Gut gelaunt beim Flugplatzfest: Die Mitglieder vom VfL Herford - © Patrick Herrmann
Gut gelaunt beim Flugplatzfest: Die Mitglieder vom VfL Herford | © Patrick Herrmann

Oerlinghausen/Herford Herforder Verein präsentiert sich auf Flugplatzfest in Oerlinghausen

"Wie Achterbahn, nur rasanter"

Patrick Herrmann

Oerlinghausen/Herford. Der Fokus lag in diesem Jahr auf den Segelfliegern. Beim Flughafenfest auf dem Oerlinghauser Segelflugplatz lieferten sie unzählige Starts ab. Kaum gelandet, da wurden sie von den Winden schon wieder in die Luft gezogen. Das Seil einklinken, auf den Signalschwenk von Heinz Richter warten, der zeigt, dass der Luftraum frei von Modellen und anderen Flugzeugen ist und ab geht die Reise. Ein Flugschüler beschreibt den Start mit folgenden Worten: "Das ist wie Achterbahn, nur rasanter". Die Seilwinde zieht das Segelflugzeug auf etwa 600 Meter Höhe. Hohe körperliche Belastung für Piloten Dabei dürfe "die körperliche Belastung nicht vergessen" werden, die auf die Piloten wirkt, erklärt Henning Blomeyer von Herforder Verein für Luftfahrt. Besonders die Wärme im Cockpit mache den Piloten zu schaffen, wenn sie den ganzen Tag fliegen. Das Cockpit eines Segelflugzeugs ist komplett durchsichtig nach oben hin, die Sonneneinstrahlung ist enorm. Neben den Rundflügen bieten die erfahrenen Piloten Wissen rund um das Segeln durch die Luft an. "Wir erklären den Gästen das Flugzeug, lassen sie sich reinsetzen." Fragen wie, "Warum fliegt das überhaupt?" gehören zum Standardrepertoire, sagt Blomeyer. Flughafengeschäftsführer Rolf Tiemeyer hat beobachtet, dass das Interesse an der Fliegerei in diesem Jahr "unverhältnismäßig hoch" sei. Vor allem daran, selbst zu fliegen und nicht nur staunend zuzusehen. Über 20.000 Starts im Jahr Neben dem Segelflug gab es noch viel Programm auf dem größten Segelflugplatz Europas mit weit über 20.000 Starts im Jahr. Am Samstag präsentierte zum Beispiel die Luftwaffe einen Cougar-Transport-Helikopter. Drei dieser Hubschrauber sind in Besitz der Bundeswehr, alle sind in Berlin-Tegel stationiert und werden überwiegend für den Transport hochrangiger Politiker eingesetzt. Einen Eindruck, was das 6,4-Tonnen-Ungetüm leisten kann, bekamen die Besucher bei einer Tiefflugvorführung. Das war nicht die einzige Flugshow am Wochenende. Eine Jak-52, ein Flugzeug russischer Herkunft, wurde von den Stuntpiloten bis zum Äußersten geflogen. Fallschirmspringer zeigen meisterhafte Vorführung Eine meisterhafte Vorführung zeigten zwei Fallschirmspringer. Sie sprangen aus der Antonov-An2. Utz Schultze-Röhl, so schien es vom Boden aus, saß dabei auf dem Schirm von Frank Grunwald. So glitten sie gemeinsam zu Boden. Jede Kurve, jedes Pendeln flogen sie in Eintracht übereinander. Erst etwa zehn Meter über dem Boden löste sich Schultze-Röhl und beide landeten sanft. Mit dieser Vorführung wurden sie im vergangenen Jahr Deutscher Meister in der Kategorie CF 2er Stack Rotation, einer speziellen Variante des Fallschirmspringens. Geschäftsführer Tiemeyer war zufrieden mit dem Flugplatzfest. "Wetterbedingt hatten wir sehr guten Zulauf, die Antonov hob allein am Sonntag zu 20 Rundflügen ab." Bekanntschaft auf dem Flugplatz Oerlinghausen gemacht Neben den hochfliegenden Flugzeugen wirkten Ines und Gerd Ottensmann ganz bodenständig. Sie sind seit "Ewigkeiten" (68 Jahre) verheiratet und lernten sich vor Ewigkeiten und zwei Jahren Pfingsten auf dem Flugplatz in Oerlinghausen kennen. Ines Ottensmann war damals aus Westberlin zu Besuch auf dem Flugplatz und bekam ihren Gerd als Fluglehrer vom Herforder Verein für Luftfahrt zugeteilt. Ein Team, das bis heute zusammengeblieben ist. Gerd Ottensmann fliegt noch heute und ist dem Verein freundschaftlich verbunden geblieben, obwohl er vor Jahren schon nach Hamburg gezogen ist. Pfingsten kommt er allerdings jedes Jahr zurück nach Oerlinghausen. Dort startet er noch regelmäßig mit einer KA-8, die die Herforder 1960 selbst bauten. Das Flugzeug ist heute ein bewegliches Denkmal des Landes NRW. Dass am Sonntag wenig Segelkunstflug zu sehen war, obwohl der Fokus auf dem Motorlosen fliegen lag, war ausgerechnet einem kaputten Motor geschuldet. Die Schleppmaschine, die die Kunstsegler in die Luftbringen sollte, hatte einen Motorschaden. Für Montag wurde daher Ersatz vom Flughafen Bielefeld geordert.

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