Herford Eins, zwei ... deins!

Pfand-Versteigerung: Großer Andrang der Schnäppchenjäger im Schützenhof

Zum Warmwerden bietet Leihhaus-Betreiber Brian P. Milas (r.) zunächst gängige Markenuhren an, Startpreis 1 Euro. Auktionator Carlo Dewe versucht die Gebote in die Höhe zu treiben. Gabriela Keller führt Buch und sammelt das bar bezahlte Geld in der Kassette. - © FOTO: RALF BITTNER
Zum Warmwerden bietet Leihhaus-Betreiber Brian P. Milas (r.) zunächst gängige Markenuhren an, Startpreis 1 Euro. Auktionator Carlo Dewe versucht die Gebote in die Höhe zu treiben. Gabriela Keller führt Buch und sammelt das bar bezahlte Geld in der Kassette. | © FOTO: RALF BITTNER

Herford. "In Fünferschritten, bitte!" feuert Brian Milas, Inhaber des Leihhauses Herford, seinen Auktionator an: "Wir wollen fertig werden." Aufgerufen sind zum Warmwerden bei der 17. Auktion des Pfandhauses erst einmal einige Armbanduhren verschiedener namhafter Hersteller, alles Gegenstände, die Kunden gegen Bargeld verpfändet und nicht wieder eingelöst hatten.

Die Regeln bei der Versteigerung sind einfach. Es wird per Handzeichen geboten, Ersteigertes Gut wird von Leihhaus-Mitarbeitern an den Platz gebracht und muss sofort bar bezahlt werden, Gebühren werden nicht mehr draufgeschlagen. Die Gegenstände, vor allem Elektronik wie Computer oder Handys werden von Leihhaus geprüft, aber ohne Garantie verkauft, Fehler so gut es geht beschrieben. Ab einer Stunde vor Versteigerungsbeginn können Interessierte die Objekte in Augenschein nehmen, im Internet die handelsüblichen Preise recherchieren oder mit dem Leihhaus-Team fachsimpeln.

Smart-Phones, Tablet-PCs, Uhren, Elektrowerkzeuge, DJ-Plattenspieler, Spielekonsolen, Fototechnik, Schmuck oder auch ein Fahrrad sind im Angebot. "Wenn die Dinge hier zur Versteigerung kommen, sind sie acht bis zehn Monate lang nicht wieder eingelöst worden", sagt Milas, verpflichtend wären eigentlich nur vier Monate.

"Ich mache meinen Umsatz aber nicht über die Versteigerungen, sondern über Zinsen und Gebühren für die Pfandkredite ganz ähnlich einer Bank", sagt er. Die meisten Kunden nutzen die Möglichkeit, einen Wertgegenstand zu verpfänden, um kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbücken und lösen ihre Pfänder auch wieder ein.

Was nicht eingelöst wird, kommt bei den regelmäßigen Versteigerungen unter den Hammer. "Die Startgebote liegen häufig deutlich unter Ebay-Preisen", sagt Milas: "Hier kann man echte Schnäppchen machen." Das hat sich rumgesprochen, der Besucherzuspruch ist inzwischen so groß, dass die Aktion erstmalig im Restaurant des Schützenhofs stattfindet. Schon bei der Vorbesichtigung wird aber klar, dass die kommende Aktion im nächstgrößeren Saal stattfinden wird. Außerdem sitzen die Menschen so dicht, dass Auktionator Carlo Dewe Mühe hat, jedes Gebot wahrzunehmen. Mittendrin ein Besucher aus Bünde, der seinen Namen nicht nennen und zunächst nur schauen möchte. "Mal gucken, wie das hier so abläuft." Später bietet er mit, die Laptops haben es ihm angetan, er geht allerdings leer aus. Auch das gehört dazu.

Die Erlöse schwanken stark, eine digitale Spiegelreflex will einfach zum Startgebot für 290 Euro keinen Käufer finden. Milas und Dewe beraten sich, setzen ein deutlich niedrigeres Gebot an. Als der Hammer zum dritten Mal auf den Tisch knallt, sind das Mindestgebot übertroffen und Malis zufrieden. Zweieineinhalb Stunden geht das so, Praktisches wechselt den Besitzer und Wertanlagen, etwa die Replika einer Rolex, zwar nicht von der Edelfirma produziert, aber doch aus echtem Gold und mit echten Brillanten besetzt gehen zum Materialwert über den Tisch. "Überhaupt wurde am Samstag mehr Schmuck als sonst gekauft", sagt ein zufriedener Milas.

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