Stellprobe: Komponist und musikalischer Leiter George Kochbeck (r.) diskutiert mit den Darstellern Axel Feige und Hannah Brunkhorst. - © Ralf Bittner
Stellprobe: Komponist und musikalischer Leiter George Kochbeck (r.) diskutiert mit den Darstellern Axel Feige und Hannah Brunkhorst. | © Ralf Bittner

Herford Crossover-Oratorium zum Elisabeth-Jahr

Am 1. Juli wird ein Singspiel für Kammerorchester, Band und Solisten mit Musik von George Kochbeck Premiere haben

Ralf Bittner

Herford. Als szenisches oratorisches Crossover bezeichnen Filmkomponist George Kochbeck und Autor Ecki Stieg ihr Werk "Elisabeth", das am 1. Juli seine Uraufführung in der Marienkirche Stift Berg erleben wird. Die aufwendige Produktion für Kammerorchester, Band und Solisten entsteht anlässlich des 400. Geburtstages der Äbtissin Elisabeth von der Pfalz (1618-1680). In Kochbecks Studio in Wölpinghausen am Steinhuder Meer laufen die Proben des 14-köpfigen Orchesters. Unter Anderem werden Laute, Gambe und Barockgitarre für barocken Klang und Zeitkolorit sorgen. Der Komponist beschäftigte sich in den vergangenen Jahren für verschiedene Projekte immer wieder mit der Zeit der Reformation und den Jahren danach. Er konzipierte Konzerte zum 400. Jubiläum der Stadtkirche Bückeburg, eine musikalische Zeitreise zu 500 Jahren Reformation und schrieb die Musik zu einer sechsteiligen Arte-Dokumentation zum Thema. Für das Elisabeth-Oratorium verwendet er eigene Musik, teils aus diesen Produktionen, dazu erklingen auch Songs von den Beatles, Bruce Springsteen oder James Brown. Ein harmonisch arrangiertes kammermusikalisches Klangbild soll ein musikalisches Crossover entstehen lassen, das es so noch nicht gab: melancholisch, aufwühlend, etwas düster und emotional. Leben und Wirken der Äbtissin als Thema Thema des Oratoriums sind Leben und Wirken der Äbtissin, die als eine der herausragendsten Frauen des 17. Jahrhunderts gilt, die kriegerischen Auseinandersetzungen als Folge der Reformation und die frühen philosophischen Ansätze für ein aufgeklärtes Europa. Erzähltexte berichten von Elisabeth und ihrer Zeit, Zitate aus Elisabeths Briefwechsel mit dem Philosophen René Descartes werden als Dialog von Schauspielern vorgetragen. Zusammengestellt wurden diese Texte vom Herforder Publizisten Michael Girke, der sich für die Ausstellung "Klug und flammend", die ab 26. Mai im Daniel-Pöppelmann-Haus zu sehen ist, intensiv mit dem Briefwechsel zwischen Philosoph und Äbtissin beschäftigt hat. In der Marienkirche fand jetzt eine erste Sprech- und Stellprobe statt, um ein Gefühl für den Raum zu bekommen und Standorte für Orchester und Technik festzulegen. Felicitas Breest, die die Elisabeth singen wird, probierte verschiedene Standpunkt aus, außerdem ging es um die Frage, ob Sprechtexte und die begleitende Musik von der Länge her zueinander passen. 50 Minuten Sprechtext neben der Musik "Hier gibt es noch Abstimmungsbedarf", stellte Kochbeck fest, ist aber zuversichtlich, dass die Feinabstimmung bis zur Premiere gelingen wird. Mit in die Kirche gekommen waren Axel Feige, der als Sänger und Sprecher zu erleben sein wird, und die junge Hannah Brunkhorst, die das Darstellerensemble ergänzt. Aktuell gibt es neben der Musik etwa 50 Minuten Sprechtext. Die Konzertbesucher scheint ein emotionales und informatives Werk zu erwarten, Zeit sollten sie allerdings mitbringen. Karten gibt es in den Buchhandlungen Otto, Auslese und Mayersche und in der Geschäftsstelle der Neuen Westfälischen.

realisiert durch evolver group