Dirk Strehl: Er las aus Wegners "Höllischem Brautgesang" und an einem Brief, den der damals bekannte Schriftsteller an Adolf Hitler richtete. Das Schreiben brachte ihn prompt in Haft. - © Philipp Tenta
Dirk Strehl: Er las aus Wegners "Höllischem Brautgesang" und an einem Brief, den der damals bekannte Schriftsteller an Adolf Hitler richtete. Das Schreiben brachte ihn prompt in Haft. | © Philipp Tenta

Herford Gedenken an die Bücherverbrennung im Elsbachhaus

Dabei wurde an den heute vergessenen Schriftsteller Armin T. Wegner erinnert

Philipp Tenta

Herford. Die Bücherverbrennungen vor 85 Jahren waren ein einschneidendes Geschehen um das sich heute Mythen ranken. Gisela Küster erinnerte zum Auftakt der Gedenkveranstaltung im Elsbachhaus daran, dass es sich dabei nicht um einen anonymen Befehl einer kulturfernen Bürokratie handelte. Im Gegenteil, es war eine populäre Bewegung die von gebildeten Studenten und auch den Literaturverlagen selbst getragen wurde. Unter den demonstrativ ins Feuer geworfenen Büchern befand sich auch das Werk des heute beinahe unbekannten Armin T. Wegner. 1933 war er noch ein anerkannter erfolgreicher Lyriker, Erzähler und Reiseschriftsteller, dessen Bücher bis ins Japanische übersetzt wurden. Wegner sah, was mit Armeniern geschah Helga Kohne präsentierte in ihrem Vortrag eine beeindruckende Persönlichkeit, die als gewaltloser Rebell zur Inspiration der modernen Friedensbewegung wurde. Seine ausgedehnten Reisen, vor allem in den vorderen Orient machten ihn zum Zeugen des Genozids an der armenischen Bevölkerung des osmanischen Reichs. Diese Eindrücke wurden von ihm aber nicht nur literarisch verarbeitet, er engagierte sich öffentlich mit Briefen an den deutschen Kaiser und den amerikanischen Präsidenten. Genau so reagierte er auch bei Beginn der Judenverfolgungen in Deutschland. Sein mahnender Brief an Adolf Hitler führte ihn direkt ins KZ der Gestapo und später ins Exil. In den Nachkriegsjahren verschwand der 1978 verstorbene Wegner jedoch vollständig von der literarischen Bildfläche. Dirk Strehl hatte für diesen Abend eine Auswahl von Texten vorbereitet, welche die große Spannweite Wegners Schaffens widerspiegelten. Dem seiner jüdischen Frau gewidmeten "Höllischen Brautgesang" wurde der an Hitler gerichtete Brief gegenüber gestellt. Ausschnitte aus seinen orientalischen Reiseberichten, mit denen Wegner seine literarische Anerkennung fand, rundeten das Bild ab. Zu erleben war ein Autor der mit hoher sprachlicher Ästhetik sein Publikum verführen kann, dem aber gleichzeitig ein gnadenloses Aussprechen unangenehmer Wahrheiten ein Hauptanliegen ist. Passend dazu musizierte Azize Karakuzu auf dem arabischen Kanun, aus dem sich im Mittelalter die europäische Zither entwickelte. Sie zeigte dabei ein beeindruckendes Talent zur musikalischen Märchenerzählerin.

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