Blau heißt Überflutung: Der Technische Leiter des Abwasserbetriebs Gerhard Altemeier zeigt am Beispiel des östlichen Ortsrandes, wo es bei einem Jahrhundertregen heikel werden könnte. Stadion und Ernstmeierstraße wären besonders betroffen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Blau heißt Überflutung: Der Technische Leiter des Abwasserbetriebs Gerhard Altemeier zeigt am Beispiel des östlichen Ortsrandes, wo es bei einem Jahrhundertregen heikel werden könnte. Stadion und Ernstmeierstraße wären besonders betroffen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Wer sich in Herford für Jahrhundertregen rüsten muss

6.900 unterschiedliche Gebäude sind betroffen, wenn Starkregen die ganze Stadt trifft

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Gerd Altemeier und sein Team vom städtischen Abwasserbetrieb wollen den Herfordern keine Angst machen, sondern ihnen sachlich vor Augen führen, welche Sturzfluten insbesondere aus überquellenden Kanälen bei einem 30-Jahres- oder gar Jahrhundertregen auf sie und ihr Grundstück zukommen können. Vor allem wollen sie Hinweise geben, was Immobilienbesitzer tun können, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Denn obwohl die Stadt in den vergangenen Jahren viel Geld investiert hat, kann das Kanalsystem wirtschaftlich nicht für Regenmengen größer als den statistischen 30-Jahres-Regen ausgelegt werden. Und die Jahrhundertregen kommen auch in Herford durch den Klimawandel öfter, als man denkt: Im vergangenen Jahr – wenn auch örtlich begrenzt – zwei Mal. Mit der computergestützten Überflutungssimulation, die auch Gegebenheiten des Geländes einbezieht, haben die Fachleute ab August ein Instrument in der Hand, die Bürger grundstücksgenau und noch kleinteiliger zu informieren. Das ist in der Region bisher einmalig und wird angesichts sich häufender Starkregen-Ereignisse aufgrund des Klimawandels sicher Nachahmer finden. Kartenwerk soll 
im August fertiggestellt sein In zwei 21-teiligen Gefährdungs-Kartenwerken für den 30-Jahres- und den 100-Jahres-Regen sind Gebäude mit Risiko orange und rot markiert und überflutete Flächen je nach zu erwartender Wasserhöhe in verschiedenen Blautönen eingezeichnet. Mit einem möglichen Hochwasser von Werre und Aa hat die Simulation unmittelbar nichts zu tun. Hier gibt es eigene Berechnungen und Karten, die mit den neuen Erkenntnissen zusammengeführt werden können. Ein 30-Jahres-Regen und ein Jahrhundertregen können weitaus mehr Gebäude und Grundstücke in der Stadt Herford gefährden, als nach im vergangenen Herbst vorgestellten, ersten Berechnungen angenommen. In Herford stehen 32.000 Gebäude von der Garage bis zur Industriehalle auf 16.000 Grundstücken. Unwetter treffen oft nicht das ganze Stadtgebiet Bei einem 30-Jahres-Regen sind 5.850 Gebäude und bei einem 100-Jahres-Regen 6.900 Gebäude betroffen – vorausgesetzt das Wetter trifft ganz Herford. Das muss aber nicht sein, denn die Unwetter sind oft nicht so raumgreifend. Schwarzenmoor kann trocken bleiben, während Elverdissen „absäuft" – oder umgekehrt. Gerhard Altemeier schreibt in einer Vorlage für die Sitzung des Betriebsausschusses für den Immobilien- und Abwasserbetrieb (IAB) am Mittwoch, dass trotz fehlender klarer Rechtsgrundlage davon ausgegangen werden müsse, dass ein Regen, der alle 30 Jahre einmal auftrete, ohne große Überflutungsprobleme innerhalb des Kanalnetzes abgeführt werden können muss. Um das sicherzustellen, müssten noch technische Maßnahmen in Herford eingeleitet werden. Eine Arbeitsgruppe ist im Aufbau, in der die Stadtplanung, das Grünflächenamt, die Tiefbauabteilung, die Feuerwehr und der Abwasserbetrieb zusammen geführt werden. Ziel ist eine Verringerung der Gefahr für betroffene Gebäude. So könnten etwa Grünflächen zeitlich begrenzt geflutet werden. Spätestens bei einem 100-Jahres-Regenereignis muss, so Altemeier, der Grundstückseigentümer auch für eine Schadensminimierung sorgen. Es gebe verschiedene Maßnahmen wie Abschottung von Kellerfenstern und Kellertüren. Der IAB hat noch nicht entschieden, wie die Grundstückseigentümer informiert werden sollen. Entweder könnten die Karten im Internet veröffentlicht werden. Oder jeder Eigentümer könnte individuell angeschrieben werden.

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