Herford "Foto-Shooting war wie eine Bewältigungstherapie"

Patientinnen und Besucher loben Brustkrebs-Ausstellung im Klinikum / Organisatoren präsentieren Bildband zur Finissage

Gerhard Zerbes (links) präsentiert das neue Bild - es ist Nummer 15 - mit seinem "Model" Sylvia (rechts). "Narben sind kaum zu sehen", sagt die 46-Jährige. - © FOTO: KLINIKUM
Gerhard Zerbes (links) präsentiert das neue Bild - es ist Nummer 15 - mit seinem "Model" Sylvia (rechts). "Narben sind kaum zu sehen", sagt die 46-Jährige. | © FOTO: KLINIKUM

Herford (nw). Leicht bekleidet, selbstbewusst und voller Lebenslust: So präsentieren sich die Frauen auf ästhetischen Fotografien, die jetzt während einer Ausstellung im Klinikum Herford hingen. Das Besondere an den Bildern: Alle Models sind Brustkrebs-Patientinnen. Jetzt geht die Ausstellung zuende. Die Resonanz: positiv – sowohl bei den Models, als auch bei den Besuchern.

"Für mich war die Teilnahme am Foto-Shooting eine Art Bewältigungstherapie", sagt etwa Petra. Ihr Bild war Teil der Ausstellung "Veränderung – Verletzte Weiblichkeit im Wandel".

15 Frauen, mal mehr, mal weniger verhüllt, setzte der Kölner Künstler Gerhard Zerbes ästhetisch in Szene – als Frauen, nicht als Patientinnen. "Viele Frauen, die eine Brustkrebserkrankung hinter sich haben, denken, sie haben ihre Weiblichkeit verloren", sagt Zerbes. Sie sähen dann häufig nur die Narben. Innere und äußere Wahrnehmung klafften weit auseinander.

Das Ziel der Aktfotos: eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema Brustkrebs und der Frage, ob kranke Frauen auch sexy sein können.  "Die Fotos helfen den Frauen, sich und ihre verletzte Weiblichkeit anders zu sehen und sich mit ihr zu versöhnen."

Ein Model sei sogar zweimal vorbeigekommen: vor und nach der Operation an der Brust. Das Thema kam auch bei den Besuchern gut an. Eine Klasse des Anna-Siemsen-Berufskollegs schaute sich die Ausstellung an und hinterließ ihre Eindrücke von den mutigen Frauen in einem Gästebuch. Dr. Arno Schäfer vom Klinikum Herford berichtete von "begeisterten Eintragungen im Gästebuch." Das zeige, dass es "richtig war, diese Ausstellung durchzuführen."

Auch Sylvia ließ sich ablichten. Die 46-Jährige wurde im Jahr 2011 am Klinikum Herford von Chefarzt Dr. Thomas Heuser operiert und wusste, als sie von der Ausstellung erfuhr, dass es die richtige Plattform für sie sein würde, um dem Krebs selbstbewusst die Stirn zu bieten.

"Ich wollte hier und möchte auch zukünftig Teil dieser Ausstellung sein, um Betroffene positiv zu bestärken und zu zeigen, dass ein Heilungsverlauf sehr gut sein kann."

Neues Selbstbewusstsein hat das Shooting auch Model Petra vermittelt. "Ich konnte mich vorher nicht im Spiegel ansehen", sagte sie. Noch immer steigen ihr die Tränen bei der Erinnerung daran in die Augen.

Unter ihrer Scham habe die ganze Familie, der Mann, die kleine Tochter gelitten. "Danke, dass ich mich wieder als Frau fühlen darf", sagte sie zu Künstler Zerbes. Für Petra waren die Aktfotos ein Schlusspunkt des Krankseins. "Der Krebs wird immer ein Teil meines Lebens sein, aber ich fühle mich jetzt gesünder."

Fotograf Zerbes hatte mit dem Projekt begonnen, nachdem bei der Frau eines Freundes – dem Model Mel – eine Brust amputiert werden musste. "Er war verzweifelt. Sie glaubte ihm nicht, dass er sie noch immer attraktiv fand." Zerbes fotografierte Mel nackt – schonungslos und schön. Den "direkten Weg" nennt er es. Mehr als 20 Frauen hat er inzwischen porträtiert.

Die individuellen Geschichten der abgelichteten Frauen wurden jetzt auch in einem Bildband aufgearbeitet und präsentiert.

Die Ausstellung passte auch insofern gut ins Klinikum, als eine hoch spezialisierte Brustchirurgie-Abteilung unter der Leitung von Dr. Thomas Heuser arbeitet. Alle Fachleute im Haus profitieren vom Austausch zwischen den Bereichen Gynäkologie, Onkologie, Strahlentherapie, Psychoonkologie sowie Nuklearmedizin und Pathologie.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group