.freifunk-bielefeld.de oder per E-Mail an info@freifunk-bielefeld.de.
Auch die Piraten Herford informieren über das Projekt Freifunk. Auf der Seite www.piratenpartei-herford. de gibt es ein Kontaktformular.

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