Fotograf Gerhard Zerbes hat 14 Fotos in das Klinikum Herford mitgebracht - und zwei seiner Modelle. Voller Selbstbewusstsein zeigen Petra und Karin (jeweils 42, v. li.) ihre Körper. Nach der Brustkrebserkrankung hat die Aktfotografie ihnen geholfen, sich wieder weiblich und schön zu fühlen, sagen die beiden Frauen. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Fotograf Gerhard Zerbes hat 14 Fotos in das Klinikum Herford mitgebracht - und zwei seiner Modelle. Voller Selbstbewusstsein zeigen Petra und Karin (jeweils 42, v. li.) ihre Körper. Nach der Brustkrebserkrankung hat die Aktfotografie ihnen geholfen, sich wieder weiblich und schön zu fühlen, sagen die beiden Frauen. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Kreis Herford Nackt gegen die Angst

Selbstbewusst: Ausstellung im Klinikum zeigt Aktfotos von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind

von christine panhorst

Kreis Herford. Auf ihrem Foto trägt Petra nur ein loses Männerhemd. Entstanden sei das Bild zwei Jahre nach der Brustamputation, sagt die 42-Jährige. Auf dem Foto blickt sie nach unten, der kaum verhüllte Körper ist dem Betrachter zugewandt: Es ist das Bild einer schönen Frau, die sich wohlfühlt in ihrem Körper.

Petras Aktmotiv ist eines von insgesamt 14 Bildern einer ungewöhnlichen Ausstellung, die Mut machen und aufrütteln will. Unter dem Titel "Veränderung" zeigt das Kreisklinikum Fotografien von Gerhard Zerbes und zeigen Frauen ihre Körper: verletzlich und schön, nach dem Brustkrebs, den Operationen, den Narben.

Sensibel und ästhetisch setzt der Kölner Fotograf seine Modelle in Szene - als Frauen, nicht als Patientinnen. "Viele Frauen, die eine Brustkrebserkrankung hinter sich haben, denken, sie haben ihre Weiblichkeit verloren", sagt Zerbes. Sie sähen dann häufig nur die Narben. Innere und äußere Wahrnehmung klafften weit auseinander. "Die Fotos helfen den Frauen, sich und ihre verletzte Weiblichkeit anders zu sehen und sich mit ihr zu versöhnen." Ein Model kam sogar zweimal: vor und nach der Operation an der Brust.

Neues Selbstbewusstsein hat das Shooting auch Model Petra vermittelt. "Ich konnte mich vorher nicht im Spiegel ansehen", sagt sie. Noch immer steigen ihr die Tränen bei der Erinnerung daran in die Augen. Unter ihrer Scham habe die ganze Familie, der Mann, die kleine Tochter gelitten. "Danke, dass ich mich wieder als Frau fühlen darf", sagt sie zu Zerbes.

Der Fotograf hatte mit dem Projekt begonnen, nachdem bei der Frau eines Freundes - dem Model Mel - eine Brust amputiert werden musste. "Er war verzweifelt. Sie glaubte ihm nicht, dass er sie noch immer attraktiv fand." Zerbes fotografierte Mel nackt - schonungslos und schön. Den "direkten Weg" nennt er es. Mehr als 20 Frauen hat er inzwischen porträtiert.

Mal mehr, mal kaum verhüllt lassen die Fotos die Auswirkungen der Krankheit auf die Körper erahnen. Doch was den Blick fängt, ist die Lebensfreude, das Selbstbewusstsein, das die Modelle ausstrahlen. "Die Bilder sollen Hoffnung geben und helfen zu verstehen, auch den Angehörigen und Ärzten", sagt Zerbes. Im Foyer des Herforder Klinikums werben seine Fotos jetzt um einen offenen, sensibleren Umgang mit dem Thema Brustkrebs. "Im Klinikalltag überwiegt häufig das Analytische", sagt auch Dr. Thomas Häuser von der Frauenklinik. "Aber die emotionale Komponente ist ebenso groß."

Für Petra waren die Aktfotos ein Schlusspunkt des Krankseins. "Der Krebs wird immer ein Teil meines Lebens sein, aber ich fühle mich jetzt gesünder."

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