Experte: Herforder Cheftrainer Uwe Mohn steht den Teilnehmern des NW Projektes "Lauf geht?s" als kompetenter Fachberater zur Seite und hilft ihnen, ihre Trainingsziele zu erreichen. - © Foto: Isabelle Helmke
Experte: Herforder Cheftrainer Uwe Mohn steht den Teilnehmern des NW Projektes "Lauf geht?s" als kompetenter Fachberater zur Seite und hilft ihnen, ihre Trainingsziele zu erreichen. | © Foto: Isabelle Helmke

Herford Experte im Interview: So klappt's mit dem Laufen

Der Cheftrainer des NW-Projektes "Lauf geht?s" in Herford, Uwe Mohn, verrät Tipps und Tricks zum Laufeinstieg

Isabelle Helmke

Herford. Uwe Mohn hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der 57-Jährige entdeckte seine Leidenschaft fürs Laufen im Sportunterricht und ist seinem Hobby seit nunmehr 50 Jahren treu geblieben. Seit 2004 leitet er den Active Sportshop in Herford und steht seinen Kunden und Laufinteressierten als kompetenter Fachberater zur Seite. Als Cheftrainer für die Herforder Gruppe betreut er das im März 2018 gestartete NW-Projekt "Lauf geht's". Dabei sollen Anfänger, Hobbyläufer und Wiedereinsteiger mit Hilfe eines fachkundigen Trainings-und Ernährungsplans über eine Zeitspanne von sechs Monaten fit für den Bochumer Halbmarathon im September werden. Die Aktion geht jetzt in die 15. Woche. Im Interview gibt Uwe Mohn einen kurzen Statusbericht zum Projekt und verrät Tipps und Tricks für Laufanfänger. Herr Mohn, Wie läuft das sportliche Projekt in Herford? Uwe Mohn: Das Projekt läuft sehr gut und wir befinden uns gut im Zeitplan. Ich finde es sensationell, wie motiviert die Teilnehmer sind, selbst bei den warmen Temperaturen. Da kommt man natürlich schneller an seine Grenzen und dementsprechend müssen wir das Training anpassen. Daher haben wir die Trainingszeiten in den Vormittag gelegt, wenn es noch kühler draußen ist. Wir laufen auch nicht mehr in der Stadt, sondern treffen uns am Tierpark. Von da aus geht es in den Wald. Das ist nicht nur schattiger, sondern auch kurzweiliger. Hier in der Region gibt es sehr schöne Laufwege und ich freue mich immer, wenn ich den Teilnehmern als zugezogener Herforder neue Strecken zeigen kann. Hat sich der Trainingsplan bislang bewährt? Mohn: Weitestgehend halten wir uns beim Training an den Plan, so dass die Teilnehmer auch wissen, was auf sie zukommt und von ihnen erwartet wird. Mir ist besonders positiv aufgefallen, dass die Teilnehmer, die den Trainingsplan verfolgen und regelmäßig zu den Gruppenstunden kommen, große Fortschritte machen. Meine Aufgabe als Trainer ist es, die Läufer individuell zu fordern, zu motivieren und ihnen zu helfen, ihre persönlichen Grenzen zu überschreiten. Mit der richtigen und vor allem gesunden Motivation kann man diese Schranken überwinden und über sich selbst hinauswachsen. Denken Sie, dass die Teilnehmer ihre Trainingsziele erreichen werden? Mohn: Ihr jeweiliges Ziel werden alle erreichen. Jeder hat unterschiedliche Anforderungen an sich selbst, aber sie haben alle gemein, dass sie durch das Projekt ihr Leben ändern und aktiver sowie fitter werden wollen. Das ist ein viel größeres Ziel als der Lauf des Halbmarathons in Bochum. Für die meisten Teilnehmer wird es ja auch der erste sein, daher werden sie auf jeden Fall ihre persönliche Bestzeit laufen. Haben Sie ein paar Tipps und Tricks für Laufanfänger? Mohn: Ganz wichtig ist, dass man sich nicht zu hohe Ziele setzt, sondern realistische und erreichbare, die motivieren, anstatt einen Leistungsdruck zu erzeugen. Es ist zum Beispiel nicht sinnvoll, sich zu Silvester als Anfänger vorzunehmen beim Hermannslauf mitzumachen. Damit tut man sich selbst und seinem Körper keinen Gefallen. Man muss nicht jeden Tag laufen, um fit zu werden, sondern sollte es lieber ruhig dafür aber konsequent angehen. Die goldene Faustregel lautet: Gehen ist keine Schande. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus und den gilt es erst einmal zu finden. Der eine trainiert zum Beispiel lieber morgens, der andere abends. Ich persönliche würde die Morgenstunden empfehlen. Dann startet man nicht nur fit in den Tag, sondern hat es auch sozusagen hinter sich. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Training immer weiter hinausgezögert wird. Am besten macht man sich einen Plan - dabei ist ein Zeitplan besser als ein Kilometerplan. Das erzeugt weniger Leistungsdruck. Zwei bis drei Mal pro Woche ist optimal. Zusätzlich sollte man den Rumpf und den Rücken trainieren. Welche Gesundheitsaspekte sind zu beachten? Mohn: Jeder, der älter als 35 Jahre ist, sollte vor dem Trainingsstart auch besser einen Körpercheck beim Hausarzt machen lassen. Der untersucht die Blutwerte und das Herz-Kreislaufsystem. Auf diese Weise können Vorschädigungen ausgeschlossen und das Verletzungsrisiko gemindert werden. Worauf muss man bei der Ausrüstung achten? Mohn: Das wichtigste sind die Laufschuhe. Um das passende Modell zu finden, macht man eine Videoanalyse, bei der der individuelle Bewegungsablauf überprüft wird. Erst danach sucht man sich den Schuh aus. Es geht um Funktion, nicht um Optik. Klar läuft das Auge auch mit, aber der Schuh muss passen. Auch die Kleidung sollte bequem sein. Man kann natürlich Baumwollshirts tragen, aber das wird in den Wintermonaten zum Beispiel sehr kalt. Das sind alles Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit es Spaß macht. Wie kann man gegen seinen inneren Schweinehund ankämpfen? Mohn: Um den zu überwinden empfehle ich, dass man sich möglichst zum Laufen verabredet. Das ist nicht nur sicherer, sondern auch motivierender. Außerdem lernt man auf diese Weise auch neue Strecken kennen und bekommt mehr Abwechslung. Wer nach der Arbeit laufen möchte, sollte es sich nicht erst auf dem Sofa bequem machen, sondern direkt die Sportsachen anziehen. Es gibt auch Lauftreffs, denen man sich anschließen kann. In der Gruppe wird auch mal nachgefragt, wenn man länger nicht da war. Da kommt man nicht so schnell in die Versuchung zu schwänzen. Was die Lauf-Technik betrifft, kann man sich dort auch super Tipps von erfahrenen Läufern holen. Vor allem die Kopf-, Becken- und Armhaltung ist zu beachten. Die familiäre Unterstützung ist natürlich auch wichtig, besonders wenn man noch jüngere Kinder hat. Dabei muss man natürlich immer Zeiten für das Hobby finden, die in den Tagesablauf passen. Ich habe beispielsweise immer die Zeit genutzt, in der meine Tochter Reittraining hatte. Statt zwei Stunden im Auto zu sitzen und auf sie zu warten, bin ich laufen gegangen.

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