Preisgekrönt: Die Ansicht des Entwurfs von "Werk 9 Architekten" zeigt einen Blick Richtung Schulhof mit der Hansastraße im Rücken des Betrachters. Im Hintergrund ist die Fassade des neu vor den vorhandenen Flügel gebauten Klassenzimmertraktes zu ahnen. Links steht im Anriss die neue Dreifachturnhalle. - © Werk 9 Architekten
Preisgekrönt: Die Ansicht des Entwurfs von "Werk 9 Architekten" zeigt einen Blick Richtung Schulhof mit der Hansastraße im Rücken des Betrachters. Im Hintergrund ist die Fassade des neu vor den vorhandenen Flügel gebauten Klassenzimmertraktes zu ahnen. Links steht im Anriss die neue Dreifachturnhalle. | © Werk 9 Architekten

Herford Neue Sporthalle des Ravensberger Gymnasiums wird leuchten

Wettbewerbs-Jury benennt einstimmig Sieger-Entwurf

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Architekturbüro "Werk 9" aus Herzebrock-Clarholz hat den Architektur-Wettbewerb um den Neubau einer Dreifach-Turnhalle am Ravensberger Gymnasium, die Erweiterung der Schule um acht Klassenräume, eine Mensa und Verwaltungsräume sowie ein Konzept für eine neue Nutzung der denkmalgeschützten Turnhalle Lübberbruch gewonnen. Es erhält 27.000 Euro Preisgeld und wohl auch den Planungs- und Ausführungsauftrag für das auf 11 Millionen Euro geschätzte Projekt. Bürgermeister Tim Kähler ist zuversichtlich, dass sich der Ratsausschuss für den Immobilien- und Abwasser-Betrieb (IAB) am 13. Juni dem Votum anschließt - schließlich waren auch die Fraktionen in der überwiegend mit Fachexperten aus Architektur und Verwaltung besetzten 25-köpfigen Jury vertreten. Nach Angaben des Technischen Beigeordneten Peter Böhm könnte dann ohne einen weiteren Ratsbeschluss und ohne Ausschreibungsverfahren das Büro beauftragt werden, so dass im Sommer 2019 Baubeginn wäre. Rein theoretisch könnte sich die Politik aber auch für einen anderen Entwurf entscheiden. Die Jury fand laut Tim Kähler in allen eingereichten Entwürfen tolle Ideen, doch sei die schwierige Entscheidung am Ende einstimmig gefallen. Alle Entwürfe sind vor dem Ratssaal zu sehen. Joachim Cornelius stellt Siegerentwurf vor Architekt Joachim Cornelius stellte den Siegerentwurf seines Büros gestern der Presse vor. Der Grundgedanke sei gewesen, eine "sehr kompakte Anlage" zu erstellen auf der vorhandenen Fläche. So will Werk 9 anders als viele andere Planer nicht die alte Turnhalle Lübberbruch zur Mensa umbauen, sondern zu einem multifunktionalen Saal, den die Schule ebenso nutzen kann wie andere Gruppen. Von Ausstellungen über kleine Theateraufführungen bis zur Gymnastik und privaten Veranstaltungen scheint noch alles möglich. Aufgewertet mit einem kleinen Vorbau wird der bisherige Seiteneingang zum Schulhof. Das vorhandene, L-förmige Gebäudeensemble wird ergänzt und orientiert sich nach der Idee eines "Atriumhauses" zum zentralen Schulhof. Der Verwaltungsteil im Erdgeschoss soll Richtung Werrestraße erweitert, der Eingangsbereich aufgewertet werden. Das Foyer wird großzügiger ausgebaut. Klassenraumtrakt wird zum Schulhof verdoppelt Der Klassenraumtrakt Richtung Theater wird zum Schulhof hin verdoppelt und erhält mit der neuen Fassade ein attraktives Gesicht. Flure und Treppenhäuser können bestehen bleiben. Die Mensa wird ins Erdgeschoss des neuen Klassenraumtraktes eingefügt und ist damit aus dem Foyer als "Knotenpunkt" der Schule erreichbar. Über eine großzügige Verglasung öffnet sie sich optisch Richtung Schulhof. Das gesamte Erdgeschoss wird durch einen umlaufenden, überdachten Arkadengang zusammengefasst, so dass alle Bereiche der Schule einschließlich Theater als Schulaula und neuer Turnhalle erschlossen sind. Die alte Sporthalle am Theaterparkplatz wird abgerissen. Die neue Dreifach-Sporthalle soll, so der Architekt, einen markanten Endpunkt setzen. Die eigentliche Halle grenzt in voller Höhe mit ihrer Längsseite an die Hansastraße. Richtung Schulhof werden in geringerer Höhe ein Teil der Umkleiden und Nebenräume vorgebaut. Es gibt einen Zugang zum Theaterparkplatz. Durch eine großzügige Verglasung wird der Zuschauerbereich optisch an den Schulhof angebunden. Spieler werden nicht vom Sonnenlicht geblendet Eine umlaufende Ziegelwand in Erdgeschosshöhe soll wie ein Sockel der Sporthalle wirken. "Im Kontrast dazu erhält die Sporthalle einen bündig aufgesetzten Leuchtkörper aus durchscheinender, lichtstreuender Verglasung, die im Inneren eine gleichmäßige natürliche, schlagschatten- und blendfreie Belichtung ermöglicht", erklärt der Planer. Die Scheiben mit einem Kunststoffkern übernehmen den Wärmeschutz im Sommer. Insbesondere nachts soll der obere Teil der Halle nach außen wie ein Leuchtkörper wirken. Das Büro schlägt vor, die Bauzeit mit einer Traglufthalle auf dem Kleinspielfeld mit der Lübberbruchhalle als Umkleidemöglichkeit zu überbrücken. Das Ravensberger Gymnasium ist mit der Erweiterung für die Rückkehr zum G9-Abitur gerüstet. Einfach wird die Bauzeit für die Schule nicht, wissen Schulleiterin Rita Klötzer und ihr Team: "Aber es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird."

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