Der Angeklagte wurde ohne Auflagen freigesprochen. - © Wolfgang Rudolf (Symbolbild)
Der Angeklagte wurde ohne Auflagen freigesprochen. | © Wolfgang Rudolf (Symbolbild)

Herford Prozess gegen Messerstecher eingestellt

Nach der Auseinandersetzung an der Verdistraße gibt es jetzt eine Entscheidung

Jobst Lüdeking

Herford. Eine durch Stiche mit einem Küchenmesser lebensgefährlich verletzte junge Frau (26) und ein lebensgefährlich verletzter junger Mann: die Bilanz einer Auseinandersetzung vor einer Wohnung an der Verdistraße im November 2016. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei gingen zunächst von versuchtem Totschlag aus, eine Mordkommission wurde gebildet. Dann ging es „nur noch" um den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung – der mutmaßliche Täter (44) musste sich deshalb gestern vorm Schöffengericht verantworten. Strafverteidiger schildert Notwehrsituation Es war der mittlerweile dritte Anlauf, das Verfahren abzuschließen. Doch zu einem Urteil gegen den 44-Jährigen, der nach der Tat über Wochen in Untersuchungshaft saß, kam es nicht – das Gericht stellt das Verfahren gegen den Mann nach Paragraf 153 – ohne weitere Auflagen – ein. Vor Gericht konnten die Angaben des Mannes, der vom Bielefelder Strafverteidiger Detlev Binder vertreten wurde, nicht widerlegt werden. „Mein Mandant ist sehr froh, dass das Verfahren jetzt abgeschlossen ist. Für ihn war es sehr belastend", sagte Binder später. Die strafrechtlichen Vorwürfe seien nun vom Tisch. Binder hatte für ihn eine Erklärung abgegeben, in der er große Teile der Tatgeschehens einräumt, gleichzeitig aber keinen Zweifel daran ließ, dass sich sein Mandant in einer Notwehrsituation sah. Begonnen hatte die Auseinandersetzung in einer Spielhalle an der Komturstraße. Dort beleidigte der angetrunkene 44-Jährige die junge Frau, die dort Aufsicht führte. Die 26-Jährige sowie ihr Freund und ein weiterer Bekannter beschlossen dann, nach Feierband mitten in der Nacht den 44-Jährigen in seiner Wohnung aufzusuchen und zur Rede zu stellen. Die Situation sei sofort eskaliert Doch was brachte das Trio dazu, zur Verdistraße zu fahren? Die junge Frau berichtet von einer Entschuldigung, die sie einfordern wollte. Ihr Freund berichtete in seiner Aussage im ersten Prozess ebenfalls, dass man den 44-Jährigen nur sprechen wollte, damit er sich entschuldige. Rechtsanwalt Binder berichtet, wie das seinem Mandanten gänzlich unbekannte Trio an die Tür geschlagen habe. Die Situation sei dann sofort eskaliert, als sein Mandant geöffnet habe. Er sei attackiert worden und habe in seiner Angst nach einem Messer in der Küche gegriffen, mehrfach zugestochen und dabei auch die junge Frau verletzt. Die 26-Jährige wird möglicherweise ein Leben lang unter den Folgen des Abends leiden. Mehrere Nerven in ihrem Arm wurden durchtrennt. Sie kann ihn, wie im ersten Prozess bekannt wurde, nur noch eingeschränkt bewegen.

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