Herford Mit Musik gegen Atombomben

Herforder Friedensaktivisten reisen zur Blockade des NATO-Waffenlagers Büchel in die Eifel

VON RALF BITTNER
Musiker Gerd Büntzly, Pfarrer Berthold Keunecke und Dr. Winfried Eisenberg (v.l.) beteiligen sich am Protest. - © FOTO: BITTNER
Musiker Gerd Büntzly, Pfarrer Berthold Keunecke und Dr. Winfried Eisenberg (v.l.) beteiligen sich am Protest. | © FOTO: BITTNER

Herford. Kalter Krieg und Blockkonfrontation sind seit rund einem Vierteljahrhundert Geschichte, doch noch immer lagern rund 20 Atombomben unter dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Für das kommende Wochenende ruft die Kampagne "Atomwaffenfrei.jetzt" zu einer Protestblockade der Militärbasis auf. Mit dabei sind als Teil des Musikernetzwerks Lebenslaute auch Friedensaktivisten aus Herford.

Seit 1986 spielt Lebenslaute an Orten auf, die die Aktivisten als "Unrechtsorte" bezeichnen, so im Juni vor dem Innenministerium, um sich "Politikern und anderen für den staatlichen Rassismus direkt Mitverantwortlichen" in den Weg zu stellen. Im Sommer 2012 wurde gegen den Waffenhersteller Heckler&Koch protestiert.

"Wir lassen uns bei der Wahl der Konzertorte nicht einschränken, die Auftritte schließen den Grenzübertritt mit ein", sagt Pfarrer Berthold Keunecke, der wie Dr. Winfrid Eisenberg und Gerd Büntzly während der Blockade in Büchel in einem Chor mitsingen wird.

"Die Tradition dieser Aktionsform der friedlichen Blockade reicht bis zu den Protesten gegen den Nato-Doppelbeschluss vor dem Atomwaffenlager Mutlangen 1983 zurück", erklärt Keunecke. Mit friedlichen Mitteln versuche man Sand im Getriebe der Militärmaschinerie zu sein. Die Entscheidung, an welchen Aktionen sich Lebenslaute beteiligt, falle basisdemokratisch.

Wichtig sei es, lokale Initiativen zu unterstützen und auf ein aktuelles Themen hinzuweisen. 2013 sind das die Atombomben, die den US-Streitkräften gehören, aber im schlimmsten Fall von deutschen Tornado-Jagdbombern über ihren Zielen abgeworfen würden. "Die Bomben stammen aus den 1960er Jahren", sagt Eisenberg: "Jede hat die Zerstörungskraft von 13 Hiroshima-Bomben." Derzeit modernisieren die USA diese Bomben, um sie zielgenauer und mit neuen Kampfflugzeugen kompatibel zu machen.

Die Anpassung der Tornados an die neue Bombe werde Deutschland 250 Millionen Euro kosten, heißt es im Flugblatt der Initiative "Atomwaffenfrei.jetzt", die für das kommende Wochenende unter dem Motto "Abrüstungsinstrumente – Rhythm Beats Bombs" zum Protest in Büchel aufruft und den Abzug der Bomben fordert. Es geht dem Bündnis nicht nur um die Kosten – sondern auch um die Befürchtung, dass die Hemmschwelle für den Einsatz mit der größeren Genauigkeit sinke, wodurch ein Einsatz wahrscheinlicher werde.

Neben den Herfordern werden rund 1.500 Aktivisten aus Friedensgruppen in der Eifel erwartet. Ziel ist es, jeden Zugang zu der Basis zu blockieren. An einem Probewochenende im Mai haben sich die Mitglieder von Lebenslaute sowohl musikalisch als auch die Aktionsformen betreffend vorbereitet. "Unser Konzept zieht allmählich Kreise", sagt Eisenberg. Denn auch andere Gruppen, die sich an der Kampagne "Atomwaffenfrei.jetzt" beteiligen, würden auf Musik und kulturelle Darbietungen setzen.

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