Damals Bahnhofstraße 6-8: Um 1965 ist das Foto zur Weihnachtszeit entstanden. - © Sammlung Polster
Damals Bahnhofstraße 6-8: Um 1965 ist das Foto zur Weihnachtszeit entstanden. | © Sammlung Polster

Herford Mittwochrätsel Auflösung: Kleine Geschäfte weichen später dem Go Parc

Eine funktionierende Zeile inhabergeführter Geschäfte ist einem Parkhaus mit Baumarkt und später mit der Diskothek Go Parc gewichen

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Foto von vergangener Woche zeigte ein Gebäude an der heutigen Bahnhofkreuzung. Eine alte Herforderin hat es Mathias Polster zur Verfügung gestellt, der diese Perspektive noch nicht in seiner großen Fotosammlung hatte. Wo früher Geschäfte waren, ist heute das Parkhaus Radewig, in dessen Erdgeschoss die als Go Parc bekannt gewordene Diskothek High-Club untergebracht ist. Das Parkhaus Radewig wurde in den Jahren 1979/80 erbaut. Die Straße hieß damals Bahnhofstraße. Heute beginnt hier die Wittekindstraße. Der Go Parc wurde 1985 eröffnet. "Als Heimgeburt dort das Licht der Welt erblickt" Andreas Fischer schreibt: „Diese Foto erinnert mich an meine Kindheit, wo ich in der Bahnhofstraße 4, links von den verschiedenen Einkaufsläden, bis zu meinem 6. Lebensjahr gewohnt habe (im Haus, wo Zahnarzt Schroeter* seine Praxis hatte) und ich auch als Heimgeburt das Licht der Welt erblickt habe. Neben Stolte, Metzgerei Koch und dem Reformhaus war auch noch ein Schuhgeschäft in der Häuserreihe bis zur Eisenbahnbrücke. Die genaue Reihenfolge kriege ich nicht mehr hin. Auf der linken Seite, da wo der große Baum zu sehen ist, war meines Wissens auch mal eine kleine Bratwurstbude. Das DRK war, wenn ich mich recht entsinne schon damals dort, wo es heute noch ist. Ein sehr schönes Erinnerungsfoto. Ganz herzlichen Dank dafür." Rita Frentrup weiß: „Heute steht dort der Go Parc, davor hatte sich ein Baumarkt dort angesiedelt. Auf dem alten Foto ganz rechts, nicht mehr im Bild, befand sich die Fleischerei Koch, die Wild verkaufte und ,Hasen im Fell‘. Die hingen draußen an den Hinterläufen aufgehängt an einer Stange, für Kinder ein gruseliger Anblick. Als nächstes kam Dr. Hermann mit seiner kleinen, hauptsächlich homöopathischen Praxis, dann das Spielwarengeschäft Stolte und Schuhgeschäft Meyer. Um die Ecke herum, in einem anderen Gebäude, war der Zahnarzt Schrötter* und dann stand da noch ein kleines Holzhaus in dem ein Fahrradladen war, der Tretroller verlieh." Straßenführung war Herausforderung für Fahrschüler Gabriele Schaub erinnert sich: „Ich sah das heutige Foto und dachte sofort Bahnhof, noch bevor ich den Text gelesen hatte. Die damalige Straßenführung war ein beliebtes Ziel für Fahrlehrer, für die Fahrschüler nicht so. Meinen Führerschein habe ich 1975 gemacht. Heute steht da das Radewiger Parkhaus mit ehemals Go Parc unten drin." Rosemarie Rottmann meint: „Heute High Club ( Ex Go Parc) und Neustadt Parkhaus früher Autohaus Niebaum und Hamacher. Bahnhofstraße 6." Helfried Horstmann schreibt: „Was heute ein ,Brennpunkt des Herforder Nachtlebens‘ ist, war noch vor etwa 50 Jahren eine Geschäftszeile mit inhabergeführten Läden. Nach der Bahnunterführung begann es mit der Fleischerei Koch. Das Gebäude ist nicht auf dem Foto zu sehen. Es schlossen sich an: Das Hutgeschäft Heinrich Bröker, das Spiel- und Porzellangeschäft Werner Stolte, das Reformhaus Bühring und das Schuhhaus von Rudolf Meyer. Ein Stückchen weiter war das Fahrradgeschäft Bültermann. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite lagen die Bäckerei August Koch und der Friseursalon von Rolf Büter. Tabakwaren gab es bei Walter Schachtsiek. Erbauliche Literatur für Christen Die christliche Buchhandlung versorgte Interessierte mit erbaulicher Literatur. Farben, Tapeten und andere Dinge zum Renovieren der Wohnung gab es bei Heinrich Gräweling. Und wer Zeit und Lust auf einen Kaffee hatte, fand hierzu Gelegenheit im der Milch- und Kaffeestube von Paula van Kesteren. Leider ist diese Zeit unwiederbringlich vorbei. Eine intakte Geschäftsstraße musste dem Straßenverkehr weichen. Es entstand ein Parkhaus mit einem Baumarkt, der aber schon nach kurzer Zeit wieder schloss, um dann für die Diskothek Go Parc Platz zu machen. Ich bin immer wieder fasziniert von der Vielfalt der Geschäfte, die es noch bis in die 1960er und 1970er Jahre in Herford gab. Wenn man als Kind mit seinen Eltern von der Radewiger Feldmark aus in die Stadt ging, begann nach der Unterführung das Geschäftsleben und in den Schaufenstern gab es immer etwas Interessantes anzuschauen." Richtig große Autos bei Ford Ulrich Stille schreibt: „Feuchte graue Weihnachtsstimmung an der Bahnhofstraße, wo es heute an den Wochenende bunt und sehr feucht-fröhlich lange Jahre im Go Parc und nun im High Club zugeht. Damals leuchteten wenigstens die Schaufenster von Werner Stoltes Spielzeugladen, die ich immer wieder interessiert besucht habe, wenn ich mit meiner Zahnspange auf dem Weg zu Zahnarzt Hans Schroedter* war. Der hatte seine erste Praxis links im Hinterhaus und ich ging gern zu ihm und seiner Frau, die ihm assistierte. Seine fürsorgliche und fast liebevolle Art nahm bei mir dem Zahnarztbesuch jeden Schrecken und das blieb auch später so bis zu seinem Ruhestand. Nach der Behandlung ging es wieder vorbei an Stoltes Spielzeugladen, wo dann und wann auch schon mal das knappe Taschengeld in ein kleines Objekt investiert wurde, das das Herz höher schlagen ließ. In dem Gebäude an der Bahnhofstraße war auch noch ein Schuhgeschäft und links nebenan um die Ecke die Ford-Vertretung von Niebaum und Hammacher, wo es die richtig großen Autos gab. Ford ging dann von hier zur Liebigstraße und hat sich jetzt am Füllenbruch niedergelassen." Klaus-Dieter Stork weiß: „Nach Fertigstellung des Parkhauses war dort zuerst der Baumarkt ,Bauhaus‘ ansässig, bevor die Diskothek einzog." * Hinweis: An die Schreibweise des Zahnarztes erinnern sich unsere Leser unterschiedlich.

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