Finale: Der als Pirat beschuldigte Antonio (Laurin Weggen, v. l.) kommt frei, Sebastian (Sherin Khalifa) und die in seine Rolle geschlüpfte Zwillingsschwester Viola (Marisa Lacatena, 3. v. l.) erkennen einander. Olivia (hi.) und Orsino (Jan Cassen Wellsandt) und Maria (Pauline Bewig) staunen. - © Ralf Bittner
Finale: Der als Pirat beschuldigte Antonio (Laurin Weggen, v. l.) kommt frei, Sebastian (Sherin Khalifa) und die in seine Rolle geschlüpfte Zwillingsschwester Viola (Marisa Lacatena, 3. v. l.) erkennen einander. Olivia (hi.) und Orsino (Jan Cassen Wellsandt) und Maria (Pauline Bewig) staunen. | © Ralf Bittner

Herford Spielclub glänzt mit Verwirrspiel im Stadttheater

17 Darsteller im Alter von 15 bis 21 Jahren präsentieren die schwungvolle und unterhaltsame Komödie "Was du willst" - frei nach, aber nah an Shakespeare

Ralf Bittner

Herford. Die Shakespeare-Komödie "Was du willst" besser bekannt als "Was ihr wollt" ist ein flotte Komödie voller Tempo, Liebeswirren, Verwechslungen und dem Spiel mit Geschlechterrollen. Sie spielt im unbestimmt bleibenden Illyrien mit Herzog, Hofstaat, Edelleuten, Seeleuten, Edeldamen, Zofen und Naren. Reichlich Rollen also, die es in der Inszenierung des von Lisa Reese und Jonas Panhuysen geleiteten Spielclubs V zu besetzen galt. Die 17 Darsteller im Alter von 15 bis 21 Jahren hatten seit Oktober vergangenen Jahres intensiv daran gearbeitet, die Vorlage zu ihrem Stück zu machen. Entstanden ist ein Stück, dass es wert war, auf der großen Bühnen gezeigt zu werden. Wie schon Shakespeare, der in einer Zeit als Frauen nicht Theater spielen durften, mit Männern, die Frauen in Männerrollen spielen, spielte, fällt auch der Spielclub gelegentlich aus seiner Spiel - in die gegenwärtige Welt. Mal ist es der Song "Sweet Dreams", der der Liebessehnsucht Ausdruck verleiht, mal fegen die vor Energie fast platzenden Narren mit dem Ärzte-Song "Zu spät!" über die Bühne, wenn der von Olivia (Clara Schnell) verschmähte Orsino (Jan Cassen Wellsandt) mal wieder im Liebeskummer versinkt. Unterhaltung durch gut aufgelegte Darsteller Das mehr als eineinhalb Stunden lange ohne Pause gespielt Stück unterhält über die ganze Zeit, was auch an den gut aufgelegten Darstellern liegt. Orsino schmachtet seinen Olivia eher leise an und überlässt das Werben seinem Boten Cesario (Marisa Lacatena), nicht ahnend, dass der in Wirklichkeit Viola heißt und eine nach einem Schiffbruch in Illyrien gestrandete Adeligen ist. Während Olivia sich in Cesario verguckt, entdeckt Olivia/Cesario bei Orsino viel Positives. Sind hier eher leise Töne gefragt, kann sich Stefan Begemann als verklemmter Hagestolz Malvolio voll ausspielen. Der Bedienstete Olivias gerät immer wieder mit deren Onkel Tobias (Maximilian Klüter/Luis Dietrich) und seinen Saufkumpanen aneinander, so dass die beschließen, ihn mittels einer Intrige und Hilfe von Zofe Maria (Vanessa Schwarzer/Pauline Bewig) aus dem Weg zu räumen. So folgt einem grandios geckenhaften Auftritt in gelben Socken der Sturz in den Kerker. Dann tauchen auch noch Schiffskapitän Antonio, von Laurin Weggen mit wuchtiger physischer Präsenz gespielt, und Sebastian (Sherin Khalife) Violas totgeglaubter Bruder auf, der prompt mit dem von ihr gespielten Cesario verwechselt wird. Auch Khalifa ist doppelt gefordert: einerseits verteidigt sie resolut den als Piraten verunglimpften Antonio, anderseits kommt sie zart als Olivia näher. Ein grandios-komisches Duell sorgt für Heiterkeit Ein grandios-komisches mit Fletschen ausgetragenes Duell sorgt noch einmal für Heiterkeit, bevor sich so allmählich klärt, wer wer ist und fast alle Akteure im Verwirrspiel eine Partnerin oder einen Partner finden. Gespielt wurde auf der großen Bühne im Theatersaal, die die Darsteller mühelos mit ihrem Spiel im Griff hatten, wie auch der lang anhaltende Applaus am Ende zeigte. Fünf Theaterclubs werden in Herford in Kooperation von Stadttheater und Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater NRW angeboten. "Liebe? Ich erklär dir das mal!" heißt das Stück des Spielclubs IV. Zu sehen ist es am Mittwoch, 30., und Donnerstag, 31. Mai, im Theater. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

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