Murat D.: So zeigt er sich auf seiner Facebook-Seite. - © NW
Murat D.: So zeigt er sich auf seiner Facebook-Seite. | © NW

Herford Mehr IS-Terroristen als bisher gedacht aus Herford ausgereist

Bislang war von vier Salafisten bekannt, dass sie sich dem Terrornetzwerk angeschlossen haben

Jobst Lüdeking

Herford. Die Zahl der Islamisten, die sich von Herford aus zur Terrororganisation IS in Syrien und dem Irak abgesetzt haben, ist größer als bisher bekannt. Das erfuhr die NW aus Sicherheitskreisen. Bislang war von vier Mitgliedern der Salafistenszene bekannt, dass sie für den „Islamischen Staat" kämpften. Nach den neuen Informationen sollen es bis zu acht junge Männer sein. Die Behörden können nichts über den genauen Verbleib der vier weiteren Personen sagen. Ihre Ausreise wurde aber offenbar über verschiedenste Stationen in der Salafistenszene organisiert. Teils war ausreise-verdächtigen Islamisten der Pass entzogen worden. Der Generalbundesanwalt geht im Fall des verurteilten deutschen Herforder Konvertiten B., der unter Umar A. für den IS kämpfte, davon aus, dass er über Kontakte zu tschetschenischen Islamisten nach Syrien reiste. Gleiches gilt für den wohl getöteten Murat D. Der türkische Pass des Mannes aus Herford war von kurdischen Truppen nahe der IS-Hochburg Rakka gefunden worden. Tot ist auch das dritte Mitglied dieser Herforder Gruppe. Tarik S., den Bielefelder Ermittler am Frankfurter Flughafen kurz nach der Landung festgenommen hatten, wurde inzwischen wie B. verurteilt. So einfach kommen IS-Anhänger nicht mehr nach Deutschland zurück So – vergleichsweise – einfach wie in der Vergangenheit, kommen IS-Anhänger nicht mehr nach Deutschland zurück. Deshalb wird seitens der Sicherheitsbehörden auch nicht mit einer Welle von Rückkehrern gesprochen. Dafür gebe es gute Gründe: Die Grenze der Türkei und Syrien werde inzwischen stärker überwacht. Und das gelte erst recht für die Ausreisen per Flugzeug – gleichzeitig sind die Namen der aus Deutschland ausgereisten IS-Terroristen an die Behörden in anderen Ländern, etwa der Türkei gemeldet worden. Und dass sich die Islamisten ausgerechnet durch die Kurdengebiete, wo sie tausende Opfer quälten und abschlachteten, abzusetzen wagen, gilt als unwahrscheinlich und wenig erfolgreich. Wahrscheinlich sei, dass die bis zu vier IS-Terroristen – sollten sie noch leben – nach wie vor dem IS angehören und kämpfen oder sich in einem der Gefangenenlager in Syrien oder im Irak befinden. Das Leben in diesen Lagern führe dazu, dass sich der eine oder andere deutsche IS-Terrorist zu erkennen gebe – wohl in der Hoffnung, dass ihn die deutschen Behörden dann zurück in die Bundesrepublik holen. Ein deutsches Gefängnis werde gegenüber einem Gefangenenlager als das deutlich kleinere Übel angesehen.

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